Zurück im NHL-Alltag: "Brautjunger" Draisaitl muss Olympia-Enttäuschung verdauen

Leon Draisaitl ist ohne Medaille aus Italien abgereist
Leon Draisaitl ist ohne Medaille aus Italien abgereistPETER KNEFFEL / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Für Leon Draisaitl beginnt nach der Olympia-Enttäuschung wieder der Alltag in der NHL - mit ähnlich großen Problemen.

Viel Zeit, die Olympia-Enttäuschung zu verarbeiten, hatte Leon Draisaitl nicht. Nach dem Viertelfinal-Aus in Mailand flog der deutsche Eishockey-Star zurück nach Kanada – wo ihn ähnliche Herausforderungen und Probleme erwarten. Daran erinnerte ihn in Italien einer seiner größten Widersacher.

"Immer nur die Brautjungfer, Leon? Nie die Braut", hatte US-Star Matthew Tkachuk ihm im direkten Duell in der Vorrunde auf dem Eis zugerufen – in einer Spielunterbrechung, als die TV-Mikrofone auf ihn gerichtet waren.

Der für derartige Provokationen bekannte Amerikaner traf damit einen wunden Punkt: Draisaitl hat mit den Edmonton Oilers in der NHL zweimal in Folge das Finale gegen Tkachuks Florida Panthers verloren, der bekennende Fan des US-Präsidenten Donald Trump krönte sich zudem in Mailand zum Olympiasieger – als der Deutsche schon längst von der größten Eishockey-Bühne verschwunden war.

Die Häme seines Gegners nahm der Kölner vor Ort noch gelassen hin, "das ist ja sein Spiel, das kann er ganz gut, seiner Meinung nach", sagte Draisaitl bei Eurosport.

Titel-Sehnsucht

Doch zurück in Edmonton, wo die Sehnsucht nach dem Stanley Cup groß und die Erwartungen an den deutschen Star – und seinen kanadischen Kompagnon Connor McDavid, der am Sonntag Tkachuk und den USA Olympiagold überlassen musste – riesig sind, wird er wieder regelmäßig damit konfrontiert.

Tkachuks Amerikaner haben im Olympia-Finale den besseren Tag erwischt als McDavid und Kanada
Tkachuks Amerikaner haben im Olympia-Finale den besseren Tag erwischt als McDavid und KanadaALEXANDER TAMARGO / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / GETTY IMAGES VIA AFP

Bereits am Mittwochabend beginnt für Draisaitl und Co. bei den Anaheim Ducks wieder der Liga-Alltag – und nach drei Pleiten in Folge vor der Olympiapause erstmal der Kampf um einen Play-off-Platz.

Denn nach sehr wechselhaftem Saisonverlauf liegen die Oilers zwar aktuell auf Rang zwei in der Pacific Division und damit über dem Strich, doch der Vorsprung beträgt nur vier Punkte, und Edmonton hat schon mehr Spiele ausgetragen als die Konkurrenz.

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Treffsicheres Duo – mit zu viel Eiszeit

Bislang hat es beim Vizemeister noch nicht klick gemacht, trotz individuell erneut starker Spielzeiten seiner beiden Stürmerstars. McDavid – bei Olympia mit 13 Punkten überlegener Scorerkönig und MVP – liegt auch in der NHL mit 96 Zählern vorne. Draisaitl – mit sieben Punkten bester deutscher Scorer in Mailand – ist in der Liga mit derzeit 80 Zählern auf dem Weg zu seiner siebten 100-Punkte-Saison. Doch dahinter fehlt die Unterstützung der Teamkollegen. Kritiker meinen, das Top-Duo stehe zu oft und zu lange auf dem Eis.

In der entscheidenden Saisonphase hat Edmonton nun zwei Superstars in seinen Reihen, die nach den verlorenen Endspielen um den Stanley Cup auch noch schmerzhafte Olympia-Enttäuschungen im Gepäck haben. Und den Spruch von der "Brautjungfer" im Ohr.

Kleiner Trost: Olympiasieger Tkachuk liegt mit Meister Florida derzeit im Osten acht Punkte hinter dem letzten Play-off-Platz zurück. Darüber könnten sich Draisaitl und Tkachuk ja beim nächsten Aufeinandertreffen unterhalten – am 20. März in Edmonton.