Dass neben Ronaldo auch Stars wie Bruno Fernandes, Vitinha und Rúben Neves zunächst draußen blieben, unterstrich Portugals Zuversicht. Die historische Bilanz sprach ohnehin für die Gäste: In elf bisherigen Aufeinandertreffen (außerhalb der Nations League) ging Portugal achtmal als Sieger hervor, bei zwei Remis und nur einer Niederlage. Norwegens Trainer Stole Solbakken reagierte im Vergleich zur Vorwoche lediglich mit einer personellen Änderung und brachte Andreas Schjelderup für Oscar Bobb.
Die Anfangsphase gestaltete sich als offener Schlagabtausch mit je drei Abschlüssen auf beiden Seiten. Während Haaland den einzigen Schuss aufs Tor abgab, bewies João Félix auf der Gegenseite erneut seine Kaltschnäuzigkeit. Nach seinem Matchwinner gegen Wales traf der Offensivmann per Flachschuss aus dem Strafraum zur Führung und brachte das Ullevaal-Stadion zum Schweigen. Für Félix war es der dritte Treffer im dritten Länderspiel in Folge – die bisher längste Tor-Serie seiner Nationalmannschaftskarriere.

In der Folge übernahm Norwegen die Spielkontrolle: Bis zur Pause erarbeiteten sich die Hausherren zwölf Torchancen und verzeichneten 82 Prozent Ballbesitz. Ein Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit.
Haaland gleicht aus, Nyland patzt folgenschwer
Haaland strahlte gewohnte Torgefahr aus – seine fünf Torschüsse vor der Pause schraubten sein Guthaben in dieser Nations-League-Saison auf zehn (Turnier-Höchstwert). Obwohl der Stürmer in den ersten 45 Minuten nur vier Pässe spielte, schlug er kurz nach Wiederanpfiff zu: Bei einem seiner sieben Ballkontakte im gegnerischen Strafraum staubte er souverän zum 1:1 ab.
Martin Ødegaard lenkte das Spiel im Mittelfeld mit den meisten Ballkontakten der Partie (113) und einer Passquote von 89 Prozent, knapp hinter Sander Berge (93,5 % bei 110 Ballkontakten). Den Höchstwert auf dem Platz erzielte Portugals Rúben Dias mit 94,6 Prozent passgenauen Zuspielen.
Zum Match-Center: Norwegen vs. Portugal
Mitten in die norwegische Drangperiode platzte jedoch ein katastrophaler Fehler des Heim-Keepers: Örjan Nyland klärte den Ball unglücklich vor die Füße von Gonçalo Ramos, der das Geschenk dankend annahm und den Ball über den Torwart hinweg ins leere Tor hob.
Portugals Defensivschlacht und Ødegaards Frust
Norwegen steckte den Rückschlag weg und stürmte weiter. Antonio Nusa glänzte mit sieben erfolgreichen Dribblings bei zehn Versuchen, während Kristoffer Ajer im Zweikampf (fünf von sechs Luftduellen und sechs von acht Bodenduellen gewonnen) überzeugte. Im defensiven Mittelfeld glänzte Patrick Berg mit einer hundertprozentigen Zweikampfquote, drei Interceptions und zehn Ballrückeroberungen.
Portugal verteidigte den Vorsprung mit allen Mitteln. Drei schnelle Gelbe Karten – darunter eine wegen Zeitspiels – zeugten von der portugiesischen Pragmatik. Wenn die Abwehr durchbrochen wurde, war Torhüter Diogo Costa zur Stelle: Beim gefährlichen Abschluss von Schjelderup in der 77. Minute verbuchte er seine fünfte Parade der Partie – sein Höchstwert seit dem Spiel gegen Dänemark im März 2025.

In der turbulenten Schlussphase kochten die Emotionen über. Der eingewechselte Bernardo Silva erwischte Ødegaard mit den Stollen an der Achillessehne, was zu heftigen Protesten von Erling Haaland führte. Ødegaard musste die Partie angeschlagen beenden.
Am Ende feierte Portugal einen schmeichelhaften Sieg. Norwegen dominierte die Partie in fast allen Belangen – 572 Pässe und 22 Torchancen (zehn mehr als Portugal) spiegelten die Überlegenheit wider. Bereits in knapp einer Woche bietet sich den Norwegern im Rückspiel die Chance zur Revanche.
