Beim Fanklub-Besuch in Tacherting gab sich Manuel Neuer betont gelassen. Er sei "dem Ganzen gegenüber positiv gestimmt". Er wolle erst einmal "die nächsten Monate abwarten und gute Leistungen zeigen, dann wird sich das Richtung Ende März, April schon entscheiden", sagte der 39-Jährige mit einem entspannten Lächeln.
Dabei geht es für den Torwart-Titan des FC Bayern, der am 27. März 40 Jahre alt wird, um nichts weniger als um seine sportliche Zukunft. (Fußball-)Rente oder doch noch ein weiteres Jahr beim deutschen Rekordmeister lautet bei Neuer die entscheidende Frage, die ihn und den Klub schon länger beschäftigt.
Doch vor dem Ligastart ins neue Jahr am Sonntag (17:30 Uhr/DAZN und Flashscore-Audioreportage) gegen den VfL Wolfsburg wollen auch die Verantwortlichen keinen Druck aufbauen. Es gebe "keine Frist", sagte Sportdirektor Christoph Freund in Münchner Merkur/tz, "sondern nur offene Kommunikation. Daher ist es sinnvoll, den Zeitraum März/April anzustreben."
Match-Center: FC Bayern München vs. VfL Wolfsburg
"Möchte mir noch ein bisschen Zeit lassen"
Bis dahin habe er "viele Spiele gemacht", meinte Neuer, "dann weiß ich, wie es meinem Körper geht, dann werde ich 40 und dann muss man schauen, ob man die Entscheidung auch so mit Überzeugung treffen kann, ob es weitergeht. Da möchte ich mir noch ein bisschen Zeit lassen."
Erst im Dezember hatte der Weltmeister von 2014, der seine Weltklasse trotz fortgeschrittenen Alters immer noch aufblitzen lässt, eine Muskelverletzung erlitten und war ausgefallen. Auch beim einzigen Test am Dienstag in Salzburg (5:0) hatte Neuer deshalb noch gefehlt. Für Sonntag sei er aber "zuversichtlich".
Sollte Neuer dennoch ausfallen: Der FC Bayern verfügt in Jonas Urbig über einen aufstrebenden Keeper, der den Routinier in den vergangenen Monaten schon einige Male mit Bravour vertreten hat. Neuer gilt längst als großer Fürsprecher des 22-Jährigen, als eine Art Mentor von Urbig.
"Einen besseren Lehrmeister als Manuel Neuer kann es für einen jungen Torhüter nicht geben. Er unterstützt Jonas, tauscht sich viel mit ihm aus, sie setzen sich oft zusammen und reden", sagte Freund und schwärmte von einer "perfekten Situation".
Nübel als Erbe des Torwart-Königs
Allerdings müssen in den kommenden Wochen noch einige Fragen geklärt werden. Da geht es etwa auch um eine mögliche WM-Teilnahme von Neuer, über die seit einiger Zeit spekuliert wird. Erst am Mittwoch hatte sich Matthias Sammer für eine Rückkehr des langjährigen Nationalkeepers ins DFB-Team ausgesprochen.
"Manuel ist so gut, dass man ihn mitnehmen muss. Ich sehe keine Konstellation, in der Manuel der Gruppe nicht guttun würde. Dafür muss er selbst das aber auch wollen", sagte Sammer der Sport Bild.
Offen ist zudem, wie es bei den Bayern in der Torhüterfrage weitergeht. Toptalent Urbig, Vertrag bis 2028, gilt inzwischen als Kronprinz von Neuer. Aber auch Alexander Nübel, der bis Saisonende an den VfB Stuttgart ausgeliehen ist, gehört den Bayern bis 2029. Bis 2028 ist Daniel Peretz, der erst einmal in Southampton Spielpraxis sammeln soll, gebunden.
Man sei mit allen Torhütern im Austausch und werde sich die Situation "in Ruhe anschauen", sagte Sportvorstand Max Eberl. Der FC Bayern sei, fügte Freund an, "für die Zeit nach Manuel, wenn die irgendwann kommt, sehr gut aufgestellt". Doch wann kommt diese Zeit?
