Finn Sonnekalbs außergewöhnliches Talent zwang seinen Vater in sein ganz eigenes Olympia-Abenteuer. Weil der deutsche Eisschnellläufer mit nur 18 Jahren erstmals an Winterspielen teilnimmt, reiste der Senior zur Unterstützung aus Erfurt mit dem Fahrrad nach Norditalien - und löste so ein Versprechen ein. "Im Jahr 2024 habe ich ihm gesagt: Wenn du es schaffst, 2026 nach Mailand zu kommen, dann komme ich mit dem Rad runtergefahren. Das muss ich jetzt einlösen", sagte Papa Gerrit Schädler dem MDR - am Montagnachmittag erreichte er sein Ziel.
Rechtzeitig also, um seinen Sohn, den deutschen Shootingstar, auf dessen Nebenstrecke 1000 m beim ersten olympischen Wettkampf zu unterstützen. Druck macht der Junior sich nicht. "Ich würde gerne in die Top-Plätze laufen. Das wäre echt schön", sagte Sonnekalb dem SID: "Aber ich mache mir da wirklich keine Platte. Ich mache mein Ding und gucke, wofür es reichen wird."
"Zukunft des Eisschnelllaufens"
Sonnekalb ist ein Glücksfall für das seit Jahren arg gebeutelte deutsche Eisschnelllaufen. Bei den vergangenen drei Winterspielen in Sotschi, Pyeongchang und Peking blieb der einst erfolgsverwöhnte Verband ohne Medaille. Die Hoffnungen, dass Sonnekalb die quälend lange Durststrecke in Mailand beendet, sind nicht unbegründet, vor allem in seiner Königsdisziplin 1500 m (19. Februar).
Der Erfurter gewann bei internationalen Junioren-Meisterschaften Goldmedaillen in Serie, holte bei den Olympischen Jugendspielen in Gangwon 2024 sowie der Junioren-WM im Februar 2025 drei Titel. In seiner ersten Weltcup-Saison im Seniorenbereich lief der deutsche Meister über 1000 m und 1500 m drei Mal aufs Podium.
Patrick Beckert (35), der in Mailand seine fünften Winterspiele bestreitet, warnt dennoch vor zu hohen Erwartungen an den Jungstar. "Man darf nicht vergessen, dass er 18 Jahre alt ist", sagte Beckert. Sonnekalb sei die "Zukunft des Eisschnelllaufens, aber er sollte nicht die Last tragen, dass er die Medaillen holen muss".
"Bin ein Wettkampftyp"
Anders als Routinier Beckert steht Sonnekalb im Team D für die Gen Z. Der Teenager tritt mit erfrischender Lockerheit auf, teilt seine Erlebnisse und die gute Laune bereitwillig in den Sozialen Medien. Vom Sprung auf das Podium und einer Medaille würde er dort allzu gern berichten.
Sonnekalb liebt das Gefühl des Gewinnens, er habe einen "Drang, einfach besser als irgendjemand zu sein. Das treibt mich an. Ich möchte nicht sagen, dass jemand schneller ist. Ich mag das nicht", sagte Sonnekalb: "Jedes Mal, wenn ich auf der Bahn stehe, will ich gewinnen. Ich bin ein Wettkampftyp." Der rote Bereich ist seine Komfortzone. Auch im Training bevorzugt er die kurzen, harten Tempoeinheiten. Im Wettkampf ist er bereit, "über die Kotzgrenze" hinauszugehen.
Sein Vater Gerrit Schädler wird sich nach seiner Fahrradtour über die Alpen in Mailand selbst ein Bild davon machen.
