Königsklasse statt Kasperltheater: TSG Hoffenheim ruft Ende des Machtkampfs aus

Die TSG Hoffenheim will nun auch hinter den Kulissen endlich zur Ruhe kommen.
Die TSG Hoffenheim will nun auch hinter den Kulissen endlich zur Ruhe kommen.UWE ANSPACH / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Die guten Nachrichten wollten einfach keine Ende nehmen. Sogar der zuletzt erkrankte Coach Christian Ilzer ist wieder genesen und leitete am Dienstagvormittag das Training. Am Abend zuvor rief die TSG Hoffenheim ganz offiziell das Ende der monatelangen Querelen aus, die Mitglieder wählten bei einer erstaunlich harmonisch verlaufenden Versammlung einen neuen Klubchef - und der Geschäftsführer schürte die Hoffnungen auf die Königsklasse.

"Wir können Geschichte schreiben und etwas Großartiges erreichen", rief Andreas Schicker den 1218 anwesenden Angehörigen des "Dorfvereins" in der Sinsheimer Arena zu: "Wichtig ist, dass wir wieder Kontinuität und Stabilität reinbekommen. Es darf keine Lager mehr geben. Ich hoffe, dass ich mich zu 100 Prozent auf den Sport konzentrieren kann und freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand."

Jener neue Vorstand beim rund 12.000 Mitglieder zählenden Mutterverein des Tabellendritten der Fußball-Bundesliga wird angeführt von André Kreuzwieser. Der 45 Jahre alte Unternehmer (759 Stimmen) setzte sich klar gegen Florian Beil (126) und Uwe Heiss (122) durch. Beil gewann danach die Wahl zum 2. Vorsitzenden. Kreuzwieser wusste, was Schicker, der ebenfalls anwesende Dietmar Hopp und die Mitglieder nach dem zurückliegenden Machtkampf hören wollten: "Es wird darum gehen, dass in unserem Verein wieder Ruhe einkehrt."

Schicker will "Kasperltheater" abhaken

Damit war es zuletzt nicht weit her. Fast die komplette Führung der Profi-Abteilung musste gehen, ein Datenleck und juristische Auseinandersetzungen sorgten für Aufregung, die Neuwahl des Vorstands war nach dem Rücktritt von Klubchef Jörg Albrecht im November 2025 nötig geworden. Seit der Demission Albrechts im Zuge der internen Streitigkeiten hatte Christoph Henssler als 2. Vorsitzender den Klub interimsweise geleitet.

Ruhe kehrte aber auch in dieser Zeit nicht ein. Ganz im Gegenteil: Vor einem Monat zog Henssler in der Auseinandersetzung um die Abberufung Schickers den Kürzeren und trat zurück. "Das waren keine guten Tage für die TSG. Das war ein großes Kasperltheater, das man sich hätte ersparen können", sagte Schicker beim Blick zurück.

Ob die Chaostage wirklich vorbei sind, wird sich allerdings erst noch zeigen. Denn obwohl der Fast-Absteiger der vergangenen Saison völlig überraschend die bisher beste Spielzeit seiner Historie absolviert und es zum zweiten Mal in die Champions League schaffen kann, erscheint die Konstellation innerhalb der TSG weiter extrem störungsanfällig.

Zwar steht die Profi-Abteilung seit 2023 formal wieder unter der Führung des Muttervereins, weil Gesellschafter Hopp damals seine Stimmenmehrheit an den Verein zurück gab, damit die TSG in den Kreis der "normalen" 50+1-Klubs zurückkehren konnte - dennoch sind die Kraichgauer nach wie vor von Hopp abhängig.

Hopp-Streit schwelt weiter

Der 85-Jährige, dessen Nähe zum umstrittenen Spielerberater Roger Wittmann für einen großen Teil der Probleme verantwortlich gemacht wird, hält 96 Prozent der Kapitalanteile an der GmbH. Der eingetragene Verein als weiterer Gesellschafter nur vier Prozent. Hopp soll mittlerweile eine halbe Milliarde Euro in den Verein gesteckt haben, seine Zuschüsse werden laut Schicker auch in der Zukunft immer wieder gebraucht.

Das Konfliktpotenzial bleibt also hoch - mit den guten Nachrichten könnte es schon bald wieder vorbei sein.