Finanzielle Drohkulisse steht: Politik macht bei Stadionsicherheit Druck

Die Fans rebellieren seit Langem gegen die Maßnahmen von Verbänden und Politik.
Die Fans rebellieren seit Langem gegen die Maßnahmen von Verbänden und Politik.REUTERS/Heiko Becker

Die finanzielle Drohkulisse steht, die Politik erhöht den Druck auf den Profifußball: Dass nun sogar konservative Spitzenpolitiker beim Aufregerthema Stadionsicherheit künftige Rechnungen für Hochrisikospiele nicht mehr ausschließen wollen, ist als letzter Wink mit dem Zaunpfahl für die Klubs, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu verstehen. Die Vereine wie die Verbände befinden sich inmitten des massiven Spannungsfelds zwischen Fangruppen und Landesregierungen.

Wie sehr die Politik drängt, wurde durch den Vorstoß der Innenminister von Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Herbert Reul und Armin Schuster (beide CDU), nun überdeutlich. Beide haben nicht ausgeschlossen, dass Klubs künftig für die Polizeikosten bei Hochrisikospielen aufkommen müssen. Auf die Vereine könnten so Kosten in Millionenhöhe zukommen. Schließlich hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) im Januar des vergangenen Jahres entschieden, dass die Länder den Klubs Gebühren in Rechnung stellen dürfen.

"Diesen Weg halte ich aus unterschiedlichen Gründen für falsch", sagte Schuster im Interview mit dem kicker zwar, "aber der Druck auf mich angesichts des Verhaltens spezieller Fans und des Nichteingreifens des Fußballs steigt und steigt." Im politischen Raum gebe es immer mehr Vertreter, die dafür plädierten, "das Problem auf die Weise zu lösen, dass endlich Rechnungen geschrieben werden", ergänzte Schuster. Tatsächlich hatten sich vor allem Politiker der Union in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen - dazu gehörte auch Reul.

Schuster zeigte sich in der Debatte um die Sicherheit in den Stadien nun aber verärgert über das Verhalten von Vereinen und Verbänden: Nach der Innenministerkonferenz im Dezember habe er das Gefühl gehabt, "dass unsere Hand dem Fußball gegenüber ausgestreckter nicht sein kann." Derzeit aber "fühlt es sich so an, als würde aktuell jeden Samstag und Sonntag in meine ausgestreckte Hand geschlagen."

Parteikollege Reul stimmte zu: "Wir haben versucht, endlich ein paar Verabredungen bundesweit zu schaffen. Die Kollegen haben mit DFL und DFB verhandelt, und von vielen Vorschlägen in der Konferenz blieb noch der eine zu den Stadionverboten übrig. Und der ist auch noch weichgespült. Da werde ich stinksauer. Und wenn die Verbände jetzt nicht in der Lage sind, zumindest das umzusetzen, sondern auf Zeit spielen, dann erhöht das nicht die Glaubwürdigkeit."

DFB und DFL planen Änderungen bei Stadionverboten

Bezüglich der Debatte um Stadionverbote sei sein Stand, "dass wir im Grunde wieder bei null stehen", bemängelte Reul. Im Dezember hatten die Minister unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Kommission für Verbote beschlossen. Die Verbände würden nun aber nicht mehr zum ausgehandelten Kompromiss stehen, "das wird wieder Auftrieb für diejenigen sein, die fordern, wir sollen den Vereinen Rechnungen schreiben", sagte Reul.

Der DFB und die DFL wollten sich auf SID-Anfrage nicht zu den Vorwürfen der beiden Innenminister äußern. Die DFL verwies auf die laufenden Gespräche in der sogenannten "BLoAG", der eingesetzten Bund-Länder-offenen-Arbeitsgruppe. Nach SID-Informationen arbeitet der DFB weiter an den Änderungen zum Thema Stadionverbot, bis Juli will der Verband damit durch sein.

Das deckt sich immerhin in etwa mit dem Zeitrahmen, den die Politik einhalten möchte. Mit Blick auf die nächste Innenministerkonferenz Mitte Juni erhofft sich Reul, dass bis dahin feststeht, "dass und wie es eine neue Stadionverbots-Ordnung gibt. Wenn die Verbände diesen schon sehr weichen Beschluss allerdings noch weiter aufweichen, dann mache ich das nicht mit."