Klein aber fein: Dorfverein Elversberg will mit Aufstieg Geschichte schreiben

Elversberg will das Saarland nach 33 Jahren zurück in die Erstklassigkeit bringen
Elversberg will das Saarland nach 33 Jahren zurück in die Erstklassigkeit bringenČTK / imago sportfotodienst / Fabian Kleer

Die SV Elversberg könnte zum kleinsten Bundesliga-Standort der Geschichte werden - und das Saarland nach 33 Jahren zurück in die Erstklassigkeit bringen.

Einen Balkon für die mögliche Aufstiegsfeier hat das Rathaus in Spiesen-Elversberg nicht. Doch in der 12.800-Seelen-Gemeinde sind die Verantwortlichen flexibel, wie schon beim Durchmarsch von der Regionalliga in die Zweitklassigkeit dürfte auf dem kleinen Vorplatz wieder in Windeseile ein "Party"-Gerüst für die Fußball-Helden aufgebaut werden. Mit dem Gipfelsturm in die Bundesliga könnte die SV Elversberg den vorläufigen Höhepunkt ihrer märchenhaften Reise erreichen - und zugleich Geschichte schreiben.

"Haben jetzt ein Endspiel"

Die zum Landkreis Neunkirchen zählende Kommune würde nämlich zum kleinsten Standort in der Historie der deutschen Eliteliga aufsteigen und die Gemeinde Unterhaching mit ihren 22.000 Einwohnern ablösen. Hierfür müssen sich die Saarländer in einem packenden Dreikampf gegen die punktgleichen Verfolger Hannover 96 und SC Paderborn durchsetzen. Angesichts der um sechs Tore besseren Differenz gegenüber Hannover und der gar um zehn Treffer besseren als Paderborn dürfte ein eigener Sieg reichen.

Mit den bereits abgestiegenen Preußen aus Münster kommt zudem am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) ein vermeintlich dankbarer Gegner zum Saisonfinale an die Kaiserlinde. "Wir sollten uns freuen. Jetzt kommt der 34. Spieltag, und wir sind nicht unverdient Zweiter", sagte Trainer Vincent Wagner: "Wir haben jetzt ein Endspiel - und den Luxus, dass wir zu Hause spielen." Er sei trotz des Rückschlags in der Vorwoche "immer noch sehr optimistisch, dass wir das schaffen können".

Die 1:3-Niederlage beim Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf war allerdings ein Warnschuss. "Es war mit Abstand das schlechteste Spiel diese Saison", monierte Kapitän Lukas Pinckert: "Wir müssen uns ankreiden, dass wir nicht so verkrampft auf den Platz gehen dürfen, mir hat einfach dieses freie Aufspielen gefehlt, dieses Elversberg, das uns ausmacht." Nun sei der "maximale Druck da", ergänzte Amara Condé: "Wir haben keine Wahl mehr, wir müssen zu Hause gewinnen."

Tabelle 2. Bundesliga
Tabelle 2. BundesligaFlashscore

"Jetzt ziehen wir das Ding zu Hause"

Nach 33 Jahren könnte das Saarland wieder in der Bundesliga vertreten sein, zuletzt spielte der 1. FC Saarbrücken in der Saison 1992/93 erstklassig. Für den Dorfverein aus Elversberg, der Jahr um Jahr seine besten Spieler und mittlerweile auch Erfolgs-Trainer und -Manager verliert, wäre dies ein kleines Wunder. Immer wieder finden die vom Arzneimittelkonzern Ursapharm von Frank Holzer hauptgesponsorten Saarländer neue Mittel und Wege, um sich im Profifußball zu behaupten.

Und mehr als das - sogar ihre Ligen mitzuprägen. Es winkt der dritte Aufstieg in fünf Jahren. Die SVE, die im Vorjahr in der Relegation um den Aufstieg gescheitert war, stand in der 2. Bundesliga an 24 von 33 Spieltagen auf einem der ersten drei Plätze und gar 13 Mal auf einem direkten Aufstiegsplatz. "Wir haben 33 Spieltage gezeigt, was wir für einen Fußball spielen können", sagte Tom Zimmerschied und schob eine Kampfansage hinterher: "Jetzt ziehen wir das Ding zu Hause."

Damit auf dem Gerüst vor dem Rathaus wieder ordentlich gefeiert werden kann.

Zum Match-Center: SV Elversberg vs. Preußen Münster