Neun Rennen noch, das ist eine ganze Menge. Emma Aicher wird sie alle fahren, dreimal Abfahrt, zweimal Super-G, zweimal Riesenslalom und zweimal Slalom. Also genug Chancen, um noch einmal in den Kampf um den Gesamtweltcup einzugreifen, um die 219 Punkte wettzumachen, die das deutsche Multitalent von Mikaela Shiffrin trennen. Oder?
"Die Chance ist auf alle Fälle da", sagt Felix Neureuther im Gespräch mit dem SID. "Das kann schon noch klappen", findet Maria Riesch. Bei zwei Abfahrten und einem Super-G ab Freitag im Val di Fassa kann Aicher den Rückstand auf Shiffrin auf jeden Fall verkürzen. Gleiches gilt für die Abfahrtswertung: 94 Punkte liegt die zweifache Olympia-Zweite dort hinter der seit Olympia schwer verletzten Lindsey Vonn.

Für einen Sieg im Weltcup gibt es 100 Punkte, für Platz zwei 80, für Platz drei noch 60. Im Kampf um den Gesamtweltcup, schränkt Neureuther ein, "müsste für die Emma schon alles zusammenpassen". Shiffrin sei ja "keine Laufkundschaft", und 219 Punkte Rückstand deshalb dann doch sehr viel für Aicher. "Die Emma", ahnt Neureuther, "müsste schon in jedem Rennen aufs Podium kommen".
Shiffrin bleibt die große Favoritin
Olympiasiegerin Shiffrin, davon geht Neureuther aus, werde die letzten beiden Slaloms in dieser Saison gewinnen, "so schlecht fährt sie ja nicht Slalom".
Dazu ein paar Punkte in den Riesenslaloms, "da bist du dann schnell bei 500 Punkten Unterschied, und das ist dann schon brutal, da muss man die Kirche im Dorf lassen". Wobei: "Die Shiffrin", sagt Maria Riesch im Gespräch mit dem SID, "muss auch erst mal beide Slaloms gewinnen".

Wie schnell so ein Vorsprung schwinden kann, weiß die dreimalige Olympiasiegerin nur zu gut. Im Winter 2013/14, "da war ich lange weit vorne", erinnert sie sich. Doch in den Wochen nach dem dritten Gold in Sotschi "war ein bisschen die Luft raus, der Vorsprung wurde immer kleiner". Am Ende wurde sie Zweite hinter Anna Fenninger (jetzt Veith).
Viermal war Riesch Zweite im Gesamtweltcup, einmal aber, 2012 im schier ewigen Duell mit Vonn, gewann sie die große Kugel – die, so sagt sie, zur "Vita schon dazugehört". Und wie Neureuther ist Riesch beeindruckt, wie sich Aicher in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt hat. "Ein sehr schneller Aufstieg", sagt sie, besonders gefällt ihr, dass Aicher "die Coolste überhaupt" ist.
