Noch vor wenigen Jahren sah die Karriere des Offensivspielers alles andere als geradlinig aus. Als der damals 14-jährige El Mala in der Jugendakademie von Borussia Mönchengladbach aussortiert wurde, stand er kurz davor, seinen Traum vom Profifußball aufzugeben.
"Das war nicht leicht zu verkraften. Es ging alles von null auf hundert – und plötzlich war ich raus", erinnerte sich El Mala kürzlich im Gespräch mit Radio Köln. "Mit 14 fragt man sich: Was habe ich falsch gemacht?"
Enge Verbindung mit Bruder Malek
Die Enttäuschung saß tief, zeitweise dachte er sogar ans Karriereende. Doch Bruder Malek, der ebenfalls Teil der Gladbacher Akademie war, hielt ihn davon ab. Gemeinsam wagten sie einen Neuanfang beim Oberligisten TSV Meerbusch – ein Schritt, der sich als wegweisend erweisen sollte.
Dass Malek seinem Bruder in dieser Phase zur Seite stand, ist Ausdruck ihrer außergewöhnlich engen Verbindung. Seit 2017 spielen die beiden gemeinsam Fußball, lebten zwischenzeitlich sogar zusammen in Köln und liefen inzwischen für vier Vereine Seite an Seite auf. Aktuell stehen beide regelmäßig im Kader des 1. FC Köln. Laut Medienberichten soll Said sogar einen Vertragsabschluss davon abhängig machen, dass sein Bruder ebenfalls eingebunden wird.
Sportlich ist Saids Entwicklung beeindruckend: Mit sechs Treffern in 15 Bundesliga-Partien führt er bereits die interne Torschützenliste der Kölner an. Sein explosiver Antritt, gepaart mit einem zweiten Temposchub, stellt Verteidiger regelmäßig vor unlösbare Aufgaben.
Hype um El Mala erreicht DFB-Team
Auch prominente Beobachter sind aufmerksam geworden. Vincent Kompany zeigte sich nach dem DFB-Pokalspiel in Köln sichtlich angetan: "Dieser Junge hat einen enormen Antritt – und dann noch einen zweiten Geschwindigkeitsschub. Das überrascht viele Verteidiger, und er kann im vollen Lauf abschließen", erklärte der Belgier.

"Diese Fähigkeit, aus einer passiven Situation heraus blitzschnell umzuschalten, ist eine Qualität, die man über die gesamte Karriere nutzen kann."
Der Hype um den Linksaußen erreichte schließlich auch den Bundestrainer. Julian Nagelsmann nominierte El Mala erstmals für die WM-Qualifikationsspiele gegen Luxemburg und die Slowakei. Bereits zuvor hatte der Youngster international auf sich aufmerksam gemacht: Bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Sommer wurde er nicht nur ins Team des Turniers gewählt, sondern mit vier Treffern auch Torschützenkönig.
Durchbruch in der 3. Liga
Dabei liegt sein Durchbruch noch gar nicht lange zurück. Vor sieben Monaten spielte El Mala noch für Viktoria Köln in der 3. Liga. Der Weg dorthin war mühsam: Gemeinsam mit seinem Bruder kassierte er 13 Absagen, ehe Viktoria ihn 2023 zu einem Probetraining einlud. Von diesem Moment an blickte er nicht mehr zurück.

Nach starken Leistungen zum Saisonende 2023/24 folgte zunächst eine Leihe zurück zu Viktoria, bei der er mit 13 Toren und fünf Vorlagen endgültig explodierte. Die Auszeichnung als "Neuling der Saison" war die logische Konsequenz – ebenso wie der feste Platz im Kader des 1. FC Köln.
El Malas Spiel lebt von Tempowechseln: Er verlangsamt bewusst, um dann mit explosiver Beschleunigung an seinem Gegenspieler vorbeizuziehen. Seine enge Ballführung und schnellen Drehungen machen ihn sowohl im Sturmzentrum als auch auf dem Flügel extrem gefährlich.
Angesichts dieser Qualitäten erscheint selbst eine WM-Nominierung in naher Zukunft realistisch – auch wenn El Mala den Anruf des Bundestrainers zunächst verpasste. "Ich gehe selten ran, wenn ich die Nummer nicht kenne", erzählte er bei Sky. "Dann kam eine Nachricht: ‚Hallo, hier ist Julian Nagelsmann, bitte ruf mich zurück.‘ Da wusste ich sofort Bescheid."
Beim 1. FC Köln ist man sich bewusst, dass sich dieser Aufstieg kaum aufhalten lässt. Trainer Lukas Kwasniok sagte kürzlich offen: "Wir machen uns nichts vor – er wird hier wohl kaum die nächsten 15 Jahre spielen. Unsere Aufgabe ist es, ihn behutsam weiterzuentwickeln und ihn irgendwann für eine außergewöhnliche Summe abzugeben."
Aktuell rangieren die Kölner auf Platz elf der Bundesliga. Am 10. Januar steht zum Rückrundenauftakt das Auswärtsspiel in Heidenheim an – mit Said El Mala als einer der spannendsten Figuren der Liga.

