Den Entschluss, Leipzig nach achteinhalb Jahren schon Ende Januar vorzeitig zu verlassen, hat sich Kampl wohl überlegt. "Der plötzliche Verlust meines Bruders hat mir schmerzlich vor Augen geführt, wie wertvoll Zeit ist und wie wichtig es ist, sie mit den Menschen zu verbringen, die einem am nächsten stehen", schrieb der 35-Jährige in einer Abschiedsbotschaft.
Kampl zieht es mit seiner Frau Vanessa und den beiden Söhnen zurück nach Solingen im Rheinland. "Nach all den Jahren habe ich für mich gemerkt", so Kampl, "dass es an der Zeit ist, nach Hause zu gehen – auch, weil es meinem Vater gesundheitlich nicht gut geht und ich mehr gemeinsame Zeit mit ihm verbringen möchte. Zeit, die nicht zurückkommt."
Tod kurz nach Mallorca-Urlaub
Zeit, die sein Bruder Seki nicht mehr hatte, als er im Alter von gerade einmal 51 Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Zuvor war Kampl, wie er der Bild-Zeitung erzählte, in der Länderspielpause im Oktober noch gemeinsam mit ihm im Mallorca-Urlaub gewesen. Dort lagen sie sich "in den Armen und haben darüber geredet, was wir alles machen, wenn ich mal mit dem Fußball aufhöre".
Nun kam das Ende wohl schneller als gedacht. Sein Vertrag, der im Sommer ausgelaufen wäre, wird zum 31. Januar aufgelöst. Am 17. Januar bekommt Kampl beim Heimspiel gegen Bayern München seinen Abschied. Das könnte es dann mit der Profikarriere gewesen sein – oder doch nicht? "Dass ich irgendwann irgendwo noch einmal auf den Platz zurückkehre, möchte ich nicht final ausschließen, auch wenn es sich derzeit absolut unrealistisch anfühlt", so Kampl.
In neuer Funktion bei RB?
Und vielleicht kehrt der einstige Mittelfeldstratege ja irgendwann in anderer Funktion nach Leipzig zurück. Laut Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer stehe "die Tür bei RB Leipzig für Kevin immer offen." Immerhin ist Kampl, der 2017 von Bayer Leverkusen zu RB gewechselt war, eines der Gesichter der erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte, in der RB zweimal den DFB-Pokal (2022, 2023) gewann und 2020 das Halbfinale der Champions League erreichte.
Zuletzt hatte Kampl derweil nicht mehr zum Stammpersonal gehört. Vor dem Tod seines Bruders absolvierte er in der laufenden Bundesliga-Saison lediglich drei Kurzeinsätze. "Ich hätte mir sehr gewünscht, noch einmal in unserem Stadion vor euch, unseren Fans, aufzulaufen. So wie jetzt habe ich mir diesen Abschied eigentlich nicht vorgestellt", sagte Kampl. "Doch manchmal verlangt das Leben andere Prioritäten, und ich bin im Reinen mit dieser Entscheidung."
