Sebastian Hoeneß wusste, was kommen würde. Zu dieser "Thematik", erklärte der Trainer des VfB Stuttgart daher sogleich, wolle er nichts mehr sagen. Es sei "besser für alle Beteiligten, wenn das Ding ruht". Also keine Einlassungen zu Deniz Undav, dessen Stellung bei der Nationalmannschaft und den Aussagen von Bundestrainer Julian Nagelsmann? Weit gefehlt! Dafür, dass er nichts sagen wollte, sagte Hoeneß vor dem Spiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Borussia Dortmund dann doch eine ganze Menge über den derzeit besten deutschen Torschützen.
"Brauchst einen, der am Ende finalisiert"
An der aktuellen Formstärke des VfB habe Undav einen erheblichen Anteil, machte Hoeneß vor dem Duell Dritter (53 Punkte) gegen Zweiter (61) deutlich. "Wir sind in vielen Bereichen in die richtige Richtung gegangen", sagte er, "und klar, dann darf man auch nicht vergessen, dass wir mit Deniz einen Spieler haben, der häufig auch den Unterschied macht. Du brauchst einen, der am Ende finalisiert. Da haben wir nicht nur Deniz, da haben wir auch andere. Aber da muss schon Deniz in erster Linie genannt werden. Die Statistiken sind enorm."
18 Tore hat Undav in dieser Saison in der Bundesliga bislang schon erzielt, nur Bayerns Harry Kane (31) hat mehr. Auch beim Länderspiel gegen Ghana (2:1) in Stuttgart, sagte Hoeneß, habe er einen "Deniz gesehen, der genau das macht, was er auch bei uns macht: Tore, wichtige Tore", und gegen Ghana ja auch "ein spielentscheidendes Tor". Undav jedenfalls liefere seine Antworten zur Diskussion um ihn "auf dem Platz, so ist es auch zu wünschen. Das wird er die nächsten Wochen auch wieder tun, davon bin ich überzeugt."
Im Hinspiel dreifach getroffen
Bei Borussia Dortmund können sie auf weitere Nachweise von Undavs Können erwartungsgemäß verzichten. Er erinnere sich noch gut an das Hinspiel (3:3), sagte Trainer Niko Kovac, "da hat er drei Tore geschossen, von daher wissen wir um seine Qualitäten. Und die wollen wir am Wochenende hoffentlich nicht sehen." Kovac geht es da wie Nico Schlotterbeck, der nach dem Länderspiel am Montag über Undav sagte: "Ich hoffe, dass ich ihn Samstag im Griff habe."
Mindestens ebenso froh wären sie in Dortmund, wenn sie die Diskussionen über Schlotterbeck in den Griff bekämen. Dass statt Sebastian Kehl nun Ole Book die Vertragsgespräche mit dem zögernden Verteidiger führt, sieht aber zumindest der Trainer nicht als Problem. "Ich bin selbst sehr positiv. Das ist ein richtig guter Spieler. Ein Spieler, den wir brauchen, ein Spieler, den wir alle lieben, ich persönlich auch. Von daher werden wir alles tun, dass er bei uns bleibt", sagte Kovac.
Undav hin, Schlotterbeck her - schon der Blick auf die Duelle mit dem VfB in den vergangenen drei Jahren gäbe den Dortmundern Anlass, sich nachdenklich am Kopf zu kratzen. Seit Hoeneß am 3. April 2023 den Trainerjob in Stuttgart übernahm, ging keines von sieben Pflichtspielen gegen Dortmund verloren (fünf Siege, zwei Unentschieden). "Das ist natürlich enorm gegen eine solche Topmannschaft", sagte der 43-Jährige, betonte aber: "Diese Zahl wird uns nicht helfen für das Spiel am Samstag." Aber vielleicht Undav.
Zum Match-Center: VfB Stuttgart vs. Borussia Dortmund
