Rückblickend war das Rückspiel vielleicht sogar ein noch eindrucksvolleres Beispiel für ein klassisches "David-gegen-Goliath"-Duell als der triumphale Abend im Aspmyra Stadion eine Woche zuvor.
Spätestens nach den Erfahrungen von Manchester City und Atlético Madrid hätte Inter gewarnt sein müssen. Das Team aus dem hohen Norden war längst kein Geheimtipp mehr. Ein Ausscheiden wäre für den Tabellenführer der Serie A nicht nur eine herbe Enttäuschung, sondern wohl auch mit gravierenden Konsequenzen für Trainer Cristian Chivu verbunden gewesen.
Im Hinspiel setzte Chivu trotz körperlicher Probleme auf Lautaro Martínez. Eine Entscheidung, die sich als Fehler herausstellte, als der argentinische Weltmeister verletzt ausgewechselt werden musste. Im Rückspiel fehlte er, sodass Marcus Thuram die Sturmspitze übernahm, der in dieser Champions-League-Saison bislang wenig treffsicher war.
Zum Match-Center: Inter Mailand vs. FK Bodö/Glimt
Während Inter im Vergleich zum Hinspiel gleich sechs Veränderungen vornahm und damit seine jüngste Startelf der laufenden Champions-League-Saison aufbot, vertraute Bodö-Trainer Kjetil Knutsen exakt derselben Elf wie im ersten Duell.

Von Beginn an dominierte Inter das Geschehen. In den ersten 15 Minuten lag der Ballbesitz bei 67 Prozent, und bereits nach gut 20 Minuten hatten die Italiener sechs Abschlüsse zu verzeichnen. Für Bodö zeichnete sich früh ein langer, intensiver Abend ab.
Dass es zur Pause noch 0:0 stand, war aus Sicht der Gäste fast schon glücklich. Insgesamt gab Inter allein im ersten Durchgang zwölf Torschüsse ab – so viele wie nie zuvor in einer ersten Halbzeit eines Champions-League-K.o.-Spiels ohne Torerfolg.

Eiskalte Norweger bestrafen Inter
Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild fort: Inter drückte, erspielte sich Chancen, doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Und wie so oft im Fußball wurde diese Ineffizienz bestraft.
Ein folgenschwerer Fehler von Manuel Akanji ermöglichte Jens Petter Hauge die Führung für Bodö/Glimt. Mit seinem sechsten Treffer im Wettbewerb stellte er zugleich einen neuen Rekord auf: Noch nie hatte ein norwegischer Spieler für einen norwegischen Klub in einer Europapokal- oder Champions-League-Saison so oft getroffen.
Trotz des Rückstands blieb Inter spielbestimmend. Mit über 70 Prozent Ballbesitz, hoher Passgenauigkeit und physischer Präsenz in den Zweikämpfen drängten die Gastgeber auf den Ausgleich.
Doch erneut schlug der Gast eiskalt zu: Håkon Evjen nutzte eine Unachtsamkeit in der Defensive und sorgte mit dem 2:0 für die Vorentscheidung.

Der späte Treffer von Alessandro Bastoni zum 1:2 hatte letztlich nur noch statistischen Wert. Zwar kämpfte Inter bis zum Schluss, doch die fehlende Chancenverwertung zog sich wie ein roter Faden durch beide Spiele.
Effizienz schlägt Dominanz
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Inter hatte doppelt so viele Angriffe im letzten Drittel, deutlich mehr Ballbesitz und spielte nahezu doppelt so viele Pässe in der gegnerischen Hälfte. Doch all diese Statistiken verblassen gegenüber einem entscheidenden Faktor: der Effizienz.
Während Bodö/Glimt seine Möglichkeiten konsequent nutzte, ließ Inter zu viele Chancen ungenutzt. Besonders das Hinspiel dürfte den Italienern im Nachhinein als verpasste Gelegenheit erscheinen. Für das norwegische Sensationsteam hingegen geht das europäische Märchen weiter. Spätestens jetzt dürfte klar sein: Dieses Team wird niemand mehr unterschätzen.

