Nach Kuntz-Rücktritt: HSV zwischen Zukunftsausrichtung und Abstiegskampf

Die Hamburger im Training nach der Winterpause.
Die Hamburger im Training nach der Winterpause.ČTK / imago sportfotodienst / Fernando Soares

Beim Hamburger SV läuft die Suche nach einem Nachfolger für Stefan Kuntz, große Namen werden diskutiert. Auch das Gesicht des Teams ändert sich zum Start der heißen Phase der Mission Klassenerhalt.

Ralf Rangnick? Oliver Bierhoff? Nach dem überraschenden Aus von Stefan Kuntz geistern seit Tagen die ganz großen Namen der Szene durch Hamburg. Die Zukunftsausrichtung des HSV ist ein großes Thema im Norden - das Merlin Polzin für sich erst einmal ausblenden muss.

So vertraut die Zusammenarbeit des Trainer-Neulings mit seinem Förderer Kuntz war, so sehr gilt Polzins voller Fokus der Mission Klassenerhalt, für die er noch vor dem schweren Start beim SC Freiburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) wertvolle Verstärkung erhielt.

Match-Center: SC Freiburg vs. Hamburger SV

Am Mittwoch mischte sich Stürmer Damion Downs mit Mütze, Handschuhen und viel Tatendrang erstmals unter seine neuen Kollegen. Die Leihgabe des FC Southampton, der sich im Gegenzug den bisherigen HSV-Keeper Daniel Peretz sicherte, soll den Hanseaten noch mehr Durchschlagskraft verleihen. Auch auswärts. In der Fremde sind die "Rothosen" mit nur zwei Punkten der bisher schwächste Erstligist.

"Ich freue mich extrem, beim HSV sein zu dürfen und auf die gemeinsame Reise mit dem Klub", sagte der 21 Jahre alte Ex-Kölner Downs, der in der zweiten englischen Liga kaum auf sich aufmerksam machte und daher verfügbar war: "Ich hatte gute Gespräche mit den sportlichen Verantwortlichen, in denen ich ein gutes Gefühl für die Aufgabe entwickelt habe."

Bierhoff der Rangnick - wer beerbt Kuntz?

Die Verantwortlichen sind nun in erster Linie der verbliebene Vorstand Eric Huwer, der gemäß Jobbeschreibung die Finanzen im Blick hat, und Sportdirektor Claus Costa. Der 41-Jährige wird noch mehr Verantwortung tragen, bis über eine Nachfolgeregelung für Kuntz entschieden ist, der "aus persönlichen familiären Gründen" zum Jahreswechsel ausgeschieden war. Mit dem Europameister von 1996 wird beim HSV der Aufstieg nach vielen Jahren Zweitliga-Tristesse verbunden bleiben.

Kuntz schaffte es zudem, im Verbund mit seinem Leitungsteam eine arbeitsame Ruhe aus dem Volkspark auszustrahlen, die in der Vergangenheit alles andere als selbstverständlich war. Dort gilt es für den Klub anzusetzen.

Eine schnelle Entscheidung über die Nachfolge kündigt sich aber bisher nicht an. Die Namen von Ex-DFB-Manager Bierhoff und dem österreichischen Nationaltrainer Rangnick waren schon in der Vergangenheit immer wieder mal gehandelt worden.

Bierhoff spielte einst selbst Ende der 80er für den HSV und war in vergangenen Auswahlverfahren für einen Führungsposten an der Elbe genauso ein gehandelter Kandidat wie auch Rangnick. Eine Wunschlösung zeichnet sich nach dem Kuntz-Aus bislang aber noch nicht ab.