Der großgewachsene Teenager, der mit 1,96 m sogar sein Vorbild Manuel Neuer um drei Zentimeter überragt, hatte bis Montag noch nicht mal einen Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Dass sein Name trotzdem plötzlich in aller Munde ist, liegt an der unglaublichen Münchner Torwart-Misere. Ob Neuer (Wade), Jonas Urbig (Gehirnerschütterung), Sven Ulreich (Adduktoren) oder Leon Klanac (Oberschenkel) – gleich vier Keeper sind verletzt.
Zum Match-Center: Bayern München vs. Atalanta Bergamo
Und so könnte, falls Trainer Vincent Kompany bei Urbig das Risiko scheut, im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) gegen Atalanta Bergamo die Stunde von Prescott schlagen. Medienberichten zufolge erhielte der U19-Schlussmann den Vorzug vor Jannis Bärtl (19), der bei der zweiten Mannschaft im Tor steht.
Prescott stand im Hinspiel (6:1) erstmals im Profikader, er hat schon häufiger mit Neuer und Co. trainiert. Mit seinem Idol verbindet ihn eine besondere Geschichte: In der Champions League stand der "Zukunfts-Neuer" (Bild-Zeitung), dessen Spielstil mit jenem des Kapitäns verglichen wird, schon öfter als Balljunge hinter dem Tor.
"Könnte gefühlt im Feld mitspielen"
Jetzt könnte der in New York geborene Deutsch-Amerikaner, der über die pralle Erfahrung von 16 U19-Spielen im Bayern-Trikot verfügt (30 Gegentore), zwischen die Pfosten rücken. Kann er das? Prescott, der in Berlin aufgewachsen ist und 2023 von Union zu den Bayern wechselte, gilt als klar im Kopf und verlässlich, parallel baut er seinen Realschulabschluss.
Intern genießt er volle Rückendeckung. "Er ist technisch überragend", sagte U19-Trainer Peter Gaydarov im vergangenen Sommer und betonte: "Er könnte gefühlt im Feld mitspielen." Wie Neuer. Außerdem sei Prescott, der sechsmal für die deutsche U17 auflief, "sehr mutig in seinen Aktionen" und "für sein Alter auf jeden Fall sehr weit".
Manchmal aber auch: zu mutig. Im U19-Stadtderby gegen 1860 vertändelte er Anfang Oktober mehrmals den Ball. Einer dieser Patzer führte zum spielentscheidenden 0:1. Das Netz ist plötzlich trotzdem voll mit Highlight-Clips wie jenem zu Prescotts "letzten 35 Paraden".
Damit Nummer 36 gegen Bergamo passieren und Prescott den bisher jüngsten Münchner Torwart Sven Scheuer (Debüt 1989 mit 18 Jahren und 237 Tagen) ablösen kann, müssen die Bayern sich einer Sonderregelung im Jugendschutzgesetz bedienen. Sie erlaubt Sportlern auch unter 18 Jahren, nach 20.00 Uhr noch zu arbeiten - jedoch nur bis 23.00 Uhr. Im Falle einer Verlängerung bräuchte es eine Sondergenehmigung.
Unwahrscheinlich? Nun, das galt bis vor Kurzem auch für Prescotts Profidebüt am Mittwoch …
