Doch schon am Mittwochabend war die Frage kursiert, ob Wenger vielleicht genau der Kandidat ist, den die Europäische Fußball-Union (UEFA) braucht, um Infantino zu stürzen. Seit Tagen fällt sein Name jedenfalls in britischen Medien immer wieder. Die BBC fragte: "Könnte es Wenger mit Infantino aufnehmen?"
"Keine Namen, ich werde nichts kommentieren", sagte DFB-Chef Bernd Neuendorf auf eine entsprechende Frage, nachdem er Infantino am Donnerstag mit seinen UEFA-Verbündeten bei der Sitzung des Councils in die Mangel genommen hatte. Nur so viel: "Bisher", betonte er mit Blick auf eine Alternative zum viel kritisierten Infantino, halte man daran fest, "natürlich, das ist das Ziel, dass wir an der Spitze der FIFA eine andere Person sehen möchten".
Europäische Opposition sucht eine Alternative
Noch hat sich niemand aus der Deckung gewagt, und die Frist zur Nominierung läuft am 18. November ab. Wenger, langjähriger Coach des FC Arsenal, der seit 2019 als FIFA-Direktor eigentlich eng mit Infantino zusammenarbeitet, soll die Wunschlösung einiger Fußballbosse aus Europa sein. Die Times etwa berichtete, dass der 76-Jährige als potenzieller Kandidat der Europäer umworben werde.
Man sehe den Franzosen "nicht nur als Europäer", sagte ein hochrangiger Vertreter aus Europa der BBC: "Viele sagen, er wäre der ideale Kandidat. Bei ihm geht es nicht um Geld, Status oder Ego. Er liebt den Fußball einfach." Der Guardian schrieb jedoch, dass Vorschläge wie Wenger oder Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball, zurückgewiesen worden seien.
Wenger hatte sich von Infantinos gescheiterter Investorenidee distanziert, er sah sich gar zu einer öffentlichen "Klarstellung" genötigt. "Ich war an diesem Plan nicht beteiligt und habe erst aus der Presse von diesem Vorhaben erfahren", sagte er. "Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten." Völlig offen ist allerdings, ob der FIFA-Direktor seine Position für einen Wahlkampf gegen seinen Chef aufs Spiel setzen würde.
Infantino geht als Favorit in den Wahlkampf
Infantino sitzt schließlich wieder sicherer im Sattel, vieles deutet daraufhin, dass der Schweizer nach der Wahl im März in Rabat/Marokko in seine vierte Amtszeit als FIFA-Boss gehen wird. Afrika und Südamerika stehen aktuell hinter ihm, und es erscheint sicher, dass die Opposition aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika nicht alle ihre Mitglieder hinter sich versammeln kann.
"Wir brauchen eine integre Persönlichkeit, von der wir annehmen dürfen, dass sie dem Verband eine Reputation zurückgibt, die er definitiv verloren hat", sagte Neuendorf, der Infantino mit seinen Mitstreitern trotz weiter vieler offener Fragen immerhin einige Zugeständnisse abgerungen hat: "Wenn sich so eine Person findet, dann wird die Debatte, denke ich, auch nochmal einen ganz anderen Drive kriegen. Wir gehen auch davon aus, dass das passiert."
An eine "neue" FIFA glaubt Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare indes aber auch unter einem möglichen Präsidenten Wenger nicht. "Jeder Kandidat, den die UEFA dazu bewegen kann, gegen Infantino anzutreten, wird dort sein, um einen zutiefst dysfunktionalen und korrupten Status quo zu verteidigen – nicht, um ihn zu reformieren", schrieb er in den Sozialen Medien. Dies gelte auch für Wenger, "der seit 2019 Teil dieses Systems ist".
