Kevin De Bruyne ließ sich nichts anmerken. Barfuß und mit entspanntem Blick nahm der belgische Superstar beim Training im sonnigen Renton südlich von Seattle auf einer Bank am Spielfeldrand Platz, während 8.000 km entfernt in der Heimat die Kritik an ihm brodelt. Das jahrelange Aushängeschild der viel zitierten "Goldenen Generation": Plötzlich nur noch ein Mann von gestern?
Viel wurde in der Heimat über De Bruyne nach dem enttäuschenden 0:0 der Belgier gegen den Iran gespottet. Der 34-Jährige sei wie ein "abgehalfterter Schauspieler, der jede x-beliebige Rolle annimmt, um in Hollywood weiter zu existieren" schrieb die Zeitung La Libre Belgique.

Vor dem kniffligen Gruppenfinale gegen Neuseeland in der Nacht auf Samstag (5 Uhr MESZ/MagentaTV) herrscht im Belgien große Spannung.
Match-Center: Neuseeland vs. Belgien
Neo-Kapitän Tielemans verteidigt die Routiniers
De Bruyne soll den Roten Teufeln kurz vor seinem 35. Geburtstag am Sonntag dabei helfen, vier Jahre nach dem peinlichen Vorrunden-Aus in Katar ein weiteres Debakel zu verhindern. Auch, um seinem eigenen Vermächtnis keine weiteren Kratzer hinzuzufügen.
Ihren Glanz hat die einstige "Goldene Generation" der Belgier ohnehin schon verloren. Der Umbruch läuft auf Hochtouren. So sind etwa nicht De Bruyne, Torwart Thibaut Courtois oder Stürmer Romelu Lukaku bei ihrem womöglich letzten großen Turnier Kapitän, sondern Mittelfeldspieler Youri Tielemans. Im Fokus aber stehen dennoch erstere – gerade, wenn es schlecht läuft.
Er selbst "hasse" es jedenfalls, "mit dem Finger auf jemanden zu zeigen", antwortete Tielemans auf die jüngste Kritik an den Altstars. Er stellte sich schützend vor seine Mitspieler: "Wenn wir nicht gewinnen, ist das die Schuld des gesamten Teams."

