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EXKLUSIV: Die inneren Dämonen und die späte Chance von Ex-BVB-Wunderkind Emre Mor

Emre Mor jubelt nach seinem Treffer gegen Olympiakos in der Champions-League-Qualifikation.
Emre Mor jubelt nach seinem Treffer gegen Olympiakos in der Champions-League-Qualifikation.Pro Shots Photo Agency / Sipa USA / Profimedia

Emre Mor könnte das fehlende Puzzleteil sein, das NEC Nijmegen erstmals in der Vereinsgeschichte in die Gruppenphase der Champions League befördert – ausgerechnet auf Kosten von Bodö/Glimt. Flashscore hat mit Per Holm gesprochen, dem ehemaligen dänischen U16-Nationaltrainer, der in Mors Jugendjahren zur zentralen Orientierungshilfe wurde. Es ist die Geschichte eines Ausnahmetalents, das stets gegen die eigenen Dämonen kämpfen musste.

Nach einem Jahr im internationalen Abseits kehrte der einst als „türkischer Messi“ gefeierte Offensivspieler letzte Woche fulminant ins Rampenlicht zurück. Als Leihspieler von Fenerbahce erzielte er für seinen neuen Klub Nijmegen in der Verlängerung der Champions-League-Qualifikation den entscheidenden Treffer gegen seinen Ex-Verein Olympiakos Piräus.

Bei Ziggo Sport zeigte sich Mor nach dem Spiel emotional: "Die letzten Jahre waren nicht leicht. Ich habe monatelang von diesem Moment geträumt. Jetzt versuche ich einfach, wieder glücklich zu sein. Die Freude am Spiel ist das Wichtigste – wenn die da ist, kommt der Rest von allein."

Die Verantwortlichen in Nijmegen wissen, dass ein Spieler seiner Klasse unter normalen Umständen unbezahlbar wäre. Nach einer wechselvollen Odyssee über Borussia Dortmund, Celta Vigo und diverse türkische Klubs sucht der 29-Jährige in der Eredivisie nun seine wohl letzte Chance auf ein nachhaltiges Comeback.

Trainerlegende Olsen schwärmt von Mor

Mor gilt als eines der mahnendsten Beispiele für vergeudetes Potenzial im modernen Fußball. Per Holm erlebte den Sohn eines türkischen Vaters und einer dänischen Mutter erstmals beim Kopenhagener Klub Lyngby: "Er war damals mit 14 oder 15 Jahren extrem klein, konnte aber Dinge mit dem Ball anstellen und besaß ein Spielverständnis, das in diesem Alter völlig außergewöhnlich war."

Emre Mor im Einsatz für Borussia Dortmund
Emre Mor im Einsatz für Borussia DortmundCredit: ČTK / DPA / Guido Kirchner

Wegen seiner körperlichen Rückstände wurde Mor in Dänemarks neu gegründete "Future"-Nationalmannschaft berufen. Bei einem Turnier in Belgien schwärmte selbst Trainerlegende Morten Olsen: "Es ist eine reine Freude für jeden Fußballliebhaber, ihm zuzusehen."

Doch so herausragend Mor am Ball war, so schwer war er abseits des Platzes zu bändigen. "Er hatte ein enormes Temperament", erinnert sich Holm. "Aber frei nach dem legendären Rickard Møller Nielsen gilt: Spieler, die für uns schwer zu kontrollieren sind, sind auch für den Gegner schwer zu kontrollieren. Er wollte immer spielen, aber wenn ihm jemand etwas sagte, ist er sofort explodiert."

Wechsel nach Dortmund als negativer Wendepunkt

Dieses ungezähmte Wesen wurde Mor immer wieder zum Verhängnis. Gegner provozierten ihn, Mor reagierte mit Revanchefouls und Roten Karten. Holm erinnert sich an eine Anekdote: "Ich war bei einem Spiel von Lyngby, bei dem er nur auf der Bank saß. Ich ging zehn Minuten vor dem Ende. Als er sah, dass ich weg war, stand er auf und entleerte vor Wut den Mülleimer in der Kabine. Ich musste sofort vermitteln, damit er sich entschuldigt."

Sein Wechsel zu Borussia Dortmund im Sommer 2016 läutete den vorläufigen Höhepunkt, aber auch den Beginn des Abstiegs ein. In Dortmund geriet er mit Thomas Tuchel aneinander, weil er zusätzliche Laufeinheiten verweigert haben soll; bei Celta Vigo wiederholten sich ähnliche Muster. Holm sieht auch das Umfeld kritisch: "Er wollte immer sofort ganz nach oben, egal ob es für seinen Entwicklungsstand sinnvoll war. Seine Karriere hätte viel besser gemanagt werden müssen."

Emre Mor – Klubstatistiken
Emre Mor – KlubstatistikenFlashare

Schmerzvoll blieb für den dänischen Verband auch Mors Entscheidung, ab 2016 für die türkische A-Nationalmannschaft aufzulaufen. "Die Türken versprachen ihm einen Platz im EM-Kader. Das hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben. Bei uns hätte er ein ganz Großer werden können, wir hätten ihn besser auffangen können."

Trotz aller Enttäuschungen wünscht Holm seinem einstigen Schützling nur das Beste: "Er war im Herzen ein guter Junge und gehört für mich zu den fünf größten Talenten, die ich je trainiert habe. Es bleibt ihm noch Zeit, seine Karriere wiederzubeleben und sich einen würdigen Abschluss zu sichern."

Am Mittwochabend hat Mor die Chance, mit Nijmegen in den Champions-League-Playoffs die große Bühne beim zweiten Anlauf für sich zu nutzen.

Zum Match-Center: NEC Nijmegen vs. FK Bodö/Glimt