Historischer Moment in Berlin: Wer ist Unions Trainer-Debütantin Marie-Louise Eta?

Marie-Louise Eta wird nun auch bei den Union-Herren an der Seitenlinie der Alten Försterei stehen.
Marie-Louise Eta wird nun auch bei den Union-Herren an der Seitenlinie der Alten Försterei stehen.SOEREN STACHE / dpa Picture-Alliance via AFP

Es ist ein Beben in Berlin-Köpenick, dessen Nachwehen deutsche Fußball-Geschichte schreiben. Der 1. FC Union Berlin hat sich im drohenden Abstiegskampf von Trainer Steffen Baumgart getrennt – und das Ruder an eine Frau übergeben, die den Verein bestens kennt. Marie-Louise Eta rückt von der U19 auf und wird interimsweise die erste Cheftrainerin in der Geschichte der Männer-Bundesliga.

Was aus der sportlichen Not heraus geboren wurde, ist ein historischer Meilenstein, der den Fokus unweigerlich auf die 34-Jährige richtet: Wer ist die Frau, die Union nun retten soll?

Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. Nach einer "absolut enttäuschenden Rückrunde", wie es Geschäftsführer Horst Heldt formuliert, und nur zwei Siegen aus vierzehn Spielen seit der Winterpause, zogen die Verantwortlichen am späten Samstagabend die Reißleine. Steffen Baumgart sowie seine Co-Trainer Danilo de Souza und Kevin McKenna mussten gehen, da der Glaube an eine Trendwende in der bestehenden Konstellation fehlte.

Eta schnupperte bereits Bundesliga-Luft

Nun soll Eta in der bedrohlichen Lage am Tabellenende die dringend benötigten Siege einfahren. "Ich habe die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen", gibt sich Eta selbstbewusst und fokussiert für den anstehenden Saisonendspurt.

Für Eta ist die große Bühne der Bundesliga keineswegs Neuland. Bereits in der turbulenten Saison 2023/24, als Union nach der Ära Urs Fischer in einer tiefen Krise steckte, sprang sie als Co-Trainerin an der Seite von Marco Grote ein und vertrat später den gesperrten Nenad Bjelica.

Das immense mediale Echo, das schon damals ihre Premiere begleitete, nahm sie unaufgeregt hin. "Wir haben einfach versucht, alles andere drumherum auszublenden", erinnerte sie sich in einem Interview mit "rbb24" im vergangenen Herbst. Diese Resilienz und ihre tiefe Identifikation mit dem Verein, für den sie in Köpenick auch schon als Individualtrainerin der Frauen und zuletzt als Cheftrainerin der U19-Junioren arbeitete, machen sie für Union zur idealen internen Lösung.

Die Grundlage für ihre unerschütterliche Einstellung legte Eta bereits in ihrer eigenen, hochdekorierten Spielerkarriere. Unter ihrem Geburtsnamen Bagehorn feierte sie mit Turbine Potsdam drei Deutsche Meisterschaften und gewann die Champions League.

Snowboard und Padel als Ausgleich

Geprägt von der harten, aber herzlichen Schule der Potsdamer Trainerlegende Bernd Schröder, verinnerlichte sie Werte wie Fleiß und Widerstandsfähigkeit. Als Trainerin kombiniert sie diese Attribute mit der Maxime, stets die Freude am Spiel in den Mittelpunkt zu stellen. Mit Leistung und Qualität zu überzeugen, ist ihr Credo – denn dann, so ihre feste Überzeugung, spielt das Geschlecht im Profisport keine Rolle.

Auch fernab der Alten Försterei bestimmt der Fußball den Rhythmus ihres Lebens. Seit 2014 ist sie mit Benjamin Eta verheiratet, der ebenfalls eine erfolgreiche Trainerkarriere verfolgt. Der ehemalige Bremer "Trainer des Jahres" coachte unter anderem Tennis Borussia Berlin und übernahm 2025 die zweite Frauenmannschaft von RB Leipzig.

Marie-Louise und Benjamin Eta als Zuschauer bei einem Spiel von Union Berlin im Jahr 2025
Marie-Louise und Benjamin Eta als Zuschauer bei einem Spiel von Union Berlin im Jahr 2025ČTK / imago sportfotodienst / Sebastian Räppold/Matthias Koch

Wenn das Paar nicht gerade über Taktik und Trainingseinheiten fachsimpelt, findet es den sportlichen Ausgleich beim Snowboarden oder Padel. "Wenn man sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf machen kann, ist es doch das Beste, was es gibt", beschreibt Benjamin Eta das familiäre Erfolgsrezept.

Eintrag in die Geschichtsbücher

Das Engagement in der Männer-Bundesliga ist für Marie-Louise Eta ein unverhofftes, aber enorm prestigeträchtiges Zwischenkapitel auf einem ohnehin vorgezeichneten Weg. Eigentlich war der Plan für den kommenden Sommer bereits festgeschrieben: Eta sollte als Cheftrainerin die Frauenmannschaft der Eisernen übernehmen. Wie Horst Heldt bestätigte, bleibt es auch bei diesem Vorhaben.

Bis dahin jedoch ruht eine weitaus drängendere Last auf ihren Schultern. Wenn Eta es in den kommenden Wochen schafft, den Männern den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse zu sichern, wird sie im Sommer nicht nur mit enormem Rückenwind zu den Union-Frauen wechseln, sondern sich endgültig in den Geschichtsbüchern des deutschen Fußballs verewigen.