Uli Hoeneß lehnt sich richtig weit aus dem Fenster. "Ich würde sagen, deutscher Meister werden wir", meinte der Ehrenpräsident des FC Bayern, der mit neun Punkten Vorsprung einsam an der Bundesliga-Spitze thront. Aber das Triple? "Das ist zu optimistisch", wiegelte er ab. Denn auch Hoeneß weiß, dass es im Dreifach-Kampf um Schale, Pokal und Henkelpott vor allem auf eines ankommt: Die Gesundheit der Spieler - und die lässt sich nur bedingt beeinflussen.
"Das haben wir nicht im Griff"
Und so blicken die Bayern bang auf die anstehende Länderspielpause, die dem Endspurt bei der Titelhatz vorgeschaltet ist. "Ich will nichts heraufbeschwören", sagte Sportvorstand Max Eberl, "aber wir wissen, dass uns die letzte März-Länderspielpause gegen Inter Mailand das Genick gebrochen hat." Vor einem Jahr verletzten sich Abwehrchef Dayot Upamecano und Alphonso Davies im Einsatz für ihr Land, auch Manuel Neuer, Hiroki Ito, Aleksandar Pavlovic, Jamal Musiala und Kingsley Coman fielen aus.
Schon zwölf Monate davor, damals wie in dieser Saison gegen Real Madrid, gingen die Münchner am Stock. Coman und Raphael Guerreiro waren verletzt, Harry Kane hatte Rückenprobleme, Matthijs de Ligt, Upamecano, Musiala, Leroy Sané und Konrad Laimer plagten Blessuren.
Kein Wunder, dass neben Eberl auch Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen seine Sorge vor einem Déjà-vu äußerte. "Ich verstehe das Gefühl von Max und Jan", meinte Trainer Vincent Kompany vor dem Duell mit Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Vor der März-Pause "haben wir letztes Jahr High Five gemacht: alle sind fit - und auf einmal hatten wir vier Spieler weg", erinnerte er sich und ergänzte bang: "Das haben wir nicht im Griff."
Hoffnung auf Rücksicht der Nationaltrainer
Wie derzeit zu sehen ist. Kapitän Manuel Neuer ist noch nicht restlos wieder hergestellt und muss gegen Berlin wohl passen. Sicher fehlen werden Sven Ulreich, Jonathan Tah (Gelbsperre), Davies, das Sorgenkind Musiala, Luis Díaz und Nicolas Jackson (beide Rotsperre). Der angeschlagene Pavlovic, das immerhin, steht laut Kompany bereit.
Auch im April, wenn die lästigen Länderspiele absolviert sind? "Es gibt einen großen Unterschied", sagte Kompany: "Letztes Jahr waren es Pflichtspiele, jetzt sind es Freundschaftsspiele." Viele seiner Kollegen bei den Nationalteams hätten daher "schon entschieden, dass die Spieler wahrscheinlich keine zwei Spiele machen, das ändert viel. Deswegen hoffe ich, dass alles gut läuft."
Sollten alle Stars gesund zurückkommen und sich Neuer sowie der von Bundestrainer Julian Nagelsmann geschonte Musiala erholen, dann "haben wir ein richtig gutes Gefühl, in diese fantastischen Wochen zu gehen", meinte Kompany.
Vorher kommt noch: Union. "Was die machen", sagte Kompany respektvoll, "ist bemerkenswert. Man kennt ihre Stärke, wir wissen, wie unangenehm das sein kann."
Ein Sieg wäre hilfreich, um in der Liga für die "Crunchtime" in Pokal und Königsklasse Ruhe zu haben. Das hätte den positiven Nebenaspekt, im Alltag Kräfte für die Highlights schonen zu können. Dann kann sich vielleicht sogar Uli Hoeneß noch weiter aus dem Fenster lehnen.
Zum Match-Center: FC Bayern vs. Union Berlin
