So hat FIFA-Boss Gianni Infantino zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass er den revolutionären Änderungsvorschlag beim Abseits unterstützt. Ziel sei es, den Fußball "offensiver und attraktiver" zu gestalten, hatte der Schweizer vor wenigen Wochen erklärt. Konkret geht es dabei um die sogenannte "Tageslicht"-Regel, die von FIFA-Direktor Arsène Wenger schon lange präferiert wird.
Demnach wäre ein Angreifer erst dann nicht mehr auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger und somit im Abseits, wenn eine sichtbare Lücke ("Tageslicht") zwischen beiden Spielern erkennbar wäre. Die Neuerung würde im krassen Gegensatz zur bisherigen Regel stehen, wonach schon ein minimal weiter vorne postierter Angreifer im Abseits steht. Die zuletzt auch immer wieder in der Bundesliga aufgekommene Debatte um Millimeter-Entscheidungen durch die halbautomatische Abseitstechnologie soll so beendet werden.
Kritiker bemängeln allerdings, dass sich an den knappen Entscheidungen nichts ändern würde – sie eben nur in die andere Richtung gehen. Zudem befürchten sie als Folge eine defensivere statt offensivere Spielweise. Auch die Einführung zur WM-Endrunde ist umstritten. Dass ohne ausreichende Tests eine Neuerung beim wichtigsten Turnier kommen soll, halten viele Experten für falsch. Schließlich wären weder die Schiedsrichter noch die Spieler daran gewöhnt.
Dennoch forciert die FIFA, die vier der acht Stimmen im IFAB auf sich vereint, die Idee. Bei der endgültig entscheidenden IFAB-Generalversammlung Ende Februar braucht es eine Dreiviertelmehrheit für Neuerungen. Da sich die Regelhüter aber meist schon im Vorfeld einer Generalversammlung einigen, ist das Treffen am Dienstag von vorentscheidender Bedeutung.
Zeit vor Ecken-Ausführung nutzen
Als fast schon sicher gilt der Beschluss zur Kompetenz-Ausweitung der Videoschiedsrichter. Demnach sollen bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko auch Eckball-Entscheidungen und die zweite Verwarnung bei einer Gelb-Roten Karte durch den VAR überprüft werden. Bisher dürfen nur Tore, Strafstöße, Rote Karten und mögliche Verwechslungen bei Platzverweisen gecheckt werden.
Kritiker befürchten weitere Spielverzögerungen, der FIFA-Schiedsrichterboss sieht das anders. "Bei einer Ecke gibt es ja ohnehin eine Verzögerung", sagte Pierluigi Collina: "Normalerweise dauert es zehn bis 15 Sekunden, ehe die angreifende Mannschaft bereit ist. In diesen Sekunden kann festgestellt werden, ob eine Ecke womöglich fälschlicherweise gegeben wurde. Warum sollten wir in dieser Zeit den Kopf in den Sand stecken und einfach hoffen, dass die Entscheidung nicht falsch ist?"
Als weitere Neuerung könnte der seit Saisonbeginn von den Unparteiischen angezeigte Countdown bei der Acht-Sekunden-Regel für die Torhüter auch bei Einwürfen und Abstößen zum Einsatz kommen. Auch über ein mögliches "Verbot" von Nachschüssen bei einem vergebenen Elfmeter und Sanktionen für vorgetäuschte Verletzungen zum Zweck der taktischen Einflussnahme durch die Trainer soll beraten werden.
