Portugals Ballkünstler spielten mitreißenden Offensivfußball, das Trikot mit der Nummer "7" war neu vergeben - und für den ikonischen "SIUUU"-Jubel sorgte nur der Gegner. Der schmollende Superstar Cristiano Ronaldo war kaum 24 Stunden weg, da läutete die Selecao mit Geschlossenheit und Torhunger bereits eine neue Zeitrechnung ein. Beim überzeugenden 4:2 (2:1) in Dänemark schien sich Portugal in Abwesenheit seines 41 Jahre alten Rekordtorschützen von Fesseln zu befreien.
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Trikotnummer 7 direkt neuvergeben
Ronaldos Zukunft beim Europameister von 2016 ist nach dem dritten Sieg im dritten Spiel nach der WM fraglicher denn je. Inmitten des eskalierten Konflikts zwischen "CR7" und dem neuen Nationaltrainer Jorge Jesus hatten die offensive Spielweise sowie die Treffer von Joao Cancelo (13.), Goncalo Ramos (25.), Vitinha (67.) und Joao Felix (87.) Ronaldos Fehlen fast vergessen gemacht. Dass Rafael Leao auf dem linken Flügel Ronaldos Nummer auf dem Rücken trug, lag zwar an einer Trikot-Formalie der UEFA. Symbolcharakter hatte der Wechsel trotzdem.
Im Nations-League-Duell in Kopenhagen hallte dennoch das "SIUUU" durch das Stadion. In Vertretung ihres Kapitäns inszenierte sich aber kein Portugiese beim Jubeln wie Ronaldo. Stattdessen drehte sich Rasmus Höjlund nach Dänemarks zweitem Tor (53.) in der Luft und landete mit ausgestreckten Armen. Das sei eine "Hommage" für sein "großes Idol" gewesen, so Höjlund, für "einen Mann, dessen Nationalmannschaftskarriere nach den Ereignissen am Tag vor dem Spiel möglicherweise beendet ist."
Ronaldo will sich "zu gegebener Zeit" äußern
Wie es mit Ronaldo weitergeht, ist offen. Nach seiner Flucht aus dem Trainingslager am Mittwochabend hatte er das Ende seiner Karriere in der Selecao nach 234 Länderspielen mit 146 Toren angedeutet. Zu dem Streit, in dem es mutmaßlich um fehlende Spielzeit und Wertschätzung durch Trainer Jesus geht, will sich Ronaldo "zu gegebener Zeit" äußern. Ein Rücktritt aus der Nationalmannschaft käme nicht mehr überraschend.
Dass das Team auch ohne ihn positiv in die Zukunft blicken kann, bewies es gegen Dänemark. Seine Mannschaft habe eine Leistung "auf sehr hohem Niveau" gezeigt, sagte Jesus. Die Debatte um Ronaldo werde die Mannschaft nicht spalten. Mittelfeld-Motor Vitinha sprach von der "bisher besten Leistung" seit dem Trainerwechsel nach der WM: "Wir befinden uns auf einem aufsteigenden Weg."
Konkret Stellung zur Kontroverse um Ronaldo bezogen die Spieler - wohl auch auf Drängen des Verbandes - nicht. Leao ließ zumindest durchblicken, dass der Superstar den Sieg seiner Mannschaftskollegen mit Freude verfolgt haben dürfte: "Als Teamkollege, der sich gut mit ihm versteht, weiß ich, wie er ist."
CR7-Zukunft wird heiß diskutiert
Die Frage, welche Rolle Ronaldo bei allen Verdiensten für Portugals Nationalmannschaft künftig noch spielen kann, ist nicht abschließend beantwortet. In der portugiesischen Öffentlichkeit wird darüber intensiv diskutiert - die ersten Schlagzeilen nach dem 4:2 in Dänemark sprechen eine deutliche Sprache.
Die Zeitung Público bezeichnete Ronaldo als "tragischen Helden", als einen, der einen Kampf führe, "aus dem man nicht als Sieger hervorgehen kann, und der dennoch darauf besteht, ihn zu führen – nicht aus Tapferkeit oder Mut, sondern aus Ignoranz." A Bola titelte: "Das Leben geht weiter, und es gibt so viel – so unglaublich viel – zu genießen."
Mit oder ohne Cristiano Ronaldo.
