Im Spätherbst seiner Karriere hat es Müller ins Aufgebot von Harold Kreis geschafft, die Zusage des Bundestrainers sei "besonders" gewesen, berichtet der Kapitän von DEL-Spitzenreiter Kölner Haie: "Schon als kleines Kind waren die Spiele für mich das Größte, woran man als Sportler teilnehmen kann – das ist für mich nach wie vor so."
Doch es ist nicht nur die Magie der Ringe oder die mit Spannung erwartete Olympia-Rückkehr der NHL-Stars nach zwölf Jahren - "dass meine Familie vor Ort mit dabei sein und mich spielen sehen kann, bedeutet mir sehr viel", sagt Müller, der älteste Teilnehmer im Team D.
NHL-Profis stoßen erst später dazu
Auf die Reise nach Mailand begibt sich Müller mit ordentlich Rückenwind. Mit den Haien befindet sich der Oldie in Topform, die Rekordserie von 16 Siegen am Stück riss erst im letzten Spiel vor der Olympia-Pause.
Bevor Müller mit seinen Teamkollegen aber das Olympische Dorf bezieht, steht ein Zwischenstopp in Bozen an. In Südtirol kommt die Nationalmannschaft am Samstag zum Trainingslager zusammen, am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr/MagentaSport) wird gegen Gastgeber Italien final getestet. Dann noch ohne die NHL-Profis um Müllers Kumpel Leon Draisaitl, der Vorbereitungskader wird daher mit DEL-Spielern aufgefüllt.
Die Stars aus der besten Liga der Welt werden wohl erst am Tag nach der Eröffnungsfeier am Freitag gesammelt anreisen, bis zum deutschen Auftakt gegen Dänemark sind es dann nur noch fünf Tage. Müller will die Mannschaft als Führungsspieler in der Kürze der Zeit "vereinen. Es wird darauf ankommen, schnell zusammenzufinden, das System zu verinnerlichen", sagt Müller: "Dann ist für uns wieder alles möglich."
Wie 2018? Damals stürmte Deutschland unter Bundestrainer Marco Sturm bis ins Finale, zur Goldmedaille fehlte letztlich nur eine Minute. Die Vorzeichen sind in diesem Jahr andere, mit der Teilnahme der NHL-Profis wie Draisaitl, Moritz Seider oder Tim Stützle schießt das Niveau in die Höhe. "Die deutsche Mannschaft hatte vermutlich noch nie so viel Qualität", sagt Müller: "Das gilt allerdings auch für andere Nationen."
Letztes Hurra für Müller?
Neben den neun Spielern aus Nordamerika wird es unter anderem auch auf die Erfahrung eines Moritz Müller ankommen. "Ihn kannst du nicht aus der Ruhe bringen", sagte Bundestrainer Kreis, der vor allem Müllers "starke Persönlichkeit" schätzt, dem SID vor der Abreise ins Trainingscamp. Ob Müller wie gewohnt das "C" auf der Brust tragen wird, ließ Kreis offen.
Für den Anführer könnte es der letzte große Höhepunkt in der Nationalmannschaft sein. Schon im vergangenen Sommer wog Müller genau ab, ob er weitermachen soll oder nicht. Der Gedanke an Olympia trieb ihn an. Und danach?
