absurdes Versprechen musste Gianni Infantino nicht einhalten. Er habe der iranischen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft versichert, erklärte der FIFA-Präsident, "dass ich nach Teheran komme und sie mit dem Bus zum Turnier fahren werde, wenn es sein muss."
Nach zahlreichen bürokratischen Hürden, Visa-Problemen und viel Skepsis haben es die Iraner aber auch ohne die Hilfe Infantinos nach Nordamerika geschafft – von einem klassischen WM-Erlebnis und echter Chancengleichheit kann aber nicht die Rede sein.
Denn an das Sportliche war für die Iraner vor dem Gruppenstart in der Nacht zu Dienstag (3 Uhr MESZ/MagentaTV) gegen Neuseeland in Los Angeles kaum zu denken.
Match-Center: Iran vs. Neuseeland
Einreieprobleme – und plötzlich keine Tickets
Das Teamquartier musste kurzfristig ins mexikanische Tijuana verlegt werden, wo am Freitag in unmittelbarer Nähe zum Trainingsplatz eine Leiche im Kofferraum eines SUV gefunden wurde. Die Einreisebedingungen für die Spieltage in den USA wurden zudem erst kurzfristig geklärt – und dann stand der Verband plötzlich ohne eigene Tickets da.
Dem Iran seien von den Vereinigten Staaten die zugeteilten Eintrittskarten für die Gruppenspiele kurzfristig entzogen worden, hieß es zuletzt vom iranischen Verband, der auch sonst eine "willkürliche und diskriminierende Behandlung des iranischen Teams" durch die US-Behörden beklagte.

15 Personen der Delegation wurde die Visa-Erteilung laut des iranischen Staatsfernsehens verweigert. Das sei eine "politische Einmischung in den Sport in ihrer schlimmsten Form", hieß es.
Politisch brisante Zeit
Dass die Iraner überhaupt in den USA auflaufen können – daran hatte mit Kriegsausbruch zwischen den beiden Ländern Ende Februar aber wohl niemand geglaubt.
Der Auftritt der Iraner auf dem Boden der USA fällt in eine politisch hochbrisante Zeit. In den Tagen vor dem WM-Start und dem 80. Geburtstag von US-Präsident Donald Trump am Sonntag hatte der gegenseitige Beschuss wieder zugenommen, dennoch sollen beide Kriegsparteien intensiv an einem Friedensabkommen arbeiten.

Taremi beklagt Atmosphäre
Angesichts der Umstände ist bei den Iranern von WM-Stimmung keine Spur. "Ich war schon bei drei Weltmeisterschaften dabei, und man sagt immer, sobald man aus dem Flugzeug steigt und das Gastgeberland betritt, herrscht dort einfach eine einzigartige Atmosphäre der Freundlichkeit und der Weltoffenheit", sagte Top-Angreifer Mehdi Taremi bei ESPN.

Doch die Realität sei diesmal eine andere. "Leider spüre ich das im Moment nicht. Bei dieser Weltmeisterschaft herrscht derzeit große Anspannung. Man spürt es in der Atmosphäre."
K.o.-Phase wirkt erreichbar
Dabei sind die Iraner in Gruppe G keineswegs chancenlos – und können sich angesichts von Hunderttausenden Kaliforniern mit iranischen Wurzeln wahrscheinlich dennoch auf große Unterstützung freuen.
Neuseeland, Belgien und Ägypten heißen die Gegner des dreimaligen Asienmeisters, der seine Vorrundenspiele allesamt an der Pazifikküste austrägt – und über 12.000 Flugkilometer von der Heimat entfernt endlich auch mal für sportliche Schlagzeilen sorgen will.

