Victor Wembanyama: Krönt er seine Rekordsaison bereits mit dem MVP-Titel?

Ist San Antonios Victor Wembanyama auf dem Weg zum MVP?
Ist San Antonios Victor Wembanyama auf dem Weg zum MVP?Scott Wachter-Imagn Images via REUTERS

Könnte Victor Wembanyama tatsächlich schon in dieser Spielzeit zum wertvollsten Spieler der NBA (MVP) gekürt werden? Während die San Antonio Spurs Kurs auf die beste Bilanz der Liga nehmen, drängt sich die Frage auf: Ist die Zeit für „Wemby“ bereits gekommen?

Sieben Jahre ist es her, dass die Spurs letztmalig Playoff-Luft schnupperten: 2019 war nach sieben hart umkämpften Spielen gegen die Nuggets in Runde eins Schluss. Was folgte, war das Ende einer Ära, die fünf Titel in 15 Jahren hervorbrachte. Nun scheint das Warten auf den nächsten Zyklus vorbei zu sein, und die Rückkehr ins Rampenlicht erfolgt schneller als gedacht.

Mit aktuell 51 Siegen und 18 Niederlagen rangieren die Spurs als zweitbestes Team der Western Conference und der gesamten NBA. Nur der amtierende Champion, die Oklahoma City Thunder (54-15), steht noch besser da. Man muss bis in das Jahr 2017 zurückblicken, um in San Antonio letztmals eine Saison mit über 50 Siegen zu finden.

Der Wembanyama-Effekt

Natürlich überzeugt der gesamte Kader: Der amtierende Rookie of the Year, Stephon Castle, zeigt eine steile Formkurve, Devin Vassell erfüllt endlich sein Potenzial und De'Aaron Fox glänzt in der Rolle des Co-Stars. Doch das Epizentrum des Erfolgs ist allen bekannt: Victor Wembanyama.

Als die Spurs 2023 das Losglück für den ersten Draft-Pick hatten, keimte Hoffnung auf. Dass "Wemby" ein Team übernahm, das zuvor nur 22 Siege eingefahren hatte, schreckte ihn nicht ab. Trotz der großen Fußstapfen seines Mentors Tony Parker stellte er von Beginn an klar: Er will sofort gewinnen. Drei Jahre später kämpft sein Team nicht mehr nur um das Überstehen der ersten Runde, sondern um die Larry O’Brien Trophy.

Wie unverzichtbar er ist, zeigt die Statistik: Ohne ihn stehen die Spurs bei 10-5, mit ihm bei beeindruckenden 41-13. Sein defensiver Einfluss ist beispiellos, und sein Selbstvertrauen wirkt ansteckend auf die gesamte Gruppe. Wemby ist längst das Gesicht der NBA und sorgt weltweit für Staunen. Doch reicht das für den MVP-Award 2026?

Ein Blick auf die Zahlen dämpft die Erwartungen minimal: 24,2 Punkte, 11,1 Rebounds und 3 Blocks im Schnitt sind elitär, aber für einen MVP historisch wahrscheinlich zu wenig. In den letzten 15 Jahren erzielte nur Steph Curry (2015) mit 23,8 Punkten weniger, führte sein Team damals aber zu 67 Siegen. Zudem stagnieren Wembys Werte im Vergleich zum Vorjahr leicht, was Kritiker als Argument nutzen könnten.

Dagegen spricht jedoch der immense Impact: Nachdem San Antonio letzte Saison nur 34 Siege holte, könnten sie dieses Jahr die 60er-Marke knacken. Wembanyama selbst sagt dazu nüchtern: "50 Siege zeigen, dass wir wachsen."

Das Rennen um die Trophäe

Die NBA liebt gute Geschichten, und die Rückkehr einer Traditions-Franchise an die Spitze, angeführt von einem Jahrhunderttalent, ist genau das. Aktuell liefert sich Wemby bei den Buchmachern ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Nikola Jokić um Platz zwei. Ganz vorne thront jedoch weiterhin Shai Gilgeous-Alexander.

Der Kanadier spielt eine überragende Saison und scheint auf bestem Weg zur Titelverteidigung, sofern die "65-Spiele-Regel" niemandem einen Strich durch die Rechnung macht. "SGA" darf nur noch drei, Wemby zwei und Jokić nur noch ein Spiel verpassen, um wählbar zu bleiben. Eine kleine Verletzung könnte das Ranking also noch komplett auf den Kopf stellen.

Bleiben alle Stars fit und die Tabellenplätze stabil, wird SGA wohl MVP bleiben. Doch Victor Wembanyama wird mit hoher Wahrscheinlichkeit als erster Franzose überhaupt auf dem MVP-Podium landen. Es ist ein deutliches Signal an die Liga: Er ist bereits jetzt ein "MVP-Kaliber" – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er die Trophäe tatsächlich in den Händen hält.