Prestianni nach Rassismus-Vorwurf: "Für etwas bestraft, das ich nie gesagt habe"

Prestianni beim Training der argentinischen Nationalmannschaft
Prestianni beim Training der argentinischen NationalmannschaftREUTERS/Agustin Marcarian

Gianluca Prestianni von Benfica Lissabon hat sich erstmals öffentlich zu den Rassismuswürfen rund um das Champions-League-Play-off gegen Real Madrid geäußert. Im Interview mit dem Sender Telefe wies der Argentinier die Anschuldigungen, er habe Vinícius Júnior im Estádio da Luz rassistisch beleidigt, entschieden zurück.

"Was mich am meisten verletzt hat, war die Anschuldigung für etwas, das ich nie getan habe. Das war eine extrem schwierige Zeit", erklärte der 20-Jährige. Er betonte jedoch, ein reines Gewissen zu haben: "Ich bin sehr ruhig, denn wer mich kennt, weiß, wer ich als Mensch bin. Das reicht mir." Besonders dankbar zeigte er sich gegenüber seinem Verein: "Benfica hat an mich geglaubt und mich unterstützt. Dass der Klub und meine Mitspieler intern hinter mir standen, bedeutet mir viel mehr als irgendein Statement auf Instagram."

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Reaktion auf Mbappé und die "argentinische Mentalität"

Der Angreifer reagierte auch auf Kylian Mbappé, der behauptet hatte, die Beleidigungen gehört zu haben. "Für uns Argentinier ist das eine hitzige, aber normale Beleidigung im Spielverlauf. Man wird plötzlich als Rassist abgestempelt, obwohl ich das weder bin noch jemals sein werde. Es ging nur darum, mich aus dem Konzept zu bringen", so Prestianni. Er wolle nicht verbal, sondern "auf dem Platz durch Leistung" antworten.

Besonders die Sorge um seine Familie belastete ihn: "Mein Vater war im Stadion und es ging ihm sehr schlecht mit den Gerüchten. Ich bin Profi und an Kritik gewöhnt, aber meine Familie muss das erst verarbeiten. Es tut weh, wenn sie Dinge über mich hören, die einfach nicht der Wahrheit entsprechen." Aufgrund einer vorsorglichen Sperre durch die UEFA verpasste Prestianni das Rückspiel im Bernabéu. "Diese Strafe ohne Beweise war schmerzhaft, aber das Thema ist für mich abgeschlossen."

Unterstützung durch Mourinho und Teamkollegen

Prestianni fand zudem lobende Worte für seinen Trainer José Mourinho: "Er ist ein Ausnahmetrainer. Ich habe viel mit ihm und dem Team gesprochen, um die Wogen zu glätten, da die Unruhe von außen auch meine Mitspieler hätte verunsichern können." Die Vorwürfe bezeichnete er als absurd: "Ich habe Teamkollegen mit derselben Hautfarbe wie Vinícius und es gab nie Probleme. Dass man mich dann auch noch als homophob hinstellen wollte, war einfach zu viel."

Abschiedsgedanken und die Rettung durch Di María

Die psychische Belastung führte fast zum Karrierebruch in Europa. "Nach sechs Monaten wollte ich nur noch zurück nach Argentinien. Es war extrem hart, so weit weg von zu Hause zu sein", gestand er. Er habe versucht, sein Leid vor seiner Familie zu verbergen, bis ein emotionaler Zusammenbruch folgte: "Als ich verletzt war, sah mich Ángel di María weinend am Beckenrand. Er hat mich sofort zu sich nach Hause eingeladen."

Dank der Unterstützung von Di María und Nicolás Otamendi blieb Prestianni in Lissabon. "Ohne sie wäre ich heute wohl nicht mehr hier und würde nicht für die Nationalmannschaft spielen", so der Flügelspieler. Vor allem von Kapitän Otamendi lerne er täglich dazu. Abschließend gab Prestianni einen Einblick in seine verschlossene Art: "Ich bin niemand, der Gefühle zeigt – weder Freude noch Trauer. Ich mache die Dinge lieber mit mir selbst aus, so war ich schon immer."