Berühmter Penalty: Draisaitl ärgert seinen Vater – Erstes Olympia für NHL-Star

Leon Draisaitl nimmt an seinen ersten Olympischen Winterspielen für Deutschland teil.
Leon Draisaitl nimmt an seinen ersten Olympischen Winterspielen für Deutschland teil.Kamil Krzaczynski-Imagn Images/REUTERS

Vor 34 Jahren vergibt Peter Draisaitl den wohl berühmtesten Penalty der deutschen Eishockey-Geschichte, nun gehört seinem Sohn Leon die große Bühne. Der Kölner ist nicht nur deutscher Fahnenträger, sondern auch ein Weltstar, wie ihn Deutschland in diesem Sport noch nie gesehen hat.

Pünktlich zu Olympia kommen die dramatischen Bilder von damals wieder hoch. "Immer, wenn Winterspiele anstehen...", sagt Peter Draisaitl. Der spektakuläre Fehlschuss schwirrt 34 Jahre danach noch in seinem Kopf herum, auch sein Sohn lässt ihn damit nicht in Ruhe. "Ich hab' es natürlich tausend Mal gesehen", erzählt Leon Draisaitl und lacht: "Ich habe ihn auch schon ein paar Mal deswegen aufgezogen."

Was war passiert? 18. Februar 1992, Palace des Glaces in Méribel, Olympia-Viertelfinale gegen Kanada zur Primetime im deutschen Fernsehen, zehn Millionen Menschen fiebern vor den Bildschirmen mit, sogar die "heilige" Tagesschau wurde verschoben. Die Mannschaft um Dieter Hegen, Gerd Truntschka und Udo Kießling hat den haushohen Favoriten am Rande der Niederlage, nach zwischenzeitlicher Führung rettet sich das deutsche Team in die Verlängerung und schließlich ins Penaltyschießen.

Kurioser Penalty für die Geschichtsbücher

"Wir sind nicht irgendwie durch Zufall da reingestolpert", sagt Peter Draisaitl im SID-Interview, "wir hätten das Spiel tatsächlich gewinnen können." Es folgt sein großer Auftritt. Seinen ersten Versuch setzt der Stürmer an den Außenpfosten, sein zweiter sollte in die Geschichte eingehen.

Die Kanadier liegen in Führung, Draisaitl muss treffen. "Ich habe es so einfach wie möglich halten wollen, kerzengerade runter und dann - in Anführungszeichen - auf Nummer sicher gehen", erinnert er sich. Draisaitl schießt Kanadas Torhüter Sean Burke den Puck durch die Beine, der kullert weiter, fällt um - und bleibt genau auf der Linie liegen.

Sein Vater habe "alles richtig gemacht", sagt Leon Draisaitl im SID-Gespräch, "außer das Wichtigste: nicht genug Schmackes dahinter, er muss in den Kraftraum." Es ärgere ihn "bis heute", gibt der inzwischen 60-jährige Draisaitl senior zu. Vor jeden Winterspielen kommt das leidige Thema wieder hoch, doch er grämt sich nicht: "Ach Quatsch, ich bin ein großer Junge." Er freue sich sogar, "dass es ein Teil der olympischen Geschichte ist."

Ein solch großes Publikum wie damals schaute nie wieder bei einem deutschen Eishockey-Spiel zu. Auch 2018 nicht, als zur Mittagszeit fünf Millionen Menschen Deutschlands Einzug ins Endspiel von Pyeongchang verfolgten, beim noch dramatischeren Finale in den frühen Morgenstunden schalteten immerhin drei Millionen ein.

Draisaitl als deutscher Star bei Olympia 2026

Acht Jahre später könnte die Rekordquote fallen, die deutsche Nationalmannschaft ist so gut aufgestellt wie nie. "Das deutsche Eishockey hat es verdient, dass das ganze Land es unterstützt und sich die Spiele anschaut", sagt Leon Draisaitl.

Der Stürmer der Edmonton Oilers ist das deutsche Aushängeschild. In der NHL war der Kölner bereits bester Torjäger, bester Scorer und wertvollster Spieler, zuletzt übertraf er die 1000 Scorerpunkte - natürlich als erster Deutscher überhaupt. Den Gewinn des Stanley Cups verpasste Draisaitl zuletzt zweimal nacheinander im Finale nur knapp. Viele Experten halten ihn für einen der besten Spieler der Welt.

Mit der Olympia-Rückkehr der NHL-Stars nach zwölf Jahren betritt auch Draisaitl die große Bühne, es sind seine ersten Winterspiele. "Ich fahre nicht zu Olympia, um an mich selbst zu denken, wie ich meinen Namen oder meinen Status verbessern kann", erklärt er, "ich will einfach mit den Jungs ein absolut geiles Turnier spielen und der Eishockey-Welt zeigen, was für eine tolle Mannschaft wir sind, was für tolle Spieler wir haben."

Als sein Vater deutsche Olympia-Geschichte schrieb, war er noch gar nicht auf der Welt. Nun gehört ihm das Rampenlicht - möglicherweise auch bei der Eröffnungsfeier, Draisaitl ist einer der drei Fahnenträger-Kandidaten. Aufs Eis geht es erstmals am 12. Februar zum Auftakt gegen Dänemark, es wird Draisaitls erstes Spiel für die Nationalmannschaft seit knapp sieben Jahren. 12.413 Tage nach dem berühmten Penalty seines Vaters.