Der Fall Petr Vlachovsky erschüttert den tschechischen Frauenfußball. Der frühere U19-Nationaltrainer und als bester Frauen-Trainer Tschechiens ausgezeichnete Coach wurde wegen „kontaktlosem“ sexuellem Missbrauch und Besitz von kinderpornografischem Material verurteilt. Dennoch sorgte das im Mai 2025 gefällte Urteil für Entsetzen: Lediglich eine Bewährungsstrafe und ein auf fünf Jahre begrenztes Trainingsverbot innerhalb Tschechiens.
Für die Spielerinnen des 1. FC Slovacko war der Fund einer versteckten Minikamera im Rucksack ein Schock, der ihr Sicherheitsgefühl zerstörte. Kristyna Janku, damals selbst Spielerin, beschreibt die sofortige Angst und Unsicherheit: „Einige meiner Mitspielerinnen hatten plötzlich Angst, sogar durch das Fenster beobachtet zu werden. Sie konnten kaum schlafen, manche mussten sich vor Stress übergeben.“
Alena Peckova, ehemalige Spielerin des Vereins, berichtet, dass sie die Folgen des Traumas bis heute im Alltag spürt, lange nach der Zusammenarbeit mit Vlachovsky: „Egal, wo ich bin – ob im Fitnessstudio oder anderswo – geht bei mir innerlich sofort ein Alarm los. Ich kontrolliere ständig, ob irgendwo eine Kamera versteckt ist. Außerdem habe ich Probleme bekommen, meinen eigenen Körper wahrzunehmen. Ich fühlte mich einfach nur angewidert.“
"Lasche" Justiz in der Kritik
Die Enttäuschung der Opfer ist umso größer, da sie im Gerichtsverfahren keine Stimme hatten. Durch ein „Strafmandat“ konnten sie weder öffentlich aussagen noch Berufung einlegen. Kristyna Janku macht keinen Hehl aus ihrer Bitterkeit über das milde Urteil: „Das ist ein Hohn. Wir empfinden alle dasselbe. Aber der Ermittler hat mir schon vorher gesagt, dass man nichts Besonderes erwarten sollte, weil nach tschechischem Recht Kinderpornografie und sexueller Missbrauch nicht als schwere Straftaten gelten.“
Marketa Vochoska Haindlova, Vorsitzende der tschechischen Spielergewerkschaft CAFH und Vorstandsmitglied von FIFPRO Europa, kämpft nun dafür, dass solche Täter weltweit aus dem Sport ausgeschlossen werden. Sie kritisiert die viel zu geringe Strafe:
„Eine einjährige Bewährungsstrafe (mit drei Jahren Gültigkeit) setzt das völlig falsche Zeichen. Das fünfjährige Trainingsverbot – und das nur in Tschechien – reicht ebenfalls nicht aus. Es braucht eine Null-Toleranz-Politik.“
Für sie muss der Wandel von den Sportverbänden ausgehen, um die Langsamkeit des Strafrechts zu überwinden: „Eine Änderung des Disziplinarreglements des Tschechischen Fußballverbands (FACR) kann schnell umgesetzt werden. Wenn sie rechtzeitig erfolgt, kann sie den Opfern und der Gemeinschaft das richtige Signal senden. Es muss die Regel gelten: Ein Fehltritt und lebenslanger Ausschluss – das ist die einzige Option.“
Wie sieht die Zukunft des Spielerschutzes aus?
FIFPRO und CAFH fordern nun, dass die FIFA einschreitet und das lokale Verbot von Vlachovsky in einen weltweiten Ausschluss umwandelt, damit er nicht im Ausland tätig werden kann. Abschließend richtet Marketa Haindlova eine direkte Botschaft an die Opfer:
„Ich möchte den Spielerinnen des 1. FC Slovacko danken und ihnen größten Respekt für ihren Mut und ihre Tapferkeit aussprechen. (...) Ihr werdet als Opfer niemals allein gelassen; ihr seid die Wegbereiterinnen eines Wandels, der für alle ein besseres und sichereres Umfeld schaffen wird.“
