HSV-Experte: Hamburg verpflichtet Grønbæk wegen seiner einzigartigen Einstellung

Albert Gronbaek im Einsatz für den HSV gegen Bayer Leverkusen
Albert Gronbaek im Einsatz für den HSV gegen Bayer LeverkusenČTK / imago sportfotodienst / Maik Hölter/TEAM2sportphoto

Albert Grønbæk überzeugt beim Hamburger SV nicht nur mit seiner positiven Mentalität, sondern auch als echter Allrounder. Genau deshalb hat der Bundesligist den dänischen Nationalspieler in dieser Woche fest von Stade Rennes verpflichtet – für eine Ablösesumme von etwas mehr als 4,5 Millionen Euro. Das berichtet HSV-Reporter Stefan Walther vom Hamburger Abendblatt im Interview mit Flashscore.

Dabei schien für Grønbæk vor 18 Monaten noch alles nach Plan zu laufen. Nach starken Auftritten in der Europa League mit Bodø/Glimt sicherte er sich einen vielversprechenden, 15 Millionen Euro schweren Transfer zu Stade Rennais in die französische Ligue 1. Fast zeitgleich gelang ihm der Sprung in die dänische Nationalmannschaft: Bei seinem Debüt gegen die Schweiz (2:0) im September 2024 wurde er direkt zum „Man of the Match“ gewählt, und nur wenig später ebnete er Dänemark mit einem sehenswerten Volleytor gegen Serbien den Weg zu einem wichtigen Heimsieg in der EM-Qualifikation.

Doch dann geriet die Karriere des 23-Jährigen ins Stocken. Im November übernahm Jorge Sampaoli das Traineramt in Rennes. Der Argentinier etablierte einen starreren, defensiveren Taktikstil, der Grønbäks Qualitäten im offensiven Mittelfeld völlig beschnitt. Es folgte die Streichung aus dem Kader und eine erfolglose Leihe zum englischen Premier-League-Klub Southampton, wo er kaum Spielzeit erhielt. Auch beim Genua CFC, wo er die Hinrunde der Saison 2025/26 verbrachte, hielt die Durststrecke an: Nach nur vier Kurzeinsätzen in der Serie A steckte er im Transfer-Limbo fest, bis sein Vertrag schließlich aufgelöst wurde.

Albert Gronbaeks Radar-Grafik
Albert Gronbaeks Radar-GrafikOpta by StatsPerform

Der Wechsel zum HSV sollte seine Karriere wiederbeleben, begann jedoch mit einem Rückschlag: Ende Januar stoppte ihn eine Oberschenkelverletzung im Training, was sein mit Spannung erwartetes Bundesliga-Debüt um Wochen verzögerte.

Seitdem hat Grønbæk jedoch die Kurve bekommen und sich einen festen Vierjahresvertrag beim HSV gesichert, der die vergangene Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg auf Platz 13 beendete. Vor allem seine außergewöhnliche Einstellung hat die Hamburger Verantwortlichen begeistert, wie HSV-Experte Stefan Walther erklärt: "Trainer Merlin Polzin fragte ihn im Frühjahr, ob er den verletzten Miro Muheim auf der linken Schienenspieler-Position ersetzen könne. Eigentlich hatte man mit einer Absage gerechnet. Grønbæk hatte diese Position noch nie gespielt und nur wenige Monate Zeit, sich für einen festen Vertrag zu empfehlen. Hätte er dort enttäuscht, wäre sein Marktpreis im Keller gewesen. Doch er sagte ohne Zögern zu."

Der perfekte "Zwölfte Mann" für die Bundesliga

Diese Entschlossenheit hinterließ Eindruck: "Im Verein war man überrascht von seinem enormen Ehrgeiz, und Polzin war von den Leistungen angetan. Grønbæk hat defensiv sehr aggressiv agiert und dem HSV bei Ballbesitz enorm im Umschaltspiel geholfen, indem er clever in die Halbräume aufrückte", so Walther gegenüber Flashscore.

Für Walther passen der Däne und der HSV sportlich ideal zusammen: "Grønbæk bietet dem HSV den enormen Luxus, quasi jede Position abdecken zu können, wenn es irgendwo brennt." Einen sicheren Startplatz garantiere ihm das zwar noch nicht, aber eine Schlüsselrolle: "Ich sehe ihn aktuell nicht zwingend in der ersten Elf, aber er ist der perfekte zwölfte Mann. Auf der linken Schiene hat er überzeugt, und im Zentrum harmonierte er hervorragend mit Sambi Lokonga und Fabio Vieira."

Spannend bleibt die Entwicklung nach der Weltmeisterschaft, da sich Grønbæks Rolle schnell vergrößern könnte. "Muheims Vertrag läuft in einem Jahr aus, und ob der HSV die Kaufoption für den von Arsenal ausgeliehenen Vieira ziehen kann, ist offen. Sollten diese Spieler den Verein verlassen, steht Grønbæk als Nachfolger ganz vorne bereit", schließt Walther ab.

Flutlicht-Atmosphäre schnuppert der Allrounder übrigens schon heute Abend: Grønbæk wird voraussichtlich für Dänemark auf dem Platz stehen, wenn die Nationalelf in Odense zu einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine antritt.