"Fünf vor zwölf": Belgien sucht die "echten" Roten Teufel – Kritk von Alderweireld

Belgiens Trainer Rudi Garcia kann auch mit dem 0:0 gegen Iran nicht zufrieden sein.
Belgiens Trainer Rudi Garcia kann auch mit dem 0:0 gegen Iran nicht zufrieden sein.Reuters/Kiyoshi Mio

Thibaut Courtois blieb gelassen. Vom nächsten WM-Debakel des ewigen Geheimfavoriten Belgien und der letzten Chance für Teile der "Goldenen Generation" wollte der Starkeeper nichts wissen, die vielen Zweifel schob er vor dem kniffligen Gruppenfinale einfach beiseite. Er sei überzeugt, sagte Courtois in weißen Badelatschen und mit ruhiger Stimme, "dass wir gegen Neuseeland dieses Quäntchen Glück und diese Magie finden werden - und dass die echten Roten Teufel zum Vorschein kommen."

Doch die Belgier wissen auch um den Ernst der Lage. Nach zwei enttäuschenden Auftritten steht der WM-Dritte von 2018 mit nur zwei Punkten unter Druck, schließlich soll vier Jahre nach dem Debakel von Katar das zweite Vorrundenaus in Folge vermieden werden. Für die belgischen Altstars um Real-Torhüter Courtois (34), Kreativkopf Kevin De Bruyne (34) und Sturmtank Romelu Lukaku (33) ist das Turnier in Nordamerika wahrscheinlich die letzte Chance, ihre Karrieren auf der größten Fußballbühne zu krönen.

Zum Match-Center: Belgien vs. Iran

Doch so weit will in Belgien berechtigterweise noch niemand denken. Für den Einzug in die K.o.-Runde braucht es zunächst einen Sieg im dritten Gruppenspiel am Freitag (Ortszeit) gegen Neuseeland. "Wir müssen das letzte Spiel angehen, als wäre es das Spiel unseres Lebens", betonte Lukaku, der beim 0:0 gegen den Iran wie seine Teamkollegen glücklos blieb. Immerhin: Nach einer Roten Karte gegen Nathan Ngoy (67.) stemmten sich die Belgier in Unterzahl leidenschaftlich gegen eine Niederlage.

Alderweireld mit deutlicher Kritik an Belgien

Der bullige Lukaku war wie De Bruyne und Courtois schon 2018 in Russland dabei, als die Roten Teufel bis ins Halbfinale stürmten und am Ende Dritter wurden. Doch Aushängeschilder wie Eden Hazard (35) oder Rekordnationalspieler Jan Vertonghen (39) haben das Team mittlerweile verlassen, die "Goldene Generation" ist massiv im Umbruch - und weit entfernt vom Glanz früherer Tage.

Und das führt in der Heimat zu Kritik. Das Team müsse sich bewusst machen, dass es "fünf vor zwölf ist", sagte der langjährige Nationalspieler Toby Alderweireld in der Show "Deviltime". Die Gruppe G mit Iran, Neuseeland und Ägypten sei "die schlechteste der Weltmeisterschaft. Da musst du eigentlich Erster werden." Von der Unruhe will man sich im Camp der Belgier aber nicht anstecken lassen.

"Wir dürfen nicht auf die Stimmen von außen hören", sagte Lukaku, "wir haben eine weitere Chance. Wir sollten zusehen, diese Möglichkeit zu nutzen, um nicht so zu enden wie vor vier Jahren."

Und die Lage ist bei weitem nicht aussichtslos. Gegen Neuseeland (1:3 gegen Ägypten) sind die Belgier in Vancouver der klare Favorit. Auch ein weiteres Remis könnte unter Umständen für das Weiterkommen reichen. "Manchmal", sagte Trainer Rudi Garcia entspannt, "ist der Druck, gewinnen zu müssen, genau das, was du brauchst."