Sportlich läuft es für das Team von Enzo Maresca herausragend: Mit sechs Siegen in Folge thront City an der Tabellenspitze. Dazu kommen die eindrucksvollen Auswärtserfolge gegen die größten Rivalen – allen voran der Triumph im Derby gegen Manchester United vor wenigen Wochen.
Doch all diese Punkte könnten wertlos sein, sollte Citys Berufung scheitern. Eine unabhängige Kommission befand den Klub in mehr als 100 Fällen für schuldig, gegen die Finanzregeln der Premier League verstoßen zu haben. Zwar steht die genaue Sanktion noch aus, im Raum steht jedoch ein drastischer Punktabzug, der zum Abstieg oder gar zum Ausschluss aus der höchsten englischen Spielklasse führen könnte. Auch eine Aberkennung der drei Meistertitel zwischen 2009 und 2018 (dem Zeitraum der mutmaßlichen Verstöße) ist möglich.
Für eine Liga, die sich stets ihrer globalen Strahlkraft rühmt, ist die Situation ein Debakel. Ein monatelanges Berufungsverfahren, das jedes City-Ergebnis und dessen Bedeutung für die Konkurrenz infrage stellt, richtet enormen Schaden an. "Das ist derzeit wirklich schlecht für die Premier League, und dieser Zustand wird uns noch Monate begleiten", brachte es der frühere United-Kapitän und heutige TV-Experte Gary Neville bei Sky Sports auf den Punkt. Auch Liverpool-Coach Andoni Iraola betonte kurz und knapp: "Die Unsicherheit ist für niemanden gut."
Für die Reds wiegt die Niederlage doppelt schwer. Sie liegen nun bereits neun Punkte hinter City auf Tabellenplatz neun. Selbst wenn Liverpool den Titelkampf vorzeitig verspielen sollte, könnten die verlorenen drei Punkte im engen Rennen um die Champions-League-Plätze am Ende entscheiden. Auch im Abstiegskampf drohen Verwerfungen, sollte eine nachträgliche Bestrafung Citys die Tabelle durcheinanderwirbeln.
"Was bedeutet das für die Zukunft?", fragte Ex-Verteidiger Jamie Carragher bei Sky Sports. "Das muss vor dem Saisonende geklärt sein. Wir können uns nicht bis zum Sommer hinziehen lassen, sonst werden wir alle zum Narren gehalten."
Liverpool fühlt sich verhöhnt
An der Anfield Road ist die Frustration besonders groß. In den vergangenen zwölf Jahren belegte Liverpool dreimal den zweiten Platz hinter City – stets mit hauchdünnem Rückstand. Die Konkurrenz ist überzeugt, dass die Regelverstöße im Zeitraum von 2009 bis 2018 das Fundament für Citys anhaltende Dominanz gelegt haben. Erst im vergangenen Transferfenster investierte der Spitzenreiter die Rekordsumme von über 500 Millionen Euro in den Kader – mit unmittelbarem Erfolg.
Die Unterschiede in den personellen Möglichkeiten traten am Sonntag deutlich zutage. Während Liverpool verletzungsbedingt auf Leistungsträger wie Dominik Szoboszlai, Alexander Isak und Cody Gakpo verzichten musste und der 21-jährige Lewis Koumas sein Startelf-Debüt feierte, konnte Maresca Edelreservisten von der Bank bringen.
Zum Match-Center: FC Liverpool vs. Manchester City
Die Einwechslung von Jeremy Doku zu Beginn der zweiten Halbzeit drehte das Spiel komplett: Nur wenige Augenblicke nach seiner Herreinnahme provozierte der belgische Flügelstürmer die Gelb-Rote Karte für Ryan Gravenberch. Anschließend überragte Doku als Vorbereiter für Erling Haaland und Rayan Cherki und krönte seine Leistung mit einem sehenswerten Schlenzer in den Torwinkel.
Diese immense Kaderbreite ist das Resultat jahrelanger Investitionen seit der Übernahme durch Investoren aus Abu Dhabi im Jahr 2008. Doch an der Anfield Road machten Gesänge, Fahnen und Banner deutlich, was die gegnerischen Fans denken: City habe sich den Erfolg ergaunert.
So bleibt die gesamte Liga in einer Zitterpartie gefangen – im Warten auf das finale Urteil in einem Rechtsstreit, der bereits vor acht Jahren seinen Anfang nahm.
