Machtlos an der Bridge: Warum Chelsea gegen ein übermächtiges PSG unterging

PSGs Khvicha Kvaratskhelia nimmt es mit drei Chelsea-Spielern auf.
PSGs Khvicha Kvaratskhelia nimmt es mit drei Chelsea-Spielern auf.Javier Garcia / Shutterstock Editorial / Profimedia

Der FC Chelsea stand im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League vor einer Mammutaufgabe. Nach einer herben 2:5-Klatsche im Hinspiel im Parc des Princes reiste Titelverteidiger Paris Saint-Germain mit einem komfortablen Drei-Tore-Vorsprung an die Stamford Bridge.

Um das Wunder gegen die Pariser Star-Truppe zu realisieren, hätte Chelsea eine fehlerfreie Leistung gebraucht. Trainer Liam Rosenior konnte zwar auf eine makellose Heimbilanz in der diesjährigen Königsklasse verweisen (vier Siege, 10:1 Tore), doch die Vorzeichen standen schlecht: Wie schon im Hinspiel sickerte die Startelf vorab durch. Rosenior rotierte auf vier Positionen – unter anderem ersetzten Sanchez und Sarr die Stammkräfte Jorgensen und James – doch die Unruhe im Vorfeld war Gift für die Konzentration.

Ein Start zum Vergessen

Während PSG-Coach Luis Enrique den Luxus eines spielfreien Wochenendes genoss, wirkte Chelsea nach der kräftezehrenden 0:1-Niederlage gegen Newcastle ausgelaugt. Das Spiel war praktisch schon in der 6. Minute entschieden: Nach einem langen Ball von PSG-Keeper Safonov patzte Youngster Mamadou Sarr bei seinem Debüt schwer. Khvicha Kvaratskhelia schaltete am schnellsten und überwand Robert Sanchez eiskalt.

Nur sieben Minuten später folgte der nächste Nackenschlag. Mitten in eine kurze Drangphase der Blues hinein, in der Chancen von Palmer und Neto geblockt wurden, schlug Paris eiskalt per Konter zu. Über Hakimi landete der Ball bei Bradley Barcola, der zum 0:2 vollendete. Mit einem Gesamtscore von 2:7 war die Messe nach nicht einmal einer Viertelstunde gelesen.

Die Torfolge von Bradley Barcola gegen Chelsea
Die Torfolge von Bradley Barcola gegen ChelseaOpta by Stats Perform

Was folgte, war eine Demonstration der Pariser Überlegenheit. Chelsea versuchte zwar, über das Passspiel zurückzufinden – Trevoh Chalobah glänzte mit einer Passquote von 98 % –, doch es war brotlose Kunst. Das Spiel wirkte statisch und ziellos, was die Fans an der Bridge früh mit Unmutsbekundungen quittierten.

Zum Match-Center: FC Chelsea vs. Paris Saint-Germain

Einziger Lichtblick bei den Gastgebern war Moises Caicedo. Der Ecuadorianer stemmte sich als einziger gegen die Niederlage, gewann fast alle seine Zweikämpfe und Dribblings. Doch gegen die Dynamik von Kvaratskhelia und Co., die nicht nur spielerisch, sondern auch läuferisch in einer anderen Liga agierten, war er auf verlorenem Posten.

Flucht aus dem Stadion und bittere Abschiedsgrüße

Zur Halbzeit entlud sich der Zorn der Fans in einem gellenden Pfeifkonzert. Viele Zuschauer verließen das Stadion bereits in der Pause. Rosenior reagierte mit einem Dreifachwechsel und nahm sogar Kapitän Enzo Fernandez vom Feld.

Dessen Auftritt sorgte auch nach Abpfiff für Wirbel. Angesprochen auf seine Zukunft trotz Vertrags bis 2032, wich der Argentinier aus: „Ich weiß es nicht. Wir haben noch acht Spiele und den FA Cup, dann die WM – wir werden sehen.“ Worte, die wie eine Abschiedsankündigung klangen.

Demütigung im eigenen Wohnzimmer

Die zweite Hälfte glich einem Schaulaufen. Der eingewechselte Senny Mayulu erhöhte kurz nach Wiederanpfiff auf 3:0 für die Gäste. Während sich Alejandro Garnacho und Liam Delap zumindest durch Abschlüsse bemühten, ließ PSG den Ball in der Schlussviertelstunde mit 81 % Ballbesitz aufreizend lässig durch die eigenen Reihen laufen.

Chelsea wurde im eigenen Stadion regelrecht vorgeführt. Für Liam Rosenior wird die Luft nun dünner. Sollte er das Team nach dieser Demütigung nicht schnell stabilisieren, droht ihm das gleiche Schicksal wie seinen Vorgängern – und Chelsea müsste einmal mehr bei Null anfangen.

Jason Pettigrove
Jason PettigroveFlashscore