Nach Rassismus-Eklat: Benficas Prestianni reist trotz Sperre nach Madrid

Prestianni im Disput mit Vini Junior
Prestianni im Disput mit Vini JuniorREUTERS/Pedro Nunes

Der Rassismus-Eklat um Gianluca Prestianni bleibt vor dem Rückspiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon im Fokus – auch, weil Prestianni trotz Sperre mit nach Madrid reist.

"Gianluca Prestianni wird mit Benfica nach Madrid reisen" Die Schlagzeile der portugiesischen Sportzeitung A Bola, die sich vor gut einer Woche noch wie eine Randnotiz für absolute Fußballpuristen gelesen hätte, sorgt vor dem Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid am Mittwochabend (21 Uhr/DAZN) für reichlich Wirbel.

Der Rassismus-Eklat um den jungen Argentinier ist weiter omnipräsent – und längst zu einem Fall mit gesellschaftlicher Tragweite geworden. Die UEFA ist als Richter gefordert. Prestianni soll Real-Star Vinícius Junior nach dessen Traumtor im Hinspiel (0:1) und anschließendem Jubel rassistisch beleidigt haben.

Prestianni (l.) im Zweikampf mit Vinicius
Prestianni (l.) im Zweikampf mit ViniciusREUTERS/Leon Kuegeler

Am Montag verhängte die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Europäischen Fußball-Union gegen den 20-Jährigen daher zunächst eine "vorläufige" Sperre für das Rückspiel in den Play-offs. Grundlage dafür ist laut UEFA ein "Zwischenbericht".

Viel Wirbel

Benfica legte Berufung ein und nimmt Prestianni mit nach Madrid, "auch wenn die betreffenden Fristen voraussichtlich keine praktischen Auswirkungen auf das Rückspiel haben werden", teilte der Klub mit.

Mourinho im Disput mit Vinicius
Mourinho im Disput mit ViniciusREUTERS/Rodrigo Antunes

Einen erneuten Einsatz Prestiannis gegen Real wird es wohl kaum geben, aber: Benfica sendete damit ein klares Zeichen der Solidarität mit seinem Spieler, der sich am Dienstag gemeinsam mit der Mannschaft auf den Weg in die spanische Hauptstadt machte.

Zugleich bekräftigte der Klub "sein unerschütterliches Engagement im Kampf gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung". Das spiegele sich unter anderem in Klub-Legende Eusébio wider. Ein Argumentationsmuster, das schon Trainer José Mourinho unmittelbar nach Spielende genutzt hatte - und das Bayern-Coach Vincent Kompany in seinem denkwürdigen 12-Minuten-Plädoyer tags darauf scharf verurteilte.

"Rassisten sind vor allem Feiglinge"

Prestianni selbst streitet die schwerwiegenden Vorwürfe ab. "Ich war niemals gegenüber irgendjemandem rassistisch", schrieb er bei Instagram. Laut einem ESPN-Bericht soll er vor der UEFA ausgesagt haben, Vinícius mit dem spanischen Schimpfwort "maricón" (dt: Schwuchtel) beleidigt zu haben, nicht mit "mono" (dt: "Affe"). Unschuld sähe auch in diesem Fall anders aus.

Welche Strafe Prestianni über das vorläufige Urteil hinaus drohen könnte, ist unklar. Die am Montag ausgesprochene Sperre ergehe "unbeschadet jeglicher Entscheidung, die die Disziplinargremien der UEFA im Anschluss an den Abschluss der laufenden Untersuchung treffen könnten", teilte die UEFA mit.

Vinícius traf sein eigenes Urteil: "Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind."

Match-Center: Real Madrid vs. Benfica Lissabon