Filmdrama mit Tischtennis-Ass – Timo Boll im Paralleluniversum Hollywood

Timo Boll durfte Hollywood-Luft schnuppern
Timo Boll durfte Hollywood-Luft schnuppernSOEREN STACHE / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Ab Donnerstag ist Timo Boll auf den Leinwänden deutscher Kinos zu sehen. Im Filmdrama Marty Supreme spielt der frühere Tischtennis-Profi an der Seite von Hollywood-Star Timothée Chalamet.

Timo trifft Timothée

Es wirkt wie eine Szene aus einem Paralleluniversum: Ein riesiges Filmstudio wird in eine Sporthalle der 1950er-Jahre verwandelt, unzählige Statisten starren gebannt ins gedämmte Scheinwerferlicht, an einer vintagegrünen Tischtennisplatte lässt Hollywood-Star Timothée Chalamet einen Zelluloidball klackern. Ihm gegenüber: Timo Boll.

Die Tischtennis-Legende spielt eine Nebenrolle im Hollywood-Filmdrama Marty Supreme. Unterlegt mit dramatischer Filmmusik und Blockbustersounds flimmert Boll ab Donnerstag als Vladimir Sebek, einem tschechischen Kontrahenten des Titelhelden Marty Reisman, über die deutschen Leinwände. Doch wie kam es zur ungewöhnlichen Besetzung?

Regisseur "ein großer Tischtennisfan"

Seinen Ausflug ins Filmgeschäft verdankt der 44-Jährige dem US-Regisseur Josh Safdie. Der Filmemacher sei "ein großer Tischtennisfan. Er wollte im Film Spieler haben, die ein bisschen spielen können, und weil er ein großer Fan von mir ist und privat den gleichen Schläger spielt wie ich, hat er mir eine kleine Rolle gegeben", beschrieb Boll der Süddeutschen Zeitung die Hintergründe seines ungewöhnlichen Nebenjobs. Safdie erklärte wiederum, er wollte "das großartigste Team zusammenstellen".

Für die Dreharbeiten reiste Boll 2024 für 14 Tage nach New York. Da war er noch Profi, seine Karriere beendete er erst ein Jahr später. "Es gab einen Tischtennis-Choreographen, und ich musste dann mit Timothée vorab trainieren, damit wir ein Gefühl bekommen", erzählte der Rekord-Europameister.

Muskelkater nach den Dreharbeiten

Eine Woche habe er geübt, um sich den 50er-Jahren anzupassen. Eine aufrechte Spielweise, weite Schwungbewegungen und Hartbrettschläger mit dünnem Sandpapier statt Gummischicht waren der Standard.

"Das hat viel Spaß gemacht", sagte Boll: "Wir haben unheimlich viel Recherche betrieben, jeder Ballwechsel war gescriptet." Auch Bolls legendärer Handswitch hat es in den Film geschafft. "Wir haben fünf Ballwechsel gedreht, einer ist im Film gelandet – und ich habe am nächsten Tag einen wahnsinnigen Muskelkater gehabt", sagte Boll der Zeit.

Favorit bei Oscar-Verleihung

Die Schmerzen haben sich offenbar gelohnt. Mitte März winken gleich mehrere Oscars. In neun Kategorien ist das Drama für den wichtigsten Filmpreis der Welt nominiert.