Im Halbfinale 2024 machte Vinicius mit Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, was er wollte. Im Hinspiel (2:2) erzielte er beide Real-Tore, im Rückspiel (2:1) leitete sein Schuss den späten Ausgleich ein. "Einer der besten Dribbler und Eins-gegen-eins-Spieler in Europa", nannte Kimmich ihn damals. Daran hat sich nichts geändert - im Gegenteil.
"Ich hoffe, dass ich noch lange hier bleiben kann", sagte Vinicius am Montag. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft bis 2027, zuletzt hatte es Gerüchte über einen möglichen Abschied gegeben. Er fühle sich bei den Königlichen wohl, beteuerte Vinicius nun, "ich genieße das Vertrauen des Präsidenten. Zum richtigen Zeitpunkt werde ich meinen Vertrag verlängern und noch lange hier weitermachen, denn dies ist der Verein meiner Träume."
Allerdings war davon unter Trainer Xabi Alonso wenig zu spüren, Vinicius lag mit dem Leverkusener Meistermacher über Kreuz. "Ich fand keinen Draht zu ihm", bekannte er vor dem Hinspiel gegen die Bayern am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video und Flashscore-Audioreportage) offen, mit Alonso-Nachfolger Álvaro Arbeloa aber pflege er "eine wunderbare Verbindung. Ich hoffe, dass ich weiter mit ihm zusammenarbeiten kann, er hat mir stets Selbstvertrauen geschenkt."
Gegen die Bayern gelte es, "hellwach" zu sein, betonte Vinicius. "Es ist ein kniffliges Spiel, in dem großartige Spieler den Unterschied ausmachen", sagte er und verwies auf seinen Nebenmann Kylian Mbappé. Dass die Münchner womöglich auf Torgarant Harry Kane verzichten müssen, könne eine Rolle spielen, aber: "Ganz gleich, wer spielt: Es wird sehr schwierig werden und wir müssen darauf vorbereitet sein."
Vinicius polarisiert – und trifft
Aber da ist auch diese andere Seite. Vinicius polarisiert mit seiner Spielweise extrem. "Ein toller Spieler", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky90, "provoziert aber ohne Ende. Wenn man ihn dann mal richtig packt, beschwert er sich nur, dann weint er."
Auch abseits des Rasens, wie bei der Vergabe des Ballon d'Or 2024, als der Topfavorit sich übergangen fühlte - Vinicius und ganz Real blieben der Gala daraufhin fern. Ein Imageschaden? Nicht finanziell. Vinicius hat 14 lukrative Werbedeals, mit Weltmarken wie Nike, Pepsi oder Boss, zuletzt wurden in Brasilien Vini-Flip-Flops präsentiert.
Vini Jr. kämpft gegen Rassismus
Der 25-Jährige hat seinem "Idol" Neymar längst den Rang des größten aktiven Fußballers abgejagt, im WM-Spot des Spielzeugherstellers Lego werkelt er mit den Weltstars Messi, Ronaldo und Mbappé am Goldpokal aus Klemmbausteinen. Den echten Cup sieht er als Ziel. "Ich habe bereits eine WM gespielt und möchte nicht noch mal verlieren."
Seinen größten Kampf kämpft er gegen den Rassismus in den Stadien, im Netz. Aufgrund der wiederkehrenden Anfeindungen verliere er "mehr und mehr die Lust am Spielen", sagte der UNESCO-Botschafter, der sich mit seiner Stiftung ("Vini Jr. Institute") für Chancengleichheit in der Bildung engagiert, 2023. Doch statt zu resignieren hat er sich vorgenommen, "möglichst viele Tore zu schießen, sonst würde ich den Rassisten geben, was sie wollen".
Trainer Arbeloa nennt Vinicius einen "jungen Mann, der keine Angst kennt". Schon gar nicht auf dem Platz - auch nicht vor den Bayern. "Wenn Real Madrid in diesem Wettbewerb spielt", sagte er, "ändert sich alles. Wir sind bereit für mehr, für alles, was kommt."
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