Das jüngste 2:2-Unentschieden gegen Odense ließ den FCK auf einen ernüchternden siebten Tabellenplatz abrutschen. Besonders bitter: Nur wenige Tage später sorgte Bodö/Glimt mit einem spektakulären Sieg im San Siro gegen Inter Mailand für den Einzug ins Achtelfinale der Champions League und sorgt für eine Erfolgsstory nach der anderen.
Über viele Jahre hinweg galt der FC Kopenhagen als Aushängeschild des skandinavischen Fußballs. Unter Trainer Ståle Solbakken und mit prägenden Spielern wie Jesper Grønkjær, Marcus Allbäck, William Kvist und Dame N’Doye konnte man selbst Größen wie Manchester United oder den FC Barcelona im Parken-Stadion Paroli bieten.
Meisterschaftsambitionen längst abgeschrieben
Doch diese Glanzzeiten scheinen inzwischen weit entfernt, obwohl der Klub erst vor wenigen Monaten noch das nationale Double gewann und sich für die Champions League qualifizierte. Dort gelangen immerhin respektable Unentschieden gegen Bayer Leverkusen und Napoli.
Seitdem jedoch ist die Mannschaft von Trainer Jacob Neestrup spürbar auseinandergebrochen. Statt um Titel kämpft der Klub nun darum, überhaupt die Meisterschafts-Playoffs zu erreichen – vor Kurzem noch undenkbar.
Ein zentraler Wendepunkt könnte laut dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Flemming Østergaard im Sommer 2024 gelegen haben. Damals wurde Sune Smith-Nielsen nach 15 Jahren als Nachwuchsleiter zum Sportdirektor befördert. Für Østergaard eine klare Fehlentscheidung: Die Anforderungen beider Rollen seien grundverschieden, und Smith-Nielsen habe weder die nötige Erfahrung noch die richtigen Kontakte mitgebracht.
Auch sportlich zeigten sich früh erste Risse. So verkaufte der Klub kurz vor Ende des Sommer-Transferfensters den dänischen Nationalspieler Victor Froholdt für 22 Millionen Euro an Porto. Ein Verlust, der schwerer wiegt als zunächst angenommen: Froholdts aggressive Spielweise und seine Fähigkeit, gegnerische Linien zu durchbrechen, waren essenziell für das Pressing des Teams.

Hinzu kam der Abgang von Lukas Lerager zum Jahresende. Der erfahrene Mittelfeldspieler überzeugte durch physische Präsenz, Laufstärke und Torgefahr. Diese Qualitäten fehlen dem aktuellen Kader. Auch Stürmer Andreas Cornelius, lange Zeit eine zentrale Figur im Angriff, fällt verletzungsbedingt aus und hinterlässt eine große Lücke.
Die personellen Probleme setzen sich fort: Magnus Mattsson kämpft weiterhin mit den Folgen einer langwierigen Verletzung, während der ehemalige Bundesliga-Profi Thomas Delaney weit von seiner früheren Form entfernt ist. Dadurch entstand enormer Druck auf die sportliche Leitung, adäquaten Ersatz zu verpflichten, doch dieser blieb aus.

Weder Mads Emil Madsen noch Amir Richardson oder Ex-Nationalspieler Youssoufa Moukoko konnten bislang die hohen Erwartungen erfüllen. Besonders gravierend: Ein echter Ersatz für Cornelius im Sturmzentrum wurde nie verpflichtet.
Østergaard bemängelt Inkompetenz
Für Østergaard liegt die Hauptursache der Krise jedoch nicht auf dem Platz, sondern in der Führungsetage. Trotz seiner umstrittenen Vergangenheit und Differenzen mit der Klubführung verfolgt er das Geschehen weiterhin genau und spart nicht mit Kritik.
Er bemängelt insbesondere die mangelnde sportliche Kompetenz im Vorstand sowie den Einfluss von Großaktionären, denen der Fußball selbst offenbar zweitrangig ist. Gleichzeitig fehle es dem Geschäftsführer zwar nicht an wirtschaftlichem Geschick, wohl aber an sportlichem Verständnis.

Auch strukturell gerät der Klub zunehmend ins Hintertreffen. Während Konkurrenzvereine ihre Trainingsbedingungen modernisieren, scheint beim FC Kopenhagen der Fokus stärker auf wirtschaftlichen Gewinnen zu liegen. So erwirtschaftete die Muttergesellschaft Parken Sport & Entertainment im vergangenen Jahr über 30 Millionen Euro Gewinn. Ein Teil davon floss erneut als Dividende an die Großaktionäre, statt in die Infrastruktur investiert zu werden.
Dabei ist der Modernisierungsbedarf offensichtlich: Das Trainingszentrum weist erhebliche Mängel auf, darunter sogar Schimmelbefall. Spieler mussten zeitweise auf provisorische Lösungen ausweichen, und auch die Sicherheitsstandards gelten als unzureichend. Selbst das traditionsreiche Parken-Stadion benötigt dringend Renovierungen.
All diese Faktoren haben dazu geführt, dass der FC Kopenhagen sowohl sportlich als auch strukturell den Anschluss verloren hat. Der einstige "Stolz Skandinaviens" droht, von der Konkurrenz überholt zu werden – mit potenziell gravierenden Folgen für die Zukunft des Klubs.

Das Spiel gegen Randers am Sonntag wird damit zu einem Wendepunkt. Sollte der Sieg ausbleiben, wäre das Verpassen der Meisterschafts-Playoffs wohl besiegelt und man stünde auf einem historischen Tiefpunkt.
Oder, wie Østergaard es formuliert: "Man kann eine Marke, Geschichte und Fans haben, doch ohne die richtige Führung geht es unweigerlich bergab."

