Klare Champions-League-Hinspiele: Totgesagte leben länger – oder etwa nicht?

Enzo Fernandez und der FC Chelsea wollen gegen PSG die große Wende schaffen.
Enzo Fernandez und der FC Chelsea wollen gegen PSG die große Wende schaffen.Reuters/Andrew Couldridge

Das Achtelfinale der Champions League 2025/26 fühlt sich in diesem Jahr seltsam einseitig an. Nach den Hinspielen scheint in fünf von acht Partien die Spannung bereits vollständig raus zu sein: Manchester City, Chelsea, Sporting, Tottenham und Atalanta müssen Rückstände von drei oder mehr Toren aufholen. Während Pessimisten bereits die Koffer für diese Teams packen, lehrt uns die Geschichte der Königsklasse eines: Wer den Abpfiff vorzeitig feiert, hat die Rechnung ohne den Geist der Champions League gemacht.

Besonders hart traf es Atalanta Bergamo, die gegen entfesselte Bayern mit 1:6 untergingen. Historisch gesehen ist dies ein sportliches Todesurteil, denn noch nie konnte ein Team einen Fünf-Tore-Rückstand drehen. 

Zum Match-Center: FC Bayern vs. Atalanta Bergamo

Doch für die anderen Sorgenkinder gibt es Hoffnungsschimmer in der Statistik. Laut Datendienstleister Opta schafften immerhin 7,8 % aller Mannschaften, die das Hinspiel mit drei oder mehr Toren Differenz verloren haben, am Ende doch noch das Wunder. Ein kleiner Prozentsatz, sicher, aber genau aus diesem Stoff werden Legenden gewebt.

Das absolute Gold-Standard-Wunder bleibt "La Remontada" von 2017. Damals bügelte der FC Barcelona ein 0:4-Debakel gegen Paris Saint-Germain im Rückspiel mit einem fulminanten 6:1 aus. Sergi Roberto wurde in der 95. Minute zum unsterblichen Helden. Es war der Beweis, dass selbst ein Vier-Tore-Vorsprung gegen Weltklasse-Individualisten wie Messi oder Neymar (damals auf Seiten der Franzosen) kein Ruhekissen ist. Heute müssten Chelsea oder Tottenham ähnlich magische Nächte beschwören, um das Blatt gegen PSG oder Atlético noch zu wenden.

Interessanterweise war Barcelona in den Folgejahren nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. 2018 verspielten die Katalanen ein 4:1 gegen die AS Rom (0:3 im Rückspiel), und nur ein Jahr später folgte das ikonische "Anfield-Wunder". Liverpool drehte ein 0:3 gegen Barça durch ein 4:0 zu Hause. Wer erinnert sich nicht an die geistesgegenwärtige Ecke von Trent Alexander-Arnold?

Große Wende für City gegen Real Madrid?

Diese Spiele zeigen, dass ein Heimvorteil und eine frühe Führung im Rückspiel selbst die souveränsten Giganten ins Wanken bringen können.

In der aktuellen Runde ist wohl vor allem Manchester City trotz des 0:3 gegen Real Madrid noch eine Wende zuzutrauen. Auch Sporting Lissabon werden gegen die Überraschungsmannschaft Bodö/Glimt noch Chancen eingeräumt. Für Tottenham und Chelsea sieht es düsterer aus, doch der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Oft reicht ein Platzverweis oder ein früher Elfmeter, um die Statik eines sicher geglaubten Spiels komplett zu zertrümmern.

Zum Match-Center: Tottenham Hotspur vs. Atletico Madrid

Ob wir in den nächsten Tagen Zeugen eines weiteren Wunders im Stile von Barcelona oder Liverpool werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die Favoriten sollten sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen. Solange der Schiedsrichter die Partie im Rückspiel nicht abgepfiffen hat, bleibt die Champions League die Bühne, auf der das Unmögliche zumindest eine kleine Chance hat. Wir dürfen gespannt sein, ob eine der fünf "toten" Paarungen in den kommenden Tagen zu neuem Leben erwacht.