"Ich nehme es, wie es kommt", sagt der 28-Jährige mit Blick auf das entscheidende Springen am Dienstag (16.30 Uhr/ARD und Eurosport): "Wir machen einfach da weiter, wo wir in Innsbruck aufgehört haben." Sprung für Sprung - eine Taktik, mit der Hoffmann bislang ausgezeichnet fährt.
Dritter in Oberstdorf, Sechster in Garmisch-Partenkirchen, Fünfter in Innsbruck, Gesamt-Fünfter: Der Spätstarter, bis Saisonbeginn nie unter den Top 10, ist eine Bank. Und kämpft nun in Bischofshofen um Großes: Acht Meter muss Hoffmann auf die Österreicher Jan Hörl und Stephan Embacher aufholen, die hinter dem designierten Tournee-Champion Domen Prevc Zweiter und Dritter sind. Viel - nicht unbedingt zu viel.
"Kann uns nicht zufriedenstellen"
Hoffmann kann befreit aufspringen, schon Platz fünf wäre für ihn ein Riesenerfolg. Und damit würde er dem Deutschen Skiverband die Tournee retten: Denn abseits von Hoffmann und dem bislang unter Wert geschlagenen Philipp Raimund (7.) ist es wenig, was von den DSV-Adlern bei dieser "Vielsorgentournee" kommt. Besorgnis erregend wenig. Hoffmanns Erfolg ist ein Feigenblatt - und deshalb schlägt Horst Hüttel Alarm.
"Das beschäftigt uns enorm, das kann uns nicht zufriedenstellen", sagt der DSV-Sportdirektor hinsichtlich des Gesamtbildes: Hinter dem Spitzenduo verdiente sich nur Pius Paschke (35) noch die Note ausreichend.
Die kaum konkurrenzfähigen Karl Geiger (32) und Andreas Wellinger (30) durften nur weiter mit dem Tournee-Tross reisen, weil von hinten niemand nach(d)rückt - dass es bei Olympia in einem Monat keinen Team-Wettbewerb (vier Springer), sondern nur ein "Super-Team" (zwei) gibt, ist ein Segen. Den jüngsten Rücktritt diverser Asse wie Markus Eisenbichler jedenfalls hat der dünne Talente-Pool nicht ansatzweise aufgefangen.
"Deswegen muss das jetzt intern hinterfragt werden", sagt Hüttel: "Was ist passiert? Warum ist es uns nicht gelungen, in den letzten Jahre jüngere Leute in eine Ausgangsposition zu bringen wie den Felix im Moment?"
Neidischer Blick nach Österreich
Gerade der Tournee-Besuch in Österreich ließ Hüttel bedrückt zurück. "Das ist schmerzhaft, wenn man sieht, wen die alles nachschieben können", sagte Hüttel auch mit Blick auf den drittplatzierten Stephan Embacher (19). Der Vergleich der zweiten und dritten Reihe schmerzt noch mehr: Im Continental Cup liegen acht Austria-Springer vor dem besten Deutschen, im drittklassigen FIS-Cup 13.
Der Nachfolger des scheidenden Bundestrainers Stefan Horngacher, wer auch immer dies sein wird, muss zunächst Mangel verwalten und hoffen, dass im Nachwuchsbereich die Verantwortlichen um Hüttel, Werner Schuster oder Martin Schmitt Lösungen finden. Und zwar "so schnell wie möglich", wie Hüttel insistiert.
Horngacher wird in Bischofshofen sein letztes Tourneespringen als deutscher Chefcoach erleben. Ohne Wehmut. "Für mich ist das nebensächlich", sagt der Österreicher. Auch unter ihm ist es nichts mit dem ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald 2001/02 geworden. Auf dem Weg nach Bischofshofen fuhr die große Sorge mit, dass sich daran sehr lange nichts ändern wird.
