Seit seinem Wechsel vom SC Heerenveen zu PSV Eindhoven im Jahr 2022 gehörte Veerman zu den besten Spielern der Niederlande und war einer der Hauptgründe dafür, dass die Mannschaft aus Eindhoven drei Meistertitel in Folge feiern konnte.
Seine Leistungen haben europaweit das Interesse anderer Klubs geweckt. Nachdem Transfers zum FC Brentford und Fenerbahce Istanbul in der vergangenen Saison gescheitert waren, hat er sich nun einen noch größeren Wechsel verdient. Dortmund hat seine Ausstiegsklausel in Höhe von 22 Millionen Euro gezogen. Mit dem Niederländer bekommen sie einen nicht perfekten, aber äußerst gefährlichen Kreativspieler.
Bemerkenswerte Zahlen
Warum Dortmund Veerman verpflichtet hat, zeigt schon ein Blick auf seine Statistiken – die sind schlichtweg beeindruckend. In seinen vier kompletten Spielzeiten bei PSV kreierte er 395 Chancen und sammelte 48 Assists in 119 Ligaspielen. Im gleichen Zeitraum kam kein anderer Spieler der Eredivisie auch nur annähernd an diese Werte heran.
Europaweit gibt es nur sehr wenige Spieler mit solch beeindruckenden Zahlen. In den Top-10-Ligen Europas hat seit Beginn der Saison 2022/23 nur Michael Olise (51) mehr Assists gesammelt und nur Bruno Fernandes (460) hat mehr Chancen kreiert.
Diese Statistiken werden noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Veerman einen großen Teil der Saison 2024/25 verletzungsbedingt verpasst hat. Von Ende September bis Anfang Dezember fiel er mit einer Oberschenkelverletzung aus. Ohne diese Verletzung hätte er wohl in vier aufeinanderfolgenden Spielzeiten jeweils mindestens zehn Assists gesammelt.

Natürlich muss ein Mittelfeldspieler mehr können, als nur Chancen zu kreieren und Tore zu schießen – aber das Bewertungssystem von Flashscore berücksichtigt nahezu jede erdenkliche Kennzahl, und auch dort schneidet er hervorragend ab.
Unter Trainer Peter Bosz, der PSV vor der Saison 2023/24 übernahm, erreichte Veermans Spiel ein neues Niveau. Am Ende der Saison lag sein Notendurchschnitt in der Liga bei 8,2 von 10. Nach einem Rückgang auf 7,4 im darauffolgenden Jahr – vor allem wegen der erwähnten Verletzung – stieg der Wert in der Saison 2025/26 wieder auf 8,1.
Auch das sind Werte, die ihn an die Spitze des europäischen Fußballs setzen. Von allen Spielern in den Top-10-Ligen Europas hatte er 2023/24 die höchste Flashscore-Bewertung und 2025/26 lag er in dieser Statistik nur hinter Lamine Yamal.
Ein Spielmacher alter Schule – mit Licht und Schatten
Dortmund hat sich also zweifellos einen Spieler gesichert, der über Jahre hinweg konstant auf hohem Niveau gespielt hat. Aber was für ein Spielertyp ist er? Einer, den man heutzutage nur noch selten sieht.
Der Fußball ist in den letzten zehn Jahren immer intensiver und schneller geworden. Daher zählen zu den besten Mittelfeldspielern meist jene, die extrem pressingresistent sind, auch unter Zeit- und Platzdruck einen kühlen Kopf bewahren und schnell denken können – und die selbst gegen den Ball aggressiv pressen. Die meisten können zudem mit starken Dribblings das Pressing des Gegners überwinden.
Veerman hingegen ist in diesen Bereichen nicht besonders stark. Er erinnert vielmehr an die tiefen Spielmacher früherer Tage wie Andrea Pirlo: herausragende Pässe und Übersicht, aber kaum Dribblings, Zweikämpfe oder intensive Läufe.

Tatsächlich wird er in seiner Heimat Pirlo genannt – und das aus gutem Grund. Er ist ein exzellenter Standardschütze, hat eine außergewöhnliche Übersicht und nur wenige im Profifußball verfügen über eine derart beeindruckende Passreichweite.
Bei PSV ließ er sich häufig tief fallen, holte sich den Ball ab und brachte sein Team mit cleveren Pässen zwischen die Linien oder traumhaften Lupfern nach vorne. Die Geschwindigkeit oder Wendigkeit, um den Ball selbst nach vorne zu tragen, fehlen ihm zwar, aber das macht er mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten am ruhenden Ball mehr als wett.
Wie bei Pirlo gilt das auch für seinen Abschluss: Seit seinem Eredivisie-Debüt 2019 hat er die meisten Tore aus der Distanz erzielt – oft echte Traumtore mit seinem linken Fuß, egal ob gefühlvoll oder mit voller Wucht.
Allerdings bringt seine statische Spielweise auch Nachteile mit sich. Defensiv trägt er wenig bei – weder im Gegenpressing noch im eigenen Strafraum – und er hat große Probleme, wenn er von aggressiv pressenden Gegnern unter Druck gesetzt wird und kaum Zeit für einen Pass bekommt.
Gerade in Champions-League-Spielen gegen Topteams wurde das immer wieder deutlich – besonders aber bei der 2:3-Niederlage der Niederlande gegen Österreich bei der EM 2024, als er nach 35 Minuten ausgewechselt wurde. Die Österreicher setzten ihn von Beginn an unter Druck, er kam damit nicht zurecht, brachte nur neun seiner 19 Pässe an den Mann und verlor insgesamt 16-mal den Ball.
Joey oder Jobe?
Man muss ihm zugutehalten, dass es nicht leicht ist, seine Pressingresistenz zu verbessern, wenn man den Großteil der Karriere in einer so dominanten Mannschaft spielt, dass die meisten Gegner in der Liga sich gar nicht trauen, Druck auszuüben. In Deutschland wird das anders sein. Ob er sich in diesem Bereich weiterentwickeln kann, dürfte entscheidend dafür sein, ob er Stammspieler wird oder nicht.
Da Felix Nmecha im 3-4-3 von Niko Kovac als einer der zentralen Mittelfeldspieler gesetzt sein dürfte, wird Veerman wohl mit Jobe Bellingham um den zweiten Platz in der Startelf konkurrieren.
Zweifel daran, dass er am Ball deutlich mehr zu bieten hat als der jüngere Bruder von Real-Star Jude, gibt es kaum. Seine Übersicht und Schusstechnik sind auf einem anderen Niveau. Bellingham hingegen ist der bessere Dribbler, gewinnt mehr Zweikämpfe und bringt deutlich mehr Tempo und Dynamik mit als der Neuzugang.

Hinzu kommt, dass der Engländer sieben Jahre jünger ist und daher in den kommenden Jahren wohl noch größere Entwicklungsschritte machen wird als Veerman.
Selbst wenn Bellingham sich weiterentwickelt und der Niederländer im Wesentlichen der Spieler bleibt, der die Eredivisie in den letzten drei Jahren dominiert hat – mit allen Stärken und Schwächen – wird der 27-Jährige für Kovac eine echte Waffe sein. Gerade wenn es darum geht, tief stehende Gegner zu knacken oder gegen starke Teams, die ein Ergebnis verteidigen, ist Veerman kaum zu ersetzen.
Sollte er auch in seinen Schwachpunkten Fortschritte machen, könnte er sich als einer der Transfers des Sommers und als einer der besten Spielmacher der Welt erweisen.
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