Mitrovic selbst ist im St. James’ Park unvergessen: In zweieinhalb Spielzeiten erzielte er 17 Tore, bevor er bei Fulham zur Legende aufstieg und die 100-Tore-Marke knackte. Er weiß aus eigener Erfahrung, welcher Druck auch aufgrund der Historie auf einem Torjäger in Newcastle lastet: die Erwartungshaltung ist seit den glorreichen Zeiten eines Alan Shearer immens.
Rückendeckung für Woltemade
Gerade deshalb kann Mitrovic die aktuelle Lage von Nick Woltemade gut nachempfinden. Der deutsche Hüne kam im Sommer für die Rekordsumme von rund 65 Millionen Pfund aus Stuttgart und schlug sofort ein: Tore beim Debüt in der Premier League und der Königsklasse ließen die Fans träumen. Doch seit dem Winter stockt der Motor; sein letzter Ligatorfolg, ein Doppelpack gegen Chelsea, liegt bereits zweieinhalb Monate zurück.
Für Mitrovic ist die Kritik dennoch überzogen: "Ich finde, er spielt immer noch eine starke Saison. Natürlich wird ein Stürmer an Toren gemessen, aber sein Wert für das Team geht weit darüber hinaus", erklärt Mitrovic per Videoschalte aus dem Trainingszentrum seines aktuellen Klubs Al Rayyan in Katar.

Der Serbe ist überzeugt, dass Trainer Eddie Howe mit Woltemade die richtige Wahl getroffen hat. "Er ist ein exzellenter Verbindungsspieler, der sich tief fallen lässt und den Spielaufbau ankurbelt. Dadurch schafft er die nötigen Räume für schnelle Leute wie Anthony Gordon, Harvey Barnes oder Anthony Elanga."
Dass Howe ihn zuletzt eher im offensiven Mittelfeld aufbot, hält Mitrovic für einen taktischen Kniff: "Woltemade erinnert mich an Harry Kane: eine Mischung aus Neun und Zehn. Er will aktiv am Spiel teilnehmen und nicht nur vorne auf den Ball warten."
Gordons neue Rolle als Trumpfkarte
Da Woltemade nun tiefer agiert, rückte Flügelstürmer Anthony Gordon in die vorderste Front. Das Experiment trug sofort Früchte. Gordon glänzte mit vier Toren gegen Qarabaq und schoss Newcastle am vergangenen Wochenende zum Sieg gegen Chelsea.
"Ein kluger Schachzug", urteilt Mitrovic. "Eigentlich fühlt sich Gordon auf dem linken Flügel am wohlsten, aber gegen bestimmte Gegner ist er als Spitze hocheffektiv. Gerade gegen Teams wie Chelsea, die extrem hoch verteidigen, kann er seine Schnelligkeit in den freien Räumen perfekt ausspielen."

Gleichzeitig hoffen die Fans auf ein baldiges Comeback von Yoane Wissa. Der Ex-Brentford-Profi kämpfte bislang primär mit Verletzungen und kam erst auf einen Saisontreffer. Mitrovic sieht in ihm jedoch großes Potenzial: "Bei Brentford hat er an der Seite von Ivan Toney bewiesen, wie wertvoll er ist. Er und Woltemade könnten ein ideales Duo bilden: Der eine schafft als Wandspieler die Räume, der andere stößt mit Tempo hinein. Aber dafür braucht er jetzt erst einmal Fitness und das nötige Selbstvertrauen."
Die Chancen gegen Barcelona
Der Fokus aller Beteiligten liegt nun auf dem kommenden Mittwoch, wenn die Magpies im Camp Nou um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League kämpfen. Trotz des späten Ausgleichs zum 1:1 im Hinspiel sieht Mitrovic Newcastle keineswegs chancenlos.
"Das Gegentor in der letzten Minute war mental sicher hart. Mit einem 1:0 im Rücken wäre es im Camp Nou deutlich einfacher gewesen", so der Stürmer.
Dennoch traut er seinem Ex-Klub die Überraschung zu: "Barcelona wird zu Hause dominieren und das Spiel machen. Aber sie verteidigen sehr hoch und gehen enorme Risiken ein. Wenn Newcastle kompakt bleibt und die sich bietenden Konter oder Standardsituationen konsequent nutzt, werden sie Barca weh tun. Ich bin sicher, dass sie mindestens ein Tor erzielen, und dann ist alles möglich.“
