Abseits-Auslegung: Verwirrung um Wirtz-Tor – Schiri-Boss Kircher will nichts ändern

Auch in der Premier League wird regelmäßig über die Abseitsregel interessiert.
Auch in der Premier League wird regelmäßig über die Abseitsregel interessiert.ADRIAN DENNIS / AFP

Für Florian Wirtz war der Fall klar. "Ich war sicher, dass es Abseits war. Deshalb habe ich nicht mal gejubelt", sagte der Fußball-Nationalspieler über seinen zweiten Treffer im Trikot des FC Liverpool zum zwischenzeitlichen 1:1 beim 2:2 (0:1) beim FC Fulham. Und Wirtz war mit seiner Meinung nicht alleine.

"Mir ging es genau so, vielen Leuten im Stadion ging es so", sagte Fulhams Teammanager Marco Silva. Liverpool-Legende Jamie Carragher meinte noch nach dem Spiel: "Ich verstehe immer noch nicht, warum das kein Abseits ist."

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Tatsächlich legten die TV-Bilder eine Abseitsstellung nahe - und in der Bundesliga hätte das Tor von Wirtz so auch nicht gezählt. Dass es in der Premier League nach VAR-Prüfung Anerkennung fand, lag an einer etwas anderen Handhabung des halbautomatischen Systems.

Während die höchsten Spielklassen in Deutschland, Spanien und Italien bei Abseits millimetergenau entscheiden, hielt die Premier League bei Einführung des Systems eine gewisse Toleranz bei. Diese wird im Zweifel zugunsten des Angreifers ausgelegt. Grund dafür sind Restzweifel daran, ob die Technologie fehlerfrei ist.

Wirtz profitierte davon und durfte seine aufsteigende Form unterstreichen. Im Liverpool Echo erhielt er die Note 7 von 10. Zum Sieg reichte es für die Reds dennoch nicht. Nach dem Führungstreffer von Cody Gakpo (90.+4) traf Harrison Reed (90.+7) spät zum Ausgleich für Fulham. Wirtz saß da bereits auf der Bank, er wurde in der 76. Minute ausgewechselt.

Schiri-Boss Kircher will nichts ändern

Schiedsrichter-Boss Knut Kircher hält trotz der anhaltenden Diskussionen in der Bundesliga um die Zentimeter-Entscheidungen nichts von Änderungen bei der halbautomatischen Abseitserkennung. "Technisch wäre das machbar", sagte Kircher im kicker zum Vorschlag eines Toleranzbereichs von fünf Zentimetern: "Doch rein regeltechnisch gibt es beim Abseits nun mal keine Toleranz."

Für Kircher gibt es keinen Spielraum. "Würden wir das System jetzt so einstellen, hätten wir fassbarere Bilder, okay. Aber ein Benachteiligter könnte sagen: Auch vier Zentimeter sind Abseits - das geht so nicht. Und damit hätte er recht", sagte der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH: "Wir dürften das von uns aus also niemals einführen, sondern müssen die Technik so genau wie möglich nutzen. Auch wenn ich nachvollziehen kann, wenn jemand sagt: Früher war das gleiche Höhe - und viel schöner."

Im Gegensatz zu den Topligen in Deutschland, Spanien und Italien gibt es in der englischen Premier League eine gewisse Toleranz. Diese wird im Zweifel zugunsten des Angreifers ausgelegt. Grund dafür sind Restzweifel daran, ob die Technologie fehlerfrei ist.

Zuletzt hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino eine Reform der Abseitsregel ins Spiel gebracht. "Vielleicht muss der Spieler in Zukunft vollständig vor dem Verteidiger stehen, um als abseits zu gelten", sagte der Boss des Weltverbandes. Auch bei den Regelhütern des International Football Association Board (IFAB) steht das Thema auf der Agenda. Die nächste Versammlung des IFAB ist für den 20. Januar in London angesetzt.