Dieser Wechsel hat das Zeug zum Symbol für den Grabenkampf in der Bundesliga. Auf der einen Seite steht Borussia Mönchengladbach: Ein Verein mit einer Historie, die Bibliotheken füllt, der aber schmerzhaft feststellen muss, dass Tradition allein keine Tore schießt und im heutigen Profigeschäft kaum noch als Währung taugt.
Auf der anderen Seite RB Leipzig: Jung, effizient, mit den Millionen des Red-Bull-Imperiums im Rücken und einem Jürgen Klopp als strategischem Kopf im Hintergrund. Der Kontrast könnte schärfer nicht sein. Während Gladbach mühsam versucht, die Geister der 70er Jahre mit ökonomischer Vernunft in Einklang zu bringen, kauft sich Leipzig die Seele der Konkurrenz ein und spielt dazu auch noch verdammt attraktiv Fußball.
Reitz' Leistung hat massiv nachgelassen
Dabei ist die Personalie Reitz auch eine Erinnerung daran, wie flüchtig die Zuneigung der Fans sein kann: Noch vor Monaten wurde er als künftiger Rekordspieler und ewiger Kapitän gefeiert, doch zuletzt bekam das Denkmal Risse. Seine Leistungen in der aktuellen Saison wirkten phasenweise fahrig, fast so, als wäre der Fokus bereits in den Osten der Republik gewandert.
Die Statistiken lügen nicht: Null Tore, zwei Vorlagen. Seine defensiven Nachlässigkeiten trugen dazu bei, dass die Borussia tief im Tabellenkeller feststeckt. Die Liebe der Fans, so leidenschaftlich sie ist, kann bei ausbleibendem Erfolg und dem Gefühl der Abkehr des Helden blitzschnell in Bitterkeit umschlagen.
Besonders schwer wiegt dabei sein Fehlen im nun anstehenden, wichtigen Kellerduell gegen den FC St. Pauli. Ausgerechnet in einer Phase, in der die Mannschaft ihren Anführer am dringendsten braucht, handelte sich Reitz beim 1:4 gegen Bayern München eine völlig unnötige Rote Karte ein. Es ist ein Bärendienst für den Verein, der ihn groß gemacht hat.
Experten wie Sky-Reporter Philipp Hinze sehen darin ein Zeichen: "Reitz wirkt geistig schon im RB-System integriert, die letzte Konsequenz für Gladbach fehlt." Wenn der Kapitän in der Stunde der Not von Bord gehen muss, weil er sich zu einer Frustreaktion hinreißen lässt, sieht das auch für Reitz selbst nicht gut aus.
Gladbach-Verbleib "sehr, sehr unwahrscheinlich"
Auch die Verantwortlichen machen aus dem bevorstehenden Deal keinen Hehl mehr. Gladbachs Sportchef Rouven Schröder gab sich zuletzt resigniert und betonte, dass ein Verbleib "sehr, sehr unwahrscheinlich" sei. Man müsse wirtschaftliche Realitäten anerkennen. Die kolportierte Ablösesumme von rund 20 bis 25 Millionen Euro ist für die Borussia in ihrer aktuellen finanziellen Lage ein Segen, den sie für den dringend benötigten Kaderumbau braucht – egal ob in Liga eins oder schlimmstenfalls in Liga zwei.
Für Leipzig hingegen ist Reitz die logische Nachfolge für Xaver Schlager: Ein laufstarker Pressing-Spieler, der perfekt in die Philosophie von Marcel Schäfer und Ole Werner passt.
Am Niederrhein muss man erkennen: Der Spieler will den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen, dabei stehen ihm auch keine vermeintlichen moralischen Zwänge im Weg. Es bleibt für die Gladbacher zu hoffen, dass die rund 20 Millionen Euro die Lücke füllen können, die das Bröckeln der Fohlen-DNA hinterlässt.
