Schlotterbeck ziert sich noch immer, seinen im Sommer 2027 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Mit gutem Grund: Der Abwehrchef will Titel gewinnen, und zwar nicht nur bei der WM im Sommer, sondern natürlich auch mit dem Verein. Er muss abwägen, ob diese Ziele mit Borussia Dortmund erreichbar sind oder ob er dem Lockruf eines anderen Klubs folgt: Zahlreiche europäische Spitzenteams haben Interesse an dem Innenverteidiger.
Kehl jedenfalls mühte sich im Trainingslager in Marbella, jegliche Zweifel an der Titeltauglichkeit des BVB zu zerstreuen.
Trotz der guten Ausgangslage mit dem zweiten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga strebe er nach mehr, "eine 100-prozentige Zufriedenheit wird es in dem Klub nie geben", sagte der 45-Jährige: "Das ist nicht schlimm, weil wir ein großer Klub sind, weil wir ambitioniert sind, weil wir natürlich auch Titel gewinnen wollen und Spieler auch verpflichten, um hierherzukommen, um Titel zu gewinnen. Deswegen werden wir immer mit den allerhöchsten Maßstäben gemessen."
Defensive als Dortmunder "Prunkstück"
Um diesen gerecht zu werden, braucht der BVB weiterhin seine defensive Stabilität, die Kehl als "Basis für alles" und als "Prunkstück" bezeichnete. Die Abwehr sei im europaweiten Vergleich "top", lobte der Sportdirektor.
In der Liga hat nur Tabellenführer Bayern München (11) weniger Tore kassiert als der BVB (12), und daran hat Schlotterbeck einen wesentlichen Anteil. Daher wolle sich der BVB mühen, seinen Führungsspieler "zu überzeugen, mit all der Power, die dieser Klub hat", sagte Kehl: "Mit der Wertschätzung, die der Junge spürt, mit den Zielen, die wir gemeinsam erreichen wollen." Das Ziel sei, "eine Perspektive aufzuzeigen, die für ihn auch Sinn macht".
Es sei jedoch "womöglich schwierig", sich "in jedem Gespräch neue Argumente auszudenken", schränkte Kehl ein: "Wir sitzen nicht jeden Tag zusammen. Die Themen müssen reifen, er hat sich über die Wintertage Gedanken gemacht, wir haben davor gesprochen und werden auch weiter sprechen."
Mit ungewissem Ausgang. Der BVB will mit Schlotterbeck als Eckpfeiler seine Mannschaft der Zukunft bauen – benötigt aber zumindest einen theoretischen Plan B, sofern der Fanliebling andere Pläne verfolgen sollte. Je länger Schlotterbeck zögert, desto länger ist Dortmund bei Personalfragen eingeschränkt. Gleichzeitig wären Druck oder gar eine Deadline nicht förderlich, weil Schlotterbeck genügend Alternativen besitzt.
Noch bis Donnerstag arbeitet Trainer Niko Kovac mit seinem Team in Marbella, am Freitag (20.30 Uhr/Sky und Sat.1) steht bei Eintracht Frankfurt das erste Bundesligaspiel 2026 an.
Der BVB hat "Potenzial im Offensivbereich" ausgemacht, will sich in Sachen "Kreativität im letzten Drittel verbessern, versuchen, mehr Torgefahr zu entwickeln und natürlich auch mehr Tore zu schießen", sagte Kehl: "Daran arbeiten wir." Je besser das klappt, desto leichter könnte Schlotterbeck seine Entscheidung pro BVB treffen.
