Früher diente Daniel Levy den Fans als Sündenbock, doch auch nach seinem Rückzug hat sich wenig gebessert. Postecoglou reiht sich nun in die Riege derer ein, die scharfe Kritik an ihrem Ex-Arbeitgeber üben. In einem aktuellen Podcast deutete er an, dass die Spurs aufgrund fehlender finanzieller Risikobereitschaft im Vergleich zu Nachbarn wie Arsenal niemals die ganz großen Namen anlocken werden.
Auch der aktuelle Coach Igor Tudor hinterfragte kurz nach seinem Amtsantritt die Mentalität des Kaders – ein Echo der Vorwürfe, die bereits Antonio Conte vor einigen Jahren erhob. Genau hier liegt die Wurzel des Übels in Nord-London.
Zwar verfügt Tottenham über ein Weltklasse-Stadion und eine loyale Fangemeinde, doch die Kaderqualität reicht für die Spitze nicht aus. Erschwerend kommt ein Vorstand hinzu, der keine Widerworte duldet: Sowohl Conte als auch Postecoglou sprachen die Probleme offen an, und wurden prompt entlassen.
Die Verpflichtung von Thomas Frank war in der Theorie zwar spannend, schien jedoch von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Frank hatte zuvor noch nie einen Klub dieser Größenordnung trainiert. Bei allem Respekt vor seiner Arbeit: Brentford in der Premier League zu etablieren, ist eine völlig andere Herkulesaufgabe, als den Glanz alter Tage zurück nach "N17" zu bringen.
Der Fehlstart unter Igor Tudor
Nach Franks Entlassung bot sich dem Vorstand die Chance auf einen echten Neuanfang mit einem renommierten Namen. Stattdessen entschied man sich für Igor Tudor, der in den letzten zwölf Jahren elf Stationen verschliss. Diese Wahl war sinnbildlich für die Ignoranz der Vereinsführung.
Die Quittung folgte sofort: Drei Spiele unter dem Kroaten, drei Niederlagen. Nach der jüngsten 1:3-Heimpleite gegen Crystal Palace, bei der die Spurs chancenlos waren und Micky van de Ven mit Rot vom Platz flog, schlug Tudor und dem Team blanker Hass entgegen. Gerüchte besagen nun, dass Tudor entlassen wird, sollte er das Team gegen Liverpool und Nottingham Forest nicht aus der Abstiegszone führen.

Es wirkt fast grotesk, dass der Klub für die Rettung erneut auf Ryan Mason setzen will. Masons bisherige Bilanz als Interimscoach ist mit einer Siegquote von 46,1 % schwächer als die seiner Vorgänger Nuno Espirito Santo (50 %), Jose Mourinho (49,4 %) oder Antonio Conte (54 %).
Zwar fielen unter Mason im Schnitt zwei Tore pro Spiel, doch die Defensive glich mit 21 Gegentoren in 13 Partien einem Schweizer Käse. Auch sein Intermezzo bei West Bromwich Albion endete im Desaster: Nach zehn Auswärtsniederlagen in Folge und einer mageren Siegquote von 33,3 % wurde er dort entlassen.
Die "Baggies" standen bei Masons Rauswurf auf Platz 18 der Championship und sind seither bis auf Rang 21 durchgereicht worden. Dennoch scheint der Spurs-Vorstand zu glauben, dass Masons Stallgeruch ausreicht, um die Saison 2025/26 zu retten.
Nach den Fehlgriffen mit Frank und Tudor wäre die dritte Berufung von Mason kein Neustart, sondern ein Offenbarungseid. Besonders kurios: Mason war Teil von Postecoglous Stab und wurde erst kürzlich offiziell verabschiedet – nun soll er plötzlich wieder der Heilsbringer sein. Die Verantwortlichen scheinen absolut nichts gelernt zu haben. Wenn sie diesen Kurs beibehalten, riskieren sie den ersten Abstieg der Spurs seit fast 50 Jahren.

