Wut. Ärger. Grant beim FC Bayern. Um die Münchner Reisegruppe, die sich am Dienstagnachmittag aufmachte in die Niederlande, machte der geneigte Fluggast besser einen großen Bogen. Nach der völlig unerwarteten Niederlage gegen den FC Augsburg brodelt es beim deutschen Fußball-Rekordmeister, und so wird die vermeintliche Lustreise zur PSV Eindhoven plötzlich zur Charakterfrage.
"Die Reaktion ist jetzt sehr wichtig", sagte Wortführer Joshua Kimmich vor dem Liga-"Finale" in der Champions League am Mittwoch beim niederländischen Meister. Nationalspieler Jonathan Tah versprach: "Die Wut, die in uns steckt, lassen wir in den nächsten Spielen raus." Achtung, Explosionsgefahr!
Match-Center: Eindhoven vs. Bayern
"Wir müssen reagieren!"
Dass die Münchner längst fürs Achtelfinale qualifiziert sind und sogar schon einen Platz unter den besten vier samt Rückspiel-Heimrecht bis in ein mögliches Viertelfinale sicher haben? Geschenkt! Auch Sportvorstand Max Eberl forderte: "Wir müssen reagieren!"
Die verlangte Reaktion, ergänzte er, habe das Team von Trainer Vincent Kompany bisher "immer" gezeigt: "Deswegen mache ich mir auch da keine Sorgen". In der vergangenen Saison gab es nach den insgesamt sieben Niederlagen fünf Siege und zwei Remis (in Frankfurt und gegen Dortmund), dem 1:3 beim FC Arsenal in dieser Spielzeit folgte ein 3:1 gegen St. Pauli.

Remis genügt bereits
In Eindhoven würde ein Unentschieden reichen, um das letzte kleine Vorrunden-Ziel zu erreichen: Platz zwei und damit Rückspiel-Heimrecht auch im Halbfinale sowie die Aussicht, Topfavorit FC Arsenal bis ins Endspiel am 30. Mai in Budapest aus dem Weg zu gehen.

"Wir wissen, dass wir diesen einen Punkt sehr gut gebrauchen können", sagte Eberl, betonte aber: "Wir fahren da hin, um eine fast perfekte Champions-League-Saison zu spielen." Also, um zu gewinnen – und den Augsburg-Ärger zu vertreiben.
PSV möchte "die Bayern ärgern"
Das Spiel in Eindhoven werde aber "definitiv nicht leicht", warnte Eberl. Die PSV liegt zwar nur auf Rang 22, hat aber Liverpool (4:1) und die SSC Neapel (6:2) vom Platz gefegt und in Leverkusen (1:1) gepunktet. "Wir wissen, dass Bayern aktuell eines der besten Teams der Welt ist", sagte Paul Wanner vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Verein, "aber wir haben auch Qualität: Wir wollen die Bayern ärgern."

Zahlreiche Ausfälle
Zumal die Münchner weiter Personalsorgen in der Defensive haben. Zu den längerfristigen verletzungsbedingten Ausfällen gesellten sich zuletzt Krankheiten wie jene von Abwehrchef Dayot Upamecano, dazu ist Min-Jae Kim nach seiner Gelb-Roten Karte gegen Union Saint-Gilloise gesperrt.
Und so empfiehlt es sich, trotz aller Wut kühlen Kopf zu bewahren. "Wir haben eine gute Mannschaft, wir haben die richtige Einstellung", sagte Torgarant Harry Kane und versprach: "Wir werden nicht in Panik geraten."

