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Diego Demme exklusiv: Vom RB-Aufstieg bis zum Scudetto mit Napoli

Diego Demme im Trikot der Napoli-Legenden
Diego Demme im Trikot der Napoli-LegendenČTK / imago sportfotodienst / Antonio Balasco

Er stieg mit RB Leipzig in die Bundesliga auf, gewann mit Napoli den Scudetto und beendete inzwischen seine Profikarriere. Im exklusiven Flashscore-Interview spricht Diego Demme über seine wichtigsten Stationen, die besondere Verbindung zu Neapel und sein Leben nach dem Fußball.

Als Diego Demme im November 1991 geboren wurde, hatte sein Vater Enzo bereits einen besonderen Namen für ihn im Sinn. Während seine deutsche Frau den Jungen Fabio nennen wollte, setzte sich Enzo durch. Der aus Kalabrien stammende italienische Einwanderer wollte seinen Sohn nach Diego Maradona benennen – jenem argentinischen Superstar, der Napoli 1986 und 1990 zu den ersten beiden Meistertiteln der Vereinsgeschichte geführt hatte.

Dass Maradona zu diesem Zeitpunkt wegen eines positiven Kokaintests eine 15-monatige Sperre absaß, spielte für Enzo keine Rolle. Seine Bewunderung für den Fußballhelden war ungebrochen. Sohn Diego erbte zwar die Leidenschaft für den Sport, nicht aber die Liebe zu Napoli. Stattdessen schlug sein Herz zunächst für den AC Mailand. Auf dem Platz orientierte er sich an Gennaro Gattuso, dessen kompromisslose und kämpferische Spielweise ihm gefiel.

Anfangszeit unter Roger Schmidt

Demmes Weg in den Profifußball führte über mehrere kleinere deutsche Vereine zu Arminia Bielefeld. Dort feierte er am 4. Dezember 2010 sein Profidebüt. Für die Arminen kam er in der 2. Bundesliga und der 3. Liga auf insgesamt 23 Einsätze, ehe er im Januar 2012 für 25.000 Euro zum SC Paderborn wechselte. Dort entwickelte er sich zu einem vielseitig einsetzbaren Mittelfeldspieler und absolvierte wettbewerbsübergreifend 61 Partien.

"Mein Trainer in Paderborn war Roger Schmidt. Er wollte immer mit dem Ball spielen. Markus Krösche und Enis Alushi waren sehr gut im Mittelfeld. Weil die beiden Außenverteidiger häufig verletzt waren, bekam ich die Möglichkeit, auf der rechten oder linken Seite zu spielen", erinnert sich Demme im exklusiven Flashscore-Interview.

"Ich war froh, nicht auf der Bank zu sitzen und der Mannschaft helfen zu können. Es ist immer gut, auf verschiedenen Positionen zu spielen, weil man dadurch mehr Erfahrung sammelt und flexibler wird. Wenn es nötig ist, kann der Trainer einen dann als rechten oder linken Verteidiger aufstellen. Meine eigentliche Position war aber das Mittelfeld. Dort fühlte ich mich immer zu Hause."

Ein Schritt zurück für den großen Wurf

Im Sommer 2014 stand Paderborn kurz vor dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. Demme entschied sich dennoch für einen Wechsel in die 3. Liga zu RB Leipzig. Ein Gespräch mit dem damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick überzeugte ihn von dem Projekt. Für eine Ablösesumme von rund 350.000 Euro schloss er sich den Sachsen an – und wurde rasch zu einem wichtigen Baustein ihres Aufstiegs.

Leipzig schaffte den Sprung in die 2. Bundesliga und belegte dort in der Saison 2014/15 den fünften Platz. Nachdem Demme die folgende Spielzeit zunächst auf der Bank begonnen hatte, erkämpfte er sich einen Stammplatz im Mittelfeld. Unter Rangnick gelang dem Team schließlich der direkte Aufstieg in die Bundesliga.

"Die ersten drei Jahre in Leipzig waren unglaublich – sowohl wegen der Aufstiege als auch wegen der Mannschaft. Jeder war ein junger Spieler zwischen 22 und 25 Jahren. Alle waren hungrig, und deshalb waren wir erfolgreich", sagt Demme.

Der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse war für ihn der Höhepunkt dieser Zeit. "Wir brauchten zwei Spielzeiten, um die Bundesliga zu erreichen. Nachdem wir in unserer ersten Saison in der 2. Bundesliga geblieben waren, lastete viel Druck auf uns. Deshalb war der Aufstieg in die Bundesliga die beste Erfahrung der drei Aufstiege – und die schönste Feier."

Der Aufstieg mit RB Leipzig

In der Saison 2016/17 debütierte Leipzig in der Bundesliga. Demme bereitete in seinen ersten beiden Einsätzen jeweils einen Treffer vor. Der erste Auftritt endete mit einer Niederlage im Elfmeterschießen des DFB-Pokals gegen Dynamo Dresden, bei der Dresdner Anhänger den abgetrennten Kopf eines Bullen auf das Spielfeld warfen. Im zweiten Spiel stand das Bundesliga-Debüt der Leipziger an.

Demmes Statistiken in der nationalen Liga
Demmes Statistiken in der nationalen LigaFlashscore

Die Mannschaft überraschte die Konkurrenz und setzte sich zeitweise an die Tabellenspitze. Demme war im Mittelfeld ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Mit seiner kompromisslosen Spielweise sicherte er offensiv ausgerichteten Mitspielern wie Naby Keita, Emil Forsberg und Marcel Sabitzer den Rücken ab. Gegen Hoffenheim, Werder Bremen und Freiburg verbuchte er Vorlagen. Erst am letzten Spieltag der Hinrunde wurde Leipzig von Bayern München mit 0:3 gestoppt. Die Münchner gingen mit drei Punkten Vorsprung in die Winterpause und holten später ihre fünfte Meisterschaft in Folge.

Demme debütiert für Deutschland

Demmes Einsatz und Zweikampfstärke brachten ihm 2017 auch sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft ein. Bei RB übernahm er zudem mehrfach die Kapitänsbinde. Eine Rolle, die er sich allerdings nicht unbedingt gewünscht hatte.

"Ich wollte nie unbedingt Kapitän sein, weil Kapitäne viel sprechen müssen. Meine Aufgabe bestand darin, die Drecksarbeit zu erledigen und dem Anführer zu folgen. Aber natürlich war es eine Ehre, die Binde zu tragen und eine so tolle Mannschaft mit Spielern wie Timo Werner und Emil Forsberg anzuführen", erklärt Demme.

Leipzig etablierte sich in den folgenden Jahren dauerhaft in der Bundesliga und mischte die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball auf. In Demmes vier Spielzeiten in der höchsten Liga landete der Klub auf den Plätzen zwei, sechs und zweimal drei. Dazu kamen mehrere Pokal-Endspiele. 2019 unterlagen die Sachsen Bayern München mit 0:3, ehe sie 2021 erneut im Finale standen und wieder gegen die Münchner verloren. 2022 und 2023 folgten schließlich die ersten beiden großen Titel der Vereinsgeschichte: Leipzig gewann den DFB-Pokal gegen Freiburg und Eintracht Frankfurt.

Schmerzliche Niederlage im Pokal

Die Niederlage im ersten Finale ist Demme dennoch in Erinnerung geblieben. "Wir waren stolz, das Finale 2019 erreicht zu haben, aber jede Niederlage ist bitter. Wenn man den Titel fast gewinnt und dann verliert, ist das immer schwer. Ohne Bayern hätten wir vielleicht die Liga und den Pokal gewonnen. Aber in Deutschland muss man die Besten schlagen: Bayern muss man schlagen."

Die Qualität des Rekordmeisters sei über Jahre hinweg außergewöhnlich gewesen. "Zwischen Bayern und den anderen Vereinen klafft eine riesige Lücke. Bayer Leverkusen hat sie vor zwei Jahren im Kampf um den Bundesligatitel besiegt, aber das ist sehr schwer."

Napoli: Ein Wechsel wie aus einem Buch

Während Leipzig im Winter 2019/20 auf die Rückrunde zusteuerte, erhielt Demme ein Angebot, das seine Karriere in eine völlig andere Richtung lenken sollte. Sein Berater informierte ihn über das Interesse von Napoli. Sportlich sprach zunächst vieles für einen Verbleib in Sachsen: Leipzig führte die Bundesliga mit zwei Punkten Vorsprung an und sollte später bis ins Halbfinale der Champions League vorstoßen. Napoli dagegen steckte in einer schwierigen Saison und lag in der Serie A nur auf Rang acht.

Ein Wechsel im Winter war für Demme ursprünglich kaum vorstellbar. Doch die emotionale Verbindung zu Neapel und die Chance, für den Verein seines Vaters zu spielen, überwogen. Hinzu kam, dass Napoli kurz zuvor Carlo Ancelotti entlassen und Demmes Kindheitsidol Gennaro Gattuso als Trainer verpflichtet hatte.

"Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es verrückt. Mein Vater gibt mir den Namen Diego, und ich gehe zu Napoli, nachdem mein Idol Gattuso mich verpflichtet hat. Wie kann das sein? Es ist fast wie aus einem Buch", sagt Demme.

Schon an seinem ersten Tag wurde ihm bewusst, welche Bedeutung Maradona für die Stadt hatte. "Ich sah, dass Maradona dort wie ein Gott verehrt wurde. Wann immer die Menschen Maradona im Fernsehen sahen, bekreuzigten sie sich. Ich dachte nur: Wow, das ist verrückt."

Grißer Triumph in Serie A

Demme fand sich schnell in der Mannschaft zurecht und wurde im Mittelfeld zum Stammspieler. Mit Napoli gewann er 2020 die Coppa Italia. Auf dem Weg zum Titel setzte sich der Klub unter anderem gegen Perugia, Lazio, Inter und Juventus durch. Es war der erste Titel seit sechs Jahren. Nur wenige Monate später starb Maradona nach einem Herzstillstand im Schlaf. Für Neapel, das bereits schwer von der COVID-19-Pandemie getroffen worden war, bedeutete sein Tod einen weiteren schmerzhaften Verlust.

Doch die Erinnerung an den argentinischen Superstar blieb eng mit dem Verein verbunden. 2023 gelang Napoli schließlich der große Triumph: Erstmals seit 33 Jahren wurde der Klub wieder italienischer Meister. Demme gehörte zwar nicht mehr zu den zentralen Akteuren auf dem Platz, blieb unter Trainer Luciano Spalletti aber Teil des Kaders.

Spalletti beeindruckte ihn vor allem durch seine taktischen Fähigkeiten und den Umgang mit Spielern, die nicht regelmäßig zum Einsatz kamen. "Spalletti war taktisch großartig, auch bei der Vorbereitung auf die Spiele. Im Jahr des Scudetto habe ich nicht so viel gespielt, aber er gab mir immer das Gefühl, Teil der Mannschaft zu sein."

Der Trainer habe auch für die Reservisten die richtigen Worte gefunden. "Alle sechs Spiele ließ er mich 30 Minuten spielen, und nach dem Training sagte er zu mir: Gutes Training heute. Manchmal brauchte er nur zwei oder drei Sätze mit den Spielern, die nicht gespielt hatten, damit sie sich gut fühlten. Das hat er sehr gut gemacht."

Auch die persönlichen Statistiken Demmes veränderten sich während seiner Zeit in Italien. In 214 Einsätzen für Leipzig hatte er zwei Tore erzielt und 17 weitere vorbereitet. Für Napoli kam er in 92 Spielen auf fünf Treffer und fünf Vorlagen. Eine Fußverletzung bremste ihn zu Beginn der Saison 2022/23 aus. Danach fand er nicht mehr vollständig zu seiner früheren Form zurück, war beim Titelgewinn aber weiterhin Teil der Mannschaft.

Rückkehr nach Deutschland und Abschied vom Profifußball

Auf die Meisterschaft folgte für Napoli eine enttäuschende Saison. Der Klub beendete die Spielzeit nur auf Rang zehn und wechselte nach Spallettis Abschied mehrfach den Trainer. Nach dem Auslaufen seines Vertrags kehrte Demme nach Deutschland zurück und schloss sich Hertha BSC an.

Für den Berliner Zweitligisten absolvierte er 39 Partien. Verletzungen erschwerten ihm jedoch den Neustart. Nach zwei verletzungsgeprägten Spielzeiten zog Demme schließlich einen Schlussstrich unter seine Profikarriere. Am 23. September gab er seinen Rücktritt bekannt.

Heute stehen seine Frau Alina und die beiden Töchter Gia und Ellie im Mittelpunkt. Gleichzeitig bleibt der Sport ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Demme besucht MMA-, Box- und Grappling-Kurse und plant, künftig in der Icon League zu spielen. Die Hallenfußball-Liga wurde von Weltmeister Toni Kroos und Streamer Elias Nerlich gegründet.

Restaurantkette in Berlin-Mitte – bald auch in Georgien?

Auch beruflich hat Demme neue Wege eingeschlagen. Gemeinsam mit anderen ist er an Capvin beteiligt, einer auf neapolitanische Pizza spezialisierten Restaurantkette in Berlin-Mitte. Die Idee entstand während seiner Zeit in Italien, als er den Pizzabäcker Vincenzo Capuano kennenlernte.

"Dank meiner Zeit bei Napoli lernte ich einen der besten Pizzabäcker der Welt kennen, Vincenzo Capuano. Er hat 40 bis 50 Pizzerien in Italien. Wir wurden Freunde, und ich war ein Fan dieser Art von Pizza. Ich wollte ihm helfen, sie in die ganze Welt zu bringen", erzählt Demme.

Er habe Capuano schließlich vorgeschlagen, das Konzept nach Deutschland zu bringen. "Ich sagte zu ihm: Lasst uns diese Pizza nach Deutschland bringen. Er antwortete: Ja, warum nicht?" Für Demme ist das Engagement mehr als eine reine Geldanlage. "Ich mag das Geschäft, weil es nicht wie eine Investition ist, bei der man ein Haus kauft und damit Geld verdient. Bei einer Pizzeria ist es anders. Man sieht auch die glücklichen Menschen. Man geht hinein, spürt die positive Energie und sieht, wie die Pizzabäcker arbeiten."

Es sei zwar eine riskantere Investition, doch gerade das mache den Reiz aus. "Ich wollte diese Investition aus vollem Herzen tätigen. Vielleicht eröffnen wir am Jahresende gemeinsam mit Khvicha Kvaratskhelia eine weitere Pizzeria in Georgien."

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