"Die erste Medaille": Olympia-Eröffnung vereint Faszination und Zwischentöne

Die deutschen Athletinnen und Athleten waren von der Olympia-Eröffnung in Italien begeistert.
Die deutschen Athletinnen und Athleten waren von der Olympia-Eröffnung in Italien begeistert.REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Leon Draisaitl war auch am Tag danach vollkommen beseelt - obwohl der Jetlag bei Deutschlands NHL-Star "ganz klar ein Thema" ist. "Es ist etwas ganz Besonderes, wir haben so tolle Athleten in Deutschland", schwärmte der erst am Freitag gelandete Fahnenträger nach der bunten, aber keineswegs überladenen Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele - die wegen ihrer einmaligen Logistik mit vier parallel stattfindenden Zeremonien durchaus mit Spannung erwartet wurde. Das verbreitete Urteil: Bestanden.

"Für Italien bedeutet die Eröffnungsfeier bereits die erste Medaille", stellte das Sportorgan Gazzetta dello Sport fest, laut Corriere dello Sport habe alles "synchron" funktioniert, "wie bei einem Bergchor in Cortina". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, einer von etwa 50 hochrangigen Staatsgästen, sprach am Samstag beim Besuch des Olympischen Dorfs von einer "fulminanten Eröffnungsfeier".

Und doch gab es auch Zwischentöne - im wahrsten Sinne des Wortes und gewiss nicht unerwartet: Als US-Vizepräsident JD Vance im Mailänder Stadion auf der Großleinwand eingeblendet wurde, setzte das Publikum in der nicht ausverkauften Fußballoper zum Pfeifkonzert an. "Ein eisiger Empfang", wortspielte die britische Daily Mail.

Politik nicht außen vor

Der Einsatz von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE zum Schutz des Stellvertreters von Donald Trump hatte auch Sportler des Team USA nicht kalt gelassen. Skistar Lindsey Vonn oder Freestyle-Skifahrer Hunter Hess offenbarten ihre innere Zerrissenheit angesichts der gesellschaftlichen Spannungen in der Heimat auf der einen und der Medaillenmission in Italien auf der anderen Seite.

Wieder einmal konnte die Politik auch im Ökosystem mit den fünf Ringen nicht außen vor bleiben. Weitere Beispiele: Die Sportler Israels wurden ausgebuht, die Athleten aus der vor vier Jahren kurz nach den Spielen in Peking von Russland überfallenen Ukraine erhielten warme Ovationen.

Gegen die Krisen der Welt, die es auch einem globalen Sportfest schwer machen, redete die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry an. Die Athleten, an die sich die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin in ihrer Ansprache mehrfach gezielt richtete, feierten jedenfalls nach Kräften - ob in Mailand, wo Draisaitl den größten Teil der deutschen Sportler anführte, in Livigno, Cortina oder Predazzo, wo Katharina Schmid als Fahnenträgerin voranging.

Der deutsche Auftritt sorgte auch international für Aufsehen. Wegen der Outfits mit XXL-Poncho und Fischerhut rumorte es im Netz, auch weil Bobfahrer Joshua Tasche sich vor seine Teamkollegen warf und wie ein Fisch am Haken zappelte. Das Team D nahm die Häme sportlich und konterte in den Sozialen Medien: "Ab jetzt angeln wir uns die Medaillen!"

Eröffnung überzieht deutlich

Auch für die Zuschauer an den Streams und im linearen Fernsehen, wo bei der ARD im Schnitt 5,23 Millionen dabei waren, fiel die Feier gelungen aus. Auffällig besonders in Livigno und Predazzo aber war für Anwesende, dass viele Zuschauer vorzeitig gingen. Das Geschehen der großen Show in Mailand konnte nur auf teils weit entfernten Leinwänden verfolgt werden, beim Einlauf der Nationen kam es zu langen Pausen, Olympiastimmung kam zumindest in den Bergen nicht so recht auf.

"Man kann sich immer verbessern", sagte IOC-Exekutivdirektor Christophe Dubi am Samstag. Die einzige wesentliche Anmerkung durch Athleten habe aber nur "die Dauer" betroffen. Im Digitalen habe man "Rekorde gebrochen", tönte IOC-Kommunikationschef Mark Adams.