Es war ein Schlüsselmoment für eine fußballbegeisterte Nation, die vier Jahre später den Afrika-Cup gewinnen sollte – bislang der einzige kontinentale Titel in der Geschichte des Landes.
Der Regen peitschte auf das King’s Park Rugby Stadium nieder, als Doctor Khumalo zögernd zum Elfmeterpunkt schritt. Vor ihm lag der wohl wichtigste Strafstoß seiner Karriere. Nur wenige Zuschauer hatten dem schlechten Wetter getrotzt, doch jene, die gekommen waren, verfolgten den Moment mit angehaltenem Atem.
Der Name "Bafana Bafana" existierte damals noch nicht, und dennoch fühlte sich das Duell an wie eines zwischen Jungen und Männern. Südafrika wagte nach Jahren der Isolation vorsichtige Schritte zurück auf die internationale Fußballbühne – ausgerechnet gegen Kamerun, das zwei Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien ganz Afrika begeistert hatte.

"Ich habe viele Elfmeter geschossen, aber dieser war wirklich beängstigend", erinnerte sich Khumalo später. "Wegen des Gegners und wegen der Bedeutung dieses Augenblicks. Ehrlich gesagt wollte ich gar nicht antreten."
Doch der Routinier von Kaizer Chiefs behielt die Nerven. Er verwandelte sicher und schrieb Geschichte: als erster Torschütze einer multirassischen südafrikanischen Nationalmannschaft in einem offiziellen Länderspiel.
"Niemand wollte schießen"
Der Elfmeterpfiff des botswanischen Schiedsrichters Jelas Masole war nicht unumstritten – vielleicht auch dem besonderen Anlass geschuldet. Zehn Minuten vor dem Ende stand es noch 0:0.
"Als der Schiedsrichter auf den Punkt zeigte, lag der Ball da, und niemand wollte schießen", erzählte Khumalo. "Wir alle haben gezögert. Dann kam Kapitän Neil Tovey zu mir und sagte: ‚Komm schon, ich weiß, dass du das kannst.‘"

Dieses Vertrauen ließ ihm keine Wahl. "Ich hatte große Angst, als ich den Ball hinlegte, aber die Fans feuerten mich an. Ich glaube, sie haben an mich geglaubt."
Erst Tage später wurde ihm die Tragweite bewusst. "Jemand fragte mich: ‚Wie fühlt es sich an, Geschichte geschrieben zu haben?‘ Da erst habe ich verstanden, was dieses Tor bedeutete."
Mit diesem Treffer gewann Südafrika das erste von drei Spielen gegen die "Unzähmbaren Löwen". Die Serie endete ausgeglichen – mit je einem Sieg für beide Teams und einem Remis. Dass der damalige CAF-Präsident Issa Hayatou aus Kamerun stammte, könnte bei der Wahl des ersten Gegners eine Rolle gespielt haben.
Südafrikas erstes Länderspiel
Kamerun war zu jener Zeit das Maß aller Dinge im afrikanischen Fußball – mit Stars wie Roger Milla, Kapitän Stephen Tataw, François Omam-Biyik und Torhüter Thomas N’Kono.
"Wir spielten gegen unsere Idole, die wir nur aus dem Fernsehen kannten", sagte Lucas Radebe später. "Als ich sie auf dem Platz sah, wirkten sie wie echte Weltstars. Rückblickend war dieses Spiel eines der größten Highlights meiner gesamten Karriere."

Für viele Spieler war es das erste Länderspiel überhaupt – elf Debütanten auf einmal. "Diese Unerfahrenheit hat uns später eingeholt", so Radebe. "Aber an diesem Abend lebten wir von Adrenalin und dem unbedingten Willen, etwas zu erreichen."
Trainer der Mannschaft war Stanley "Screamer" Tshabalala, der das Amt kurzfristig übernommen hatte. Ursprünglich war er nicht vorgesehen, sprang aber ein, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der englische Coach Jeff Butler seinen Lebenslauf geschönt hatte.
"Screamer hatte einen großartigen Humor"
Tshabalala, der nur wenige Monate später entlassen wurde, betonte stets die Bedeutung dieses Sieges. "Nach dem Spiel fühlte ich mich wie ein Millionär", sagte er einmal. "Wir hatten eine starke Mannschaft geschlagen, und ich war einfach stolz. Damals gab es kaum schwarze Trainer – ich wollte zeigen, dass auch sie auf höchstem Niveau bestehen können."
Der frühere Kapitän Steve Komphela erinnert sich an schwierige Anfangsjahre, insbesondere abseits des Platzes. Umso wichtiger sei Tshabalalas Rolle als Integrationsfigur gewesen.
"Screamer hatte einen großartigen Humor und wusste, wie man Spannung löst", sagte Khumalo. "Damals sah ein schwarzer Spieler noch einen 'weißen Spieler‘, ein Farbiger einen ‚schwarzen Spieler‘. Heute sind es einfach Mitspieler – aber damals war die Gefahr einer Spaltung real."
Auch innerhalb der Mannschaft gab es unausgesprochene Grenzen: Spieler aus den großen Klubs Johannesburgs dominierten, die farbigen Spieler aus Kapstadt hielten zusammen, und die weißen Spieler suchten ihren Platz.

Für Komphela bleibt die Nacht von Durban unvergessen. "Als Shosholoza gesungen wurde und der Regen einsetzte, blickte ich in die Flutlichter. Ich nenne das gern die Freudentränen Gottes – für das, was wir erreicht hatten."
Neil Tovey glaubt, dass dieses Spiel noch etwas anderes bewirkte: Es öffnete Türen. "Plötzlich glaubten wir, dass Karrieren außerhalb Südafrikas möglich sind", sagte er. "Kurz darauf wechselten Lucas Radebe und Phil Masinga nach Leeds."
Der spätere Afrika-Cup-Sieger von 1996 räumt ein, dass damals vieles unbekannt war. "Wir wussten nicht, was uns erwartet. Aber es war ein unglaubliches Privileg, Kapitän der ersten multirassischen südafrikanischen Nationalmannschaft zu sein."
"Dieser Moment – den kann mir niemand mehr nehmen."
Zum Match-Center: Südafrika vs. Kamerun
