"Es gibt kein böses Blut"
Max Eberl warf Paul Wanner zum Abschied ein bisschen Schmutz hinterher. "Wir wollen mit Spielern arbeiten, die Bock darauf haben, Bayern-München-Spieler zu werden", sagte der Sportvorstand von Bayern München über das abtrünnige Talent und stichelte: "Da gehören Schritte dazu, da gehört Mut dazu."
Fünf Monate nach diesen harten Worten stellt sich Wanner am letzten Spieltag der Champions League mit PSV Eindhoven Eberl und seinem Ex-Klub entgegen.
Das, sagte Wanner über das Duell am Mittwoch (21 Uhr/DAZN und Flashscore-Audioreportage), sei sicher "kein alltägliches Spiel". Von Revanche- oder gar Rachegelüsten aber will er nichts wissen. "Es gibt kein böses Blut", betonte der 20-Jährige in der Sport Bild, "es ist alles in Ordnung." Er sei den Bayern vielmehr "sehr dankbar".
Match-Center: Eindhoven vs. Bayern
Vergeudetes Talent?
Und doch fragt sich mancher, ob Wanner nicht sein herausragendes Talent vergeudet. Noch im November 2024 hatte Julian Nagelsmann ihn in den DFB-Kader für die Nations League berufen wollen.
Wanner sagte ab, er hatte und hat sich noch immer nicht entschieden, ob er nicht lieber für Österreich auflaufen will, die Heimat seiner Mutter. Seither zogen Talente wie Lennart Karl, Said El Mala und Assan Ouédraogo in der Gunst des Bundestrainers an ihm vorbei.
"Wenn ich Pauls Talent gehabt hätte, hätte ich mit 19 schon 100 Spiele für Bayern gemacht", sagte Hermann Gerland, der Wanner aus München kennt und bei der U21 betreute. Auch er schien das Vorurteil vom Talent ohne Biss zu bestätigen.
"Paul hat vom lieben Gott so viel Talent geschenkt bekommen, wie nur ganz, ganz wenige andere auf diesem Planeten. Vielleicht noch Wirtz und Musiala", meinte Gerland und betonte: "Es liegt nur an ihm selbst. Paul muss Gas geben!"
Gerüchte um Rückkaufoption
Und das tut er. Nach den Leihstationen in Elversberg und Heidenheim entschied er sich für die PSV, die 15 Millionen Euro Ablöse zahlte. In Eindhoven starteten herausragende Talente wie Ronaldo oder Romário ihre Weltkarriere, Mario Götze belebte seine dort wieder. Und Wanner? Der trat mit der Hypothek einer Knöchelverletzung an, spielte sich zuletzt aber in Abwesenheit von Ismail Saibari (Afrika-Cup) fest.
In 17 Pflichtspielen kommt er auf drei Tore, neunmal stand er in der Startelf. Trainer Peter Bosz setzte den offensiven Mittelfeldspieler zuletzt vermehrt als Sechser ein und lobte: "Auf dieser Position muss man absolut gefestigt sein, denn man darf den Ball nicht verlieren. Er ist ballsicher, trifft logische Entscheidungen und ist sehr hartnäckig."
Das klingt so gar nicht nach verschleuderten Anlagen oder Mutlosigkeit. Eher nach kluger Karriereplanung und Sprungbrett. Die Bayern jedenfalls haben Wanner noch nicht abgeschrieben: Der Transfervertrag enthält angeblich eine Rückkaufoption.
