Frankfurt/Main (SID) Die offiziellen Ergebnisse des Milliardenpokers kommen zwar erst am Donnerstag auf den Tisch, doch schon vor dem Treffen der Bosse im noblen Frankfurter Flughafenhotel ist der Kampf um die Kohle voll entbrannt. Nach der am Mittwoch zu Ende gegangenen Versteigerung der deutschsprachigen Medienrechte an der Bundesliga und der 2. Liga will fast jede Fraktion innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) ein größeres Stück vom Kuchen abhaben als zuletzt.
Der Kuchen selbst bleibt wohl ähnlich groß wie beim vorherigen Abschluss. In den Spielzeiten von 2025/26 bis 2028/29 soll wieder über eine Milliarde Euro pro Saison (derzeit 1,1 Milliarden) an die 36 Profivereine ausgeschüttet werden. Dafür haben Sky, DAZN, ARD, ZDF und RTL mit ihren Geboten offenbar gesorgt.
Doch das Gefecht der Interessenten war nur der Anfang. Das neunköpfige DFL-Präsidium um Sprecher Hans-Joachim Watzke entscheidet am Ende über den Verteilerschlüssel hinsichtlich der wichtigsten Einnahmequelle der Klubs, bis zur Lizenzierung im März des kommenden Jahres muss Planungssicherheit herrschen. Der Versuch der Einflussnahme läuft auf Hochtouren. Zahlreiche Klubchefs haben sich mit Einlassungen in Stellung gebracht, die Fronten scheinen verhärtet.
In die Rolle des "Robin Hood" im Kampf für die "Armen" schlüpfte Oke Göttlich. "Die Schere in der Bundesliga geht immer weiter auf, der Wettbewerb wird immer verzerrter und oft auch uninteressanter", sagte der Präsident des FC St. Pauli, der auch im DFL-Präsidium sitzt, und forderte: "Wir sollten uns bei der Spreizung der TV-Einnahmen auf einen niedrigeren Faktor einigen."
Vorschläge zur Verteilung gibt es mehr als genug: Mehr Geld für die großen Klubs mit entsprechender Reichweite oder höhere Summen für diejenigen, die aus den eingesetzten Mitteln das Beste machen oder ein noch stärker ausgeprägtes Leistungsprinzip - so lauten unter anderem die Forderungen.
Pareto in der Geldverteilung
All die Vorstöße können mit Blick auf einen ausgeglicheneren Wettbewerb allerdings kaum etwas erreichen. Schließlich sind es vor allem die im Europacup ausgeschütteten Gelder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und zukünftig zusätzlich die Prämien des Weltverbands FIFA rund um die Klub-WM, die Arm und Reich stark voneinander trennen.
Derzeit werden die deutschen Mediengelder im Verhältnis 80:20 zwischen der Bundesliga und der 2. Liga aufgeteilt. Danach geht die Hälfte des Geldes als Sockelbetrag zu einem gleichen Teil an jeden Klub. 43 Prozent werden über die Leistung verteilt, vier Prozent macht die Säule "Nachwuchs" aus, drei Prozent die Sparte "Interesse".
Eine besondere Rolle bei der Verteilung spielt Bayern München. Nach dem Willen des Branchenführers soll Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen im DFL-Präsidium durch Finanzvorstand Michael Diederich ersetzt werden. Vor der nötigen Wahl durch die 18 Bundesligisten sehen das einige Klubs mit Argwohn, da sie Diederich im Gegensatz zum moderaten Dreesen als Hardliner bei der Durchsetzung der Bayern-Interessen sehen.
Ihre Interessen durchsetzen möchten allerdings alle, die sich am Donnerstag begegnen.
