Die unbeugsame Lindsey, Crosbys Podiumstraum und Co.: 10 Geschichten zu Olympia 2026

Sidney Crosby ist einer der Superstars der Olympischen Spiele 2026.
Sidney Crosby ist einer der Superstars der Olympischen Spiele 2026.Srdjan Suki / EPA / Profimedia

Sieben Jahrzehnte sind seit den letzten Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo vergangen. Die Welt hat sich seither grundlegend verändert, doch eines ist gleich geblieben: der unbändige Wille der Athletinnen und Athleten, Medaillen zu gewinnen und ihre Grenzen zu verschieben. Auch die Fans in Norditalien gelten weiterhin als besonders leidenschaftlich. Beste Voraussetzungen also für große Geschichten. Welche wird Mailand–Cortina schreiben?

Die unsterbliche Lindsey

Es sollte ihre Bühne werden. Denn im alpinen Skisport gibt es kaum einen größeren Namen als Lindsey Vonn. Bereits 2002 feierte sie ihr Olympia-Debüt, ihr bislang einziges Gold gewann sie 2010 in Vancouver. Vor sieben Jahren beendete sie nach schweren Knieverletzungen scheinbar endgültig ihre Karriere.

Doch dann folgte das Comeback. Nach ihrer Genesung schnallte sie sich im vorletzten Dezember erneut die Ski an – und dominierte die Konkurrenz. Zwei Abfahrtssiege, insgesamt sechs Podestplätze in dieser Saison. Cortina ist dabei ihr persönlicher Lieblingsort: sechs Siege in der Abfahrt und ebenso viele im Super-G sprechen für sich.

Kurz vor den Spielen folgte allerdings ein weiterer Rückschlag. Bei einem Sturz in Crans-Montana zog sich Vonn erneut einen Riss des vorderen Kreuzbandes zu. Trotzdem will sie starten. "Ich weiß, dass meine Chancen nicht mehr dieselben sind wie früher, aber solange es Hoffnung gibt, versuche ich es", sagte sie. Sollte ihr tatsächlich ein Podestplatz gelingen, würde sie zur ältesten alpinen Medaillengewinnerin der Geschichte werden – älter noch als Bode Miller. Auch der Traum eines gemeinsamen Teamstarts mit Mikaela Shiffrin lebt weiter.

Das ikonische Stilfser Joch

Während Abfahrten in den vergangenen Jahrzehnten meist eigens für Olympische Spiele angelegt wurden, blickt Bormio auf eine lange Tradition zurück. Bereits bei der WM 1985 fuhren die Männer erstmals die legendäre Stelvio-Piste hinunter. "In Bormio ging es nie um Glück", sagte Ex-Rennläufer Doug Lewis einmal treffend.

Genau deshalb zählt die Herrenabfahrt zu den Höhepunkten der Spiele. Die Favoritenrolle teilen sich die Schweizer Marco Odermatt und Franjo von Allmen, die fünf der sechs Abfahrten in dieser Weltcup-Saison gewonnen haben. Ein Außenseiter mit Heimvorteil ist der Italiener Giovanni Franzoni. Mit 3.442 Metern ist die Strecke zudem deutlich länger als der olympische Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre.

Erste Winter-Medaillen für Südamerika?

Noch nie hat ein südamerikanisches Land eine Medaille bei Winterspielen gewonnen. Lucas Pinheiro Braathen könnte Geschichte schreiben. Der 25-jährige Slalom-Spezialist, in Norwegen geboren, startet inzwischen für das Heimatland seiner Mutter: Brasilien. Sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom zählt er zu den Medaillenkandidaten.

In der Gesamtwertung des Weltcups liegt er aktuell auf Rang zwei, nur hinter Odermatt. Nach einem überraschenden Karriereende mit 23 Jahren infolge eines Streits mit dem norwegischen Verband kehrte er schon nach sechs Monaten zurück. Sein Sieg in Levi machte ihn zum ersten männlichen Skifahrer, der Weltcup-Rennen unter zwei verschiedenen Flaggen gewann.

Eine besondere Herausforderung für Ester

Zwei Goldmedaillen bei einer Olympiade in zwei unterschiedlichen Sportarten. Ester Ledecká gelang dieses Kunststück 2018 in Pyeongchang. Auch diesmal hat die tschechische Ausnahmesportlerin große Ambitionen. Bei den Weltmeisterschaften 2025 gewann sie Bronze in der Abfahrt und Gold im Snowboard.

In Cortina wird sie jedoch nicht in der Abfahrt starten können, da sich ihre beiden Paradedisziplinen terminlich überschneiden. Trotz politischer Unterstützung gelang es nicht, den Zeitplan zu ändern. Ledecká gibt dennoch nicht auf: Ein Start im Super-G ist weiterhin geplant. Ihr dritter Platz in Tarvisio vor wenigen Wochen unterstrich ihr enormes Potenzial.

Goldene Snowboard-Hattricks

Noch nie hat ein Snowboarder oder eine Snowboarderin bei drei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen jeweils Gold gewonnen. In Mailand haben gleich drei Frauen die Chance, Geschichte zu schreiben: Ester Ledecká im Parallel-Riesenslalom, Anna Gasser im Big Air und Chloe Kim in der Halfpipe. Und das trotz einer Schulterverletzung, die sie derzeit am Training hindert.

Bei den Männern hofft der Kanadier Mark McMorris auf sein erstes olympisches Gold. Zwar ist er mehrfacher Weltmeister und X-Games-Champion, bei Olympia reichte es bislang "nur" zu Bronze. Nach langer Verletzungspause kündigte er an: Mailand soll sein letzter Anlauf werden.

Friedrich gegen die eigenen Reihen

Francesco Friedrich zählt zu den erfolgreichsten Bobpiloten der Geschichte. Vier olympische Goldmedaillen hat er bereits, so viele wie die deutschen Legenden Kevin Kuske und André Lange. In Cortina will er nun alleiniger Rekordhalter werden.

Doch ausgerechnet seine Teamkollegen könnten ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Johannes Lochner führt derzeit die Weltcup-Gesamtwertung an. Und auch Thorsten Margis, bislang Friedrichs langjähriger Anschieber, steht nun auf der Gegenseite. Ein deutsches Duell auf höchstem Niveau ist programmiert.

Ilya – von einem anderen Planeten

Mit gerade einmal 21 Jahren ist Ilya Malinin der unumstrittene König des Eiskunstlaufs. Seit fast zwei Jahren ungeschlagen, hat er die sportlichen Grenzen neu definiert. Als einziger Mensch beherrscht er den nahezu unmöglichen Quadrataxel.

Beim Grand-Prix-Finale in Nagoya zeigte er eindrucksvoll, warum er als Goldfavorit gilt. Sieben Vierfachsprünge im Kürprogramm, ein neuer Weltrekord und ein Vorsprung von 30 Punkten auf den Zweitplatzierten. Alles deutet darauf hin, dass er auch in Mailand Geschichte schreiben wird.

Die heimische Heldin

Arianna Fontana ist Italiens erfolgreichste Olympionikin aller Zeiten. Elf Medaillen, sechs Olympische Spiele. Mit 15 Jahren gewann sie 2006 in Turin ihre erste Medaille und wurde zur jüngsten italienischen Medaillengewinnerin überhaupt.

Auch mit 35 Jahren zählt sie noch zu den Favoritinnen, zuletzt gekrönt von EM-Gold über 1.500 Meter. "Solange ich das Feuer in mir spüre, mache ich weiter", sagt die populäre Athletin, die in Italien liebevoll „L’Angelo Biondo“ (dt.: "Der blonde Engel") genannt wird. Kein Wunder, dass sie bei der Eröffnungsfeier die italienische Fahne tragen darf.

Eine Familiengeschichte auf Skiern

Slowenien gehört im Skispringen längst zur Weltspitze. Nach den Erfolgen von 2022 übernimmt nun die nächste Generation der Familie Prevc. Bei den Frauen zählt Nika zu den Topfavoritinnen, bei den Männern dominiert Domen die Saison.

Gemeinsam wollen sie auch im neuen Mixed-Wettbewerb Gold holen. Beide stellten zuletzt Weltrekorde auf. Eine besondere Note: Vater Božidar ist internationaler Kampfrichter und gilt als besonders strenger Beobachter der Leistungen seiner Kinder.

Noch eine Crosby-Show?

Das olympische Eishockeyturnier verspricht Starpower pur. Erstmals seit 2014 pausiert die NHL für Olympia. Kanada reist mit einer Weltauswahl an, angeführt von Sidney Crosby.

Der Routinier nimmt an seinen dritten Spielen teil und kennt bislang nur Gold. Unvergessen bleibt sein Siegtor im Finale von 2010. Mit 38 Jahren nähert sich seine Karriere dem Ende. Die Frage ist: Kann er sie mit einem letzten goldenen Kapitel beschließen?